Nach Konkurs-Meldung
Es rumorte schon lange im Verwaltungsrat von Lanco

Das Aus für die traditionsreiche Firma Lanco AG in Bellach ist offenbar nicht nur wirtschaftlich begründet. In der Führungsetage herrschte Uneinigkeit über die Ausrichtung.

Franz Schaible
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Die Schliessung der Lanco AG ist tragisch und eine Hiobsbotschaft.

Die Schliessung der Lanco AG ist tragisch und eine Hiobsbotschaft.

Hanspeter Bärtschi

Die Schliessung der Lanco AG ist tragisch; sowohl für die Belegschaft wie für die traditionsreiche Firma mit einem bis anhin guten Ruf und guten Produkten», sagt Jonas Motschi, Chef des kantonalen Amtes für Wirtschaft und Arbeit. Der Entscheid sei für ihn überraschend gekommen, er habe zuvor nichts gehört über Schwierigkeiten, auch wenn sich das Unternehmen in einem schwierigen Umfeld bewege. Die Wechselkursproblematik habe die Lage nicht einfacher gemacht. Aber das abrupte Ende könne dem Thema Euro sicherlich nicht zugeordnet werden.

Für einzelne der 50 betroffenen Mitarbeitenden gebe es noch eine kleine Hoffnung, erklärt Peter Kofmel einen Tag nach Bekanntgabe der Hiobsbotschaft. Der Wirtschaftsanwalt und frühere FDP-Nationalrat ist seit letzten Sommer Verwaltungsratspräsident der Lanco AG. Die Firma werde es zwar nicht mehr geben, aber es habe noch einzelne angefangene und neue Aufträge für Montage- und Bestückungssysteme im Hause. Es könnte sich für einen Investor lohnen, diese noch abzuarbeiten. Der Entscheid darüber werde beim Konkursamt liegen. Er erwartet, dass nach der Bilanzdeponierung wegen Überschuldung der Konkursrichter auf Konkurseröffnung entscheiden werde.

Millionenverluste angehäuft

Kofmel, der das Amt als Präsident auf Anfrage der Aktionäre übernommen habe, liefert einige Zahlen, die zum Debakel führten. Nach einem massiven Umsatzeinbruch habe 2013 ein Verlust von 3 Millionen Franken resultiert. Man habe einen neuen Businessplan erarbeitet, um mit einem Umsatz 2014 von rund 14 Millionen Franken eine schwarze Null zu erwirtschaften. Gegen Ende 2014 habe sich ein Grossauftrag zum Desaster entwickelt. Die Kosten seien aus dem Ruder gelaufen und letztlich resultierte wieder ein Verlust, jetzt von 1,4 Millionen Franken. Nach dem der letzte von mehreren Übernahmeinteressierten abgesagt habe – «sie haben die Risiken als zu hoch eingeschätzt» – sei nichts mehr anderes als die Bilanzdeponierung möglich gewesen.

Der frühere Besitzer und Firmengründer, Christoph Ruprecht, wiederholte gestern seine Kritik an der Firmenführung. Der Verwaltungsrat habe «geschlafen», der Kapitalbedarf sei nicht erst seit zwei Monaten bekannt. «Mit der Investorensuche wurde zu spät angefangen.» Darauf reagiert Kofmel gelassen. «Wir haben wirklich alles versucht, es ist uns leider nicht gelungen.» Ein Wiedereinstieg ist für Ruprecht auch als Altersgründen kein Thema. Der 69-Jährige ist überzeugt, dass es dazu vollsten Einsatz bedürfe und die ganze Leitung auf neue Beine gestellt werden müsste.

Drei Präsidenten in zwei Jahren

Ein Blick ins Handelsamtsblatt zeigt, dass es in den letzten Jahren im Verwaltungsrat mit zahlreichen Wechseln rumorte. So übergab Christoph Ruprecht im Februar 2013 das VR-Präsidium an seinen Sohn David, der wiederum bereits im Mai 2014 aus dem Verwaltungsrat zurücktrat. Persönliche Gründe hätten dazu geführt, sagt David Ruprecht heute. Auch «weil meine Vorschläge, die ich als Präsident unterbreitet habe, zum Teil entweder abgelehnt oder nicht umgesetzt worden sind». Schwierigkeiten hätten sich bereits abgezeichnet, als er das Präsidium übernommen habe. Seit seinem Rücktritt habe er keine Kenntnisse über interne Kennzahlen gehabt. «Die Information über den Konkurs kam für mich nicht weniger überraschend als für die Mitarbeitenden.»

Gleichzeitig bestätigt David Ruprecht, dass er immer noch mit 25 Prozent an der Lanco AG beteiligt ist. Auch Christoph Ruprecht ist nach eigenen Angaben indirekt mit einem Sechstel an Lanco beteiligt; und zwar über seine Schibli-Carnelli AG, die ein Darlehen in Aktien umgewandelt habe. Die weiteren Anteile befinden sich laut Kofmel bei fünf Lanco-Kadermitgliedern und einem früheren CEO.

Die Fabrikliegenschaften an der Gurzelenstrasse in Bellach gehören Christoph Ruprecht. Darin ist nicht nur die Lanco eingemietet, sondern auch die drei Firmen Fimecor AG, Alprofil AG und Schibli-Carnelli AG. «Wir bilden eine im Besitz der Unternehmerfamilie Ruprecht befindliche KMU-Gruppe», heisst es auf der Fimecor-Homepage. Die drei Industriefirmen beschäftigen laut David Ruprecht rund 30 Mitarbeitende. Und: «Die Firmen sind von der Lanco finanziell und operativ unabhängig und sind nicht gefährdet.» Dasselber gilt übrigens auch für die Lanco-Fabrik in den USA. «Wir haben die Firma zwar gegründet, sie ist aber seit 2008 völlig unabhängig von der Lanco in Bellach», sagt Christoph Ruprecht.

Für die Lanco-Mitarbeitenden ist das alles kein Trost. Sie stehen da mit ihrem Arbeitsplatzverlust und ohne Sozialplan. Immerhin, die März-Löhne seien bezahlt worden, sagt Motschi vom Kanton. Für ausstehende Ferien- und Überzeitguthaben oder Anteile am 13. Monatslohn bis zur Konkurseröffnung habe die Belegschaft Anspruch auf Insolvenzentschädigung der Arbeitslosenkasse. Danach haben sie Anspruch auf Arbeitslosengelder.

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