Rüttenen

Familie Bleuer hat sich voll und ganz dem Freiflug verschrieben

Kurt, Heinz und Michael Bleuer bauen nicht nur Modellflugzeuge, sie lassen sie vor allem auch Fliegen. Dabei sind sie erfolgreich und haben schon unzählige Titel gewonnen.

Wer das Wort «Modellflug» hört, der denkt meist als erstes an Bastler, die in einem Keller- oder Hobbyraum Modellflugzeuge zusammenbauen. Die gibt es. Modellflug ist aber auch Sport. Und der kann durchaus fordernd sein. Grossvater Kurt, Vater Heinz und Sohn Michael Bleuer widmen sich seit vielen Jahren dem sogenannten Freiflug. Kurt Bleuer hat vor über 70 Jahren die Liebe dazu entdeckt. Noch in der Primarschulzeit hat er anhand eines Bauplanes sein erstes Modell gebaut. «Es war ein Nabholz 1», lacht er. Damals gab es beim Kauf eines Kinder-Trainers gratis einen Bauplan für ein Modellflugzeug dazu. «Der Freiflug ist der Ursprung des Modellfluges», erklärt Kurt Bleuer. Die Freiflugmodelle fliegen ohne Steuerung und ohne Motor. Sie nutzen Thermik. Einzig beim Starten können Hilfsmittel eingesetzt werden. Eine 50 Meter lange Leine, oder ein Gummimotor beispielsweise.

«Wer Freiflug betrieben will, muss Freude an der Natur haben, gerne draussen sein und sich gerne bewegen», sagt Michael Bleuer. Das Fliegen sei bei fast jedem Wetter und jeder Temperatur möglich. Es gebe praktisch jedes Wochenende irgendwo einen Wettkampf, an dem man teilnehmen könne. Freiflug wird weltweit betrieben. Bleuers waren schon in Argentinien oder in Kalifornien. In etlichen Ländern in Europa. Sie haben an vielen Schweizermeisterschaften, Europa- und Weltmeisterschaften teilgenommen. Dabei haben sie auch schon unzählige Titel und Pokale gewonnen. Nicht selten standen mindestens zwei Familienmitglieder bei einem Wettkampf gleichzeitig im Final und haben an internationalen Veranstaltungen und Schweizermeisterschaften Medaillen abgeräumt.

Michael Bleuer (35) erklärt die Komponenten eines Freiflugmodells

Michael Bleuer (35) erklärt die Komponenten eines Freiflugmodells

Mit Thermik fliegt das Modell kilometerweit

Das Bauen der Modelle steht für die Freiflieger heutzutage nicht mehr so stark im Vordergrund. Die heutigen Modellflugzeuge sind nicht mehr zu vergleichen mit den selbst gebauten Holzmodellen von früher. Ganz ursprünglich nutzte man Kiefernholz. Dann kam Balsaholz, das man auch heute noch teilweise verwendet. Die Modelle selbst sind aber heute meist aus Kohlefasern: «Das ist High-Tech.» Die Modelle haben eine Spannweite von 150 bis 300 Zentimeter und sie wiegen zwischen 200 und 800 Gramm, je nach Kategorie. «Die Kräfte, die beim Start auf das Modell wirken sind enorm», macht Michael Bleuer klar. Der Start sei darum auch entscheidend, wenn es um den anschliessenden Freiflug geht.

Wichtig ist vor allem, das die Thermik stimmt. Denn an den Wettbewerben ist die Flugdauer massgebend, wobei die Flugzeiten von mehreren Durchgängen für das Gesamtresultat addiert werden.
Die ersten Durchgänge an einem Wettbewerb dauern in aller Regel eine Stunde, dabei ist eine Flugzeit von vier Minuten gefordert. «Da kann ein Flugzeug bei starkem Wind schnell mal drei bis vier Kilometer weit fliegen», so Heinz Bleuer. Dann ist es auch mit dem Feldstecher nicht mehr zu finden. Aus diesen Gründen haben die heutigen Modelle Peilsender eingebaut. «Damit finden wir unsere Flugzeuge rasch und auch auf eine etwas weitere Distanz.» Ebenfalls erlaubt ist das Auslösen einer Bremse per Funk. «Theoretisch kann ein Modell eine Stunde lang in der Luft bleiben. Aber wir brauchen es in einem Wettkampf ja für den nächsten Durchgang wieder.» Auch beim Training werde die Bremse oft gebraucht. «Am häufigsten üben wir nämlich den Start.»

Familie Bleuer beim Freiflug-Training in der Witi

Familie Bleuer beim Freiflug-Training in der Witi

Kurt (87), Heinz (61) und Michael (35) Bleuer sind seit Jahren Spitze in der Freiflug-Szene. Wir haben die drei im Training begleitet.

In der Schweiz ist Freiflug ein Hobby

In den 40-er-Jahren des letzten Jahrhunderts waren der Modellflug und der Freiflug sehr populär. Vor allem auch in den osteuropäischen Ländern. «Die meisten, die diesen Sport betrieben haben, waren Piloten und beim Militär», erinnert sich Kurt Bleuer. Auch heute gebe es noch Piloten die den Freiflug als Profi ausüben. In der Schweiz habe die Zahl der Piloten deutlich abgenommen. An einer Schweizermeisterschaft seien in aller Regel noch rund 35 Aktive mit dabei. «In der Blütezeit des Freifluges musste man sich regional qualifizieren, um zugelassen zu werden», erinnert sich Kurt Bleuer.

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