Brauch

(Fast) Keine Maitannli wegen Corona – in einer Gemeinde stellten die Stäcklibuebe auf Ballone um

Luftballon statt Maitannli - in Hubersdorf versammelte sich der gesamte Jahrgang 2001. Von links: Natalie Bruschi, Roman Stampfli, Philipp Dobler und Michelle Böni.

Luftballon statt Maitannli - in Hubersdorf versammelte sich der gesamte Jahrgang 2001. Von links: Natalie Bruschi, Roman Stampfli, Philipp Dobler und Michelle Böni.

Das Maitannli wird dieses Jahr wegen des Coronavirus in fast keiner Gemeinde gestellt. In Hubersdorf fand man einen Weg aus der Coronakrise.

Den schönen und «braven» Mädchen zur Ehren in der Nacht auf den ersten Mai ein Tannli zu stellen, das gehört in der Region zu den uralten Bräuchen, die sich aus der heidnischen Fruchtbarkeitssymbolik bis heute erhalten haben. Doch diesmal verhindert der neue Coronavirus das Fest, auf das sich die Frauen und Männer mit dem Jahrgang 2001 schon lange freuten.

Der Kanton Solothurn hat das Aufstellen des Maitannlis und die dazugehörenden Feiern verboten. Selbst für die kleineren Dörfer gab es keine Ausnahmeregelung. In Schnottwil leben zum Beispiel exakt fünf Männer mit Jahrgang 2001. Obwohl das genau der in der Notverordnung festgeschriebenen, maximal erlaubten Grösse einer Gruppe entsprechen würde, dürfen auch sie kein Tannli aufstellen. «Das Problem ist, dass beim Aufrichten des Tannlis die Abstands- und Hygieneregeln nicht eingehalten werden könnten», erklärt die Schnottwiler Gemeindeschreiberin Lena Kocher die konsequente Linie.

Bürgergemeinde hilft in Derendingen aus

Immerhin: In Derendingen steht vor dem Gemeindehaus trotz Coronakrise ein schönes Maitannli. Aufgestellt wurde es aber diesmal «von Amtes wegen» und mit maschineller Kraft durch die Bürgergemeinde, die sich die Kosten mit der Einwohnergemeinde teilt. Nur die Namensschilder der jungen Derendingerinnen fehlen. «Vielleicht können die Stellbuben das in ein paar Wochen nachholen», sagt Bernd Kupferschmid, Präsident der Bürgergemeinde, und er ruft die Regeln in Erinnerung: «Es dürfen sich einfach nicht mehr als fünf Personen gleichzeitig beim Tannli treffen und die Abstandsregeln müssen eingehalten werden.»

Keine «Stäcklibuebe»-Aktivitäten am 1. Mai

Pragmatisch war das Vorgehen in Oekingen und Luterbach. Die Einwohnerinnen und Einwohner mit Jahrgang 2001 erhielten rechtzeitig im voraus Post. Der in Luterbach zuständige Ressortleiter, Gemeinderat Martin Probst, teilte darin zum Beispiel mit: «Abstand halten prägt weiterhin unseren Alltag.»

Ansammlungen von mehr als fünf Personen seien weiterhin verboten. «Das heisst, dass sowohl Veranstaltungen zum 1. Mai als auch die Aktivitäten der ‹Stäcklibuebe› von der Gemeinde Luterbach nicht bewilligt werden können.» Das Fest auf den Herbst zu verschieben, das sei nicht vorgesehen, sagt Oekingens Gemeindeschreiberin Rita Cammisar. «Es wäre einfach nicht mehr dasselbe.»

Aber bunte Ballone in Hubersdorf

Nur je zwei Frauen und zwei Männer mit Jahrgang 2001 leben in Hubersdorf, doch auch hier muss sich die Dorfjugend an die Anweisungen des Kantons halten. «Es wäre damit zu rechnen gewesen, dass auch ältere oder jüngere Kollegen dazugestossen und die Gruppe angewachsen wäre», erklärt Roman Stampfli, sowohl Jugendbeauftragter der Einwohnergemeinde als auch als einer der «Stäcklibuebe» mit Jahrgang 2001. «Wir wollten uns aber nicht einfach so mit dem Verlust einer schönen Tradition abfinden. Deshalb liessen wir uns eine andere Lösung einfallen», sagt Roman Stampfli.

Tannli steht nun in Hubersdorf keines, dafür wurde bei beiden Mädchen je ein Ballon mit einem Durchmesser von 90 Zentimeter am Balkon festgebunden. Auch die Namensschilder beim Schulhaus wurden mit Ballons dekoriert.

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