Drei Höfe
Grund zu feiern: 250 Konzerte wurden im Estri.ch durchgeführt

Das Konzertlokal Estri.ch feierte am Wochenende Jubiläum und blickte auf 15 erfolgreiche Jahre zurück.

Beatrice Kaufmann
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Die Band Capital-S mit Leadsängerin Petra Wydler sorgte für Partystimmung am Jubiläumsanlass im Estri.ch.

Die Band Capital-S mit Leadsängerin Petra Wydler sorgte für Partystimmung am Jubiläumsanlass im Estri.ch.

Tina Dauwalder und Thomas Ulrich

«Wir wollen mit Euch feiern!» Ein simples Motto, das am Wochenende über 200 Menschen in den Estri.ch gelockt hat.

Feiern klingt gut, erst recht in einem charakterstarken Lokal mit top Musikern aus der Region.

Anlass für das Party-Wochenende boten gut 250 durchgeführte Konzerte mit über vierhundert Bands. Oder anders gesagt: das 15-jährige Bestehen des umgebauten Dachbodens.

«Wir haben am Anfang vor allem auf härtere Musik gesetzt, das gefällt uns allen sehr», erzählt Michael Frei, der Gründungsmitglied und seit 14 Jahren Vereinspräsident ist.

Es erscheint daher naheliegend, dass auch zum Jubiläum auf Musiker aus der «schwarzen Szene» gesetzt wurde, die mit hartem E-Gitarren-Sound begeisterten.

Die Solothurner Trash-Metalbands «Gurd» und «Absurd» heizten den rund 150 Fans der dunklen Musik am Freitagabend ordentlich ein, unterstützt durch die natürlichen Grenzen des Raums: «Im Estri.ch haben etwa 200 Leute Platz», mit 150, die sich vor der Bühne tummeln, wird es eng.

Nur dank ehreamtlichem Einsatz

Dass der Estri.ch eher klein ist, sieht Frei sowohl als Vor- und Nachteil. Die Nähe zum Publikum werde geschätzt, weshalb auch bekannte Musiker wie Stiller Haas und Pro-Pain gerne hier auftreten. Solche Konzerte gehörten für ihn denn auch zu den Highlights.

«Was es aber wirklich ausmacht, sind die kleineren Bands», wie Mad Sox oder Dögz. «Die sind zwar weniger bekannt, machen aber mit Freude Top-Musik.»

Nicht zuletzt müssten die Gagen für den Verein bezahlbar bleiben, denn «von uns verdient hier keiner etwas. Was wir einnehmen, investieren wir in den Raum.»

Das gehöre wohl auch zum Erfolgsrezept, denn gerade weil die Arbeit ehrenamtlich erfolgt, sei es auch möglich, bekanntere Acts zu engagieren. Diesbezüglich stelle allerdings die Zahl 300 eine magische Grenze dar: «Viele Bands treten erst ab 300 Besuchern auf», bedauert er.

Man habe auch schon an einen Umbau des Raums gedacht «und vor zehn Jahren hätten wir das wohl auch noch gemacht.» Mittlerweile wäre der Aufwand neben regulärer Arbeit und eigener Familie vieler Mitglieder aber zu gross.

«Früher» habe das handwerklich begabte Team, das stets aus rund elf Mitgliedern bestand, fast jeden Abend im Estri.ch verbracht und ihn umgebaut.

«Hier stecken tausende Arbeitsstunden drin», was jeder sieht, der sich nur schon die liebevolle Dekoration ansieht. Frei ist denn auch – zu Recht – stolz auf das, was sein Verein seit 2000 geschaffen hat.

Party mit Capital-S

Den Erfolg des Estri.chs verdanke man aber nicht zuletzt Behörden und Anwohnern, für deren Kulanz sich die Crew am Samstag mit einem Apéro und dem Auftritt von «Capital-S» erkenntlich zeigte.

Mit der Partyband habe man, nach dem metallastigen Freitag, etwas für die Dorfbevölkerung gefunden, erklärt Frei. Davon machten zwar weit weniger Besucher Gebrauch als noch am Freitag und richtige Partystimmung baute sich nur langsam auf.

Das war allerdings mitnichten mangelnder Qualität der Musik geschuldet. Denn die derzeit zehnköpfige Band um Leadsängerin Petra Wydler brillierte mit funkig-souligen Versionen bekannter Songs wie «Celebration» und «Need somebody», die sie auf hohem Niveau und mit viel Feuer präsentierten.

Und weil zu jeder Geburtstagsfeier ein Ständchen gehört, baute die Band als Highlight etwas ganz Besonderes in ihre Show ein: eine instrumentale, funkige Version des Klassikers «Happy Birthday».

Das Erfolgsrezept

Begonnen hat alles mit einer Oldiesparty am 28. Oktober 2000. «Mein Kollege und ich wollten eine Oldiesparty durchführen und suchten einen Veranstaltungsort», erzählt Michael Frei. Der damalige Gemeindepräsident, Rolf Späti, habe schliesslich den seit Jahren ungenutzten Estrich des Gemeindehauses vorgeschlagen.

«Und dann hat’s nicht mehr aufgehört», erzählt Frei lachend. Nach der Oldiesparty habe man eine Chlauseparty veranstaltet, weiter gegangen sei es seither mit Konzerten. Und so finden seit 15 Jahren zwischen September und Mai jeweils zwischen zehn und zwölf Konzerte im einzigartigen Lokal statt.

Dies werde man beibehalten und auch den Anspruch, weiterhin für alle Musikgeschmäcker etwas anzubieten. «Der Aufwand ist riesig», weil man sich auch um Werbung, Homepage, Booking und Putzarbeiten kümmere.

«Aber in den letzten fünf Jahren ist viel zurückgekommen, von dem, was wir in den ersten zehn Jahren investiert haben.» Man wolle daher weitermachen, «solange wir können und dürfen». (BK)

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