Infozentrum Witi
Nicht alle Jungstörche in Altreu haben das kalte Regenwetter überlebt

Obwohl der kalte, nasse Mai den Jungstörchen in Altreu zugesetzt hat, könne man von einem «guten Jahr» sprechen. Rolf Gugelmann vom Infozentrum Witi gibt Auskunft darüber, wie es um die Horste steht und warum kaltes Regenwetter für die Tiere gefährlich sein kann.

Joel Dähler
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Ein Storchenhorst in Altreu, beobachtet durch eine Live-Nestkamera.

Ein Storchenhorst in Altreu, beobachtet durch eine Live-Nestkamera.

Screenshot

Zwischen Grenchen und Solothurn erstreckt sich eine 32 km2 grosse Landwirtschafts- und Schutzzone: Die Witi. Praktisch im Zentrum davon liegt das Storchendorf Altreu. Hier nisten zahlreich Störche in ihren Horsten. Diese werden unter anderem von Rolf Gugelmann beobachtet. Er ist Teil des Infozentrums rund um die Witi und die Storchensiedlung.

Gerade zu Beginn des Junis wurden die Jungstörche gezählt. Das Resultat waren rund 80 Junge in 58 Horsten. Davon wurden 28 Jungstörche in 13 Horsten beringt. Bei einer Beringung handelt es sich um einen Metall- oder Plastikring mit einer individuellen Kennzeichnung, der an den Tieren angebracht wird.

Gugelmann erzählt, dass nicht alle Jungtiere beringt werden können: «Es gibt Horste, die mit dem Feuerwehrauto nicht zugänglich sind, beispielsweise in Hecken drin. Diese Jungtiere können demnach nicht beringt werden.»

Nester werden bei Regenwetter zu einer Art Badewanne

Im Mai war es ausgenommen kühl und nass. Diese Wetterverhältnisse haben nicht alle Jungtiere überlebt. Dem Team des Infozentrums seien einige Todesfälle bekannt, so Gugelmann. Das Problem der Nässe und Kälte erkläre sich wie folgt: «Storchenhorste sind sehr dicht. Von aussen sind sie zwar aus Holz, innen drin gibt es aber oftmals eine Mulde aus Erde und Gras. Regnet es nun häufig, sammelt sich das Wasser im Horst, als wäre es eine Badewanne. Wenn die Jungtiere dann über längere Zeit bei Kälte im Nassen sitzen, dann werden sie krank.» Man könne sich das wie eine Lungenentzündung vorstellen. Im Grossen und Ganzen sei man aber mit einem blauen Auge davon gekommen.

«Von der Anzahl Jungtiere her können wir immer noch von einem guten Jahr reden.»

Aktuell sind die Temperaturen nun wieder gestiegen. Über eine Hitzewelle mache man sich aber nicht gross Gedanken. «Das einzige Problem bei der Wärme ist, dass Futterquellen nicht so zugänglich sind.» Gugelmann erklärt, dass die Hauptnahrung der Störche normalerweise aus Insekten bestehe. Bei längeren Trockenperioden seien diese aber schwieriger zu finden. Käfer beispielsweise finde man momentan nicht so viele.

Die Störche sind Naturtiere

Am wichtigsten für Gugelmann ist, dass es sich bei den Störchen um freie Lebewesen handelt. Es sei keine Zucht, so dass man auch möglichst nicht eingreife. Allerhöchstens müsse man ab und zu einen Horst versetzen, wenn dieser zu schwer wird und herunterzufallen droht. Dennoch gilt für Gugelmann:

«Wir lassen Natur Natur sein, in guten sowie in schlechten Zeiten.»

Die Jungtiere würden zudem bald mit dem Fliegen beginnen. Ab Mitte August rechne man damit, dass die Störche in Richtung Süden ziehen. Dann würde es in Altreu wieder etwas ruhiger werden.

Weitere Informationen und Live-Nestkameras gibt es auf der Webseite des Infozentrums Witi Altreu.