Buechibärger Träff

In Oberwil ist ein berühmter Käser am Werk

Besuch in der Käserei Oberwil.

Besuch in der Käserei Oberwil.

Der dritte Buechibärger Träff führte 80 Interessierte zu Kirche und Käserei in Oberwil.

Es herrscht Hochbetrieb, abends um halb sieben in der Käserei Oberwil. Zwei Jungs bringen ihre Milchkannen mit dem Traktor. Die Lieferantennummer im Computer eingeben, die Kannen öffnen, mit dem Ansaugstutzen die Milch in die Waage saugen, die Deckel wieder auf die Kannen stecken. Alle Handgriffe sitzen. Kaum sind die Jungs weg, kommt der nächste Bauer angefahren. «15 Lieferanten bringen noch Milch in die Chäsi», erzählte Werner Ramser, Präsident der Käsereigenossenschaft.

Interessiert lauschten die rund 80 Anwesenden seinem Exkurs in die Geschichte der Käseproduktion in Oberwil. Im Mai 1850 wurde die Käsereigesellschaft gegründet. Damals produzierte man den Käse in gemieteten Räumen. 12 Franken betrug die Miete im Jahr, zitierte Ramser aus dem ersten Protokoll. Bereits zwei Monate später gab es einen Fall von gepanschter Milch. «Der Melcher musste dafür den Kopf hinhalten, der Bauer kam ungeschoren davon», entnahm Ramser den Aufzeichnungen.

Vertrauen in den Käser

1910 wurde die Käserei für 78'000 Franken am heutigen Standort gebaut. 1969 begann die Ära der Familie Beer. Sie brachten die Einrichtungen auf den neuesten Stand. Nach der letzten Lebensmittelkontrolle vor acht Jahren, entsprach jedoch nichts mehr den Hygienevorschriften, so Ramser.

Die Genossenschaft stand vor der Entscheidung, den Betrieb zu schliessen, oder umzubauen. Dies zu einem Mehrfachen der damaligen Bausumme, nämlich für 1,6 Mio. Franken. Die Genossenschaft entschied sich für letzteres. «Wir haben mit Jakob Beer einen ausgezeichneten Käser», begründete Ramser den Entscheid. Beer hat mit seinem Käse europaweit Preise gewonnen.

Emmentaler als Spezialität

Jakob Beer, Käsermeister mit Leib und Seele, führte die Besucher durch seinen Betrieb und erklärte, wie der Käse entsteht. Seine Spezialität ist Emmentaler AOP. Die Milch kommt von Kühen, die mit Heu oder Gras gefüttert werden. Silomilch nimmt er keine an. Neben Emmentaler stellt Beer 17 andere Sorten her.

Im Keller konnten die Besucher einen Augenschein nehmen. In Reih und Glied liegen die Laibe in den Regalen. Kümmelkäse, eine Sorte mit Chilischoten, oder der schwarze Aschenputtelkäse. Die mächtigen Emmentalerlaibe reifen bis zu zwei Jahre lang. Die Besucher durften eine Kostprobe von einem knapp zweijährigen und einem jungen Käse probieren, um den Unterschied zu schmecken.

Bewegte Geschichte der Kirche

Von der Käserei ging es zur Kirche hoch. Martin Schoch, Betreuer des Bezirksarchivs in der Stiftung Schloss Buchegg, erzählte von ihrem Werdegang. «Wann genau die erste Kirche hier erbaut wurde, weiss man nicht», sagte Schoch. Vermutlich bereits im 7. oder 8. Jahrhundert. Im Lauf der Zeit riss man die Kirche ab, erbaute sie neu, oder baute sie um. Mehrmals fiel sie dem Feuer zum Opfer.

Bei Ausgrabungen entdeckten Archäologen einige Kuriositäten. So waren für die erste Holzkirche vier mächtige Pfähle als Fundament in den Boden gerammt worden. Für einen Neubau riss man diese Pfähle aus. Die Löcher wurden gefüllt mit Bauschutt von den Römern. Man fand Tonscherben und Ziegel darin. Weiter kam eine Glockengiesserei zum Vorschein.

Dummerweise schuf man einmal eine zu grosse Glocke, die nicht in die Kirche passte. Deshalb entstand der Glockenstuhl ausserhalb der Kirche. Seltsam sei auch, erzählte Schoch, dass man bei den Ausgrabungen des Friedhofs praktisch nur Männer fand. Wo die Frauen und Kinder sind, wisse man nicht.

Meistgesehen

Artboard 1