Zuchwil

«Etwas umständlich, aber kein Problem» – Wie barrierefrei ist das Sportzentrum?

Direktor Urs Jäggi hat den Lift an den Bassinrand geschoben. Rollstuhlfahrer Achim Bader erhält für die Nutzung des Badelifts Assistenz vom Personal.

Direktor Urs Jäggi hat den Lift an den Bassinrand geschoben. Rollstuhlfahrer Achim Bader erhält für die Nutzung des Badelifts Assistenz vom Personal.

Ein Rundgang durchs Sportzentrum Zuchwil mit Direktor Urs Jäggi und Nutzer Achim Bader, der auf den Rollstuhl angewiesen ist. Das Augenmerk: Die Barrierefreiheit.

Die schräge Verbindung im Sportzentrum Zuchwil zwischen Lift und Restaurantbereich hat der Normalsterbliche bisher vielleicht als Erleichterung wahrgenommen. Muss er doch keine Treppenstufen erklimmen. Dass der leichte An- oder Abstieg aber Sinn macht, merkt man erst, wenn ein Rollstuhlfahrer die Rampe befährt. Klar, so ist gewährleistet, dass dieser auch das Restaurant benutzen kann.

Barrierefreiheit heisst für Rollstuhlfahrer oder Sehbehinderte das Zauberwort. Was dazu nötig ist, zeigt ein Besuch mit Achim Bader im Sportzentrum.

Bader ist betroffen von einer Mobilitätsbehinderung und auf den Rollstuhl angewiesen. Als Präsident der Selbstvertretung Kanton Solothurn, einem Verein von Direktbetroffenen, setzt er sich für Barrierefreiheit ein. Er arbeitet bei Pro Infirmis, wo er die neue Dienstleistung «Digitale Zugänglichkeitsdaten» (siehe Kasten unten) betreut, und er ist ein Nutzer der Tragluftschwimmhalle.

Nicht ganz perfekt, «aber kein Problem»

Mit der Umgestaltung des Freibadbereichs konnten die Anliegen der Behindertenorganisation Procap miteinfliessen. Beispielsweise die lange Rampe im Aussenbereich mit maximal 6 Prozent Steigung, die den Zugang zu den neuen Garderoben gewährleistet, oder viel Platz in einer separaten Garderobe für Behinderte. Nicht ganz perfekt ist der Weg in die Traglufthalle. Während die Badegänger direkt von der Garderobe in die Traglufthalle spazieren können, muss der Rollstuhlfahrer umgezogen – unter Umständen bei Minustemperaturen – nochmals an die frische Luft und einige Meter zum Personal- und Betriebseingang fahren, wo ihm eine Assistenz durch die Schleuse lotst. «Etwas umständlich, aber kein Problem», findet Achim Bader.

Neben dem gedeckten 50-Meter-Bassin des Freibads steht der mobile Badelift, der vom Hilfspersonal an den Bassinrand gefahren wird. Auf diesem sitzend, taucht der Nutzer bequem ins Wasser. Achim Bader hat den Lift als Erster nutzen dürfen. «Wir haben uns gegen einen fix installierten Badelift entschieden», erklärt Geschäftsleiter Urs Jäggi, «damit wir den Lift rund ums Bassin einsetzen können.» Über 14'000 Franken hat das Gerät gekostet, das zu einem Drittel durch die Schweizerische Stiftung Cerebral bezahlt wurde.

Die Kosten sind immer wieder ein Thema bei der Schaffung von Barrierefreiheit. Ein Beispiel, das diese Thematik verdeutlicht, ist der Ersatz der Knöpfe im Lift durch Knöpfe mit Brailleschrift. Als Jäggi die Offerte las, habe er zuerst einmal leer geschluckt. Jäggi setzt, wenn möglich, auf die Sensibilisierung des Personals für die Bedürfnisse von Menschen
mit Mobilitätseinschränkungen. «Wenn wir zum Beispiel den Boden kennzeichnen, wie man das müsste, reden wir von mehreren zehntausend Franken. Stimmen da Aufwand und Ertrag noch?»

Nicht alles müsse mit grossem finanziellen Aufwand bereitgestellt werden. Manchmal helfe auch geschultes Personal, das assistieren kann. Achim Bader weist auf das Behindertengleichstellungsgesetz hin: «Bis 2024 müssen die öffentlichen Gebäude zugänglich sein. Aber es braucht sicher in vielen Sachen einen Kompromiss. Die Schulung des Personals weist in eine richtige Richtung.» Es sei aber auch gut, mit kleinen Dingen zu starten. «Es wäre utopisch, zu verlangen, bis 2024 alles umzusetzen.»

«Wichtig ist, dass das Angebot genutzt wird»

Die Zusammenarbeit von Bader und Jäggi hat schon zu diversen Verbesserungen geführt, die insbesondere für Sehbehinderte wichtig sind. So wurde im Aussenbereich ein Handlauf an einer Treppe angebracht, eine wertvolle Hilfe für Sehbehinderte, aber auch ältere Freibad-Nutzer. Treppenstufen sollen mit schwarzen Linien akzentuiert werden, Glasscheiben werden markiert.

Ein Beispiel dafür ist der Lichtsensor in der Garderobe, der Personen im Rollstuhl gar nicht richtig erkannt hat. Dieser wurde nun angepasst. Ziel sei es nicht, perfekte Bedingungen herzustellen. «Wichtig ist, dass möglichst viele Menschen mit einer Behinderung das Angebot im Sportzentrum nutzen», hofft Bader.

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