Kirchgemeinderat Urban Fink hat eine klare Meinung: «Unsere Marienkirche ist nicht nur eine lokale Angelegenheit. Sie ist ein wichtiger Bezugspunkt für die Region und darüber hinaus.» Fink ist Historiker und Theologe und hat am Jahrbuch für Solothurnische Geschichte, das im Jahr 2015 der Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Oberdorf gewidmet wurde, mitgeschrieben. Nicht umsonst steht die Kirche seit 1943 unter kantonalem Schutz und ist im Kulturgüterschutz-Inventar des Bundes als Objekt von nationaler Bedeutung eingestuft.

Weitere 1,2 Mio. Franken

Seit 2006 wurde im Oberdörfer Kirchenbezirk einiges renoviert. 2009 begann man mit der Sakristei. 2012 folgte die Heizung. 2017 wurden das Dach und die Aussenfassade restauriert und die Entwässerung erneuert. Bisher konnte die Kirchgemeinde mit ihren rund 2000 Gemeindemitgliedern die Investitionen alleine tragen. Rund 1,5 Mio. Franken sind es und ein schöner Teil an Beiträgen kam auch vonseiten der kantonalen und der eidgenössische Denkmalpflege. Die letzte Innensanierung fand vor gut 60 Jahren statt. Die Kirche muss nicht nur gründliche gereinigt werden, es stehen auch dringend nötige Konservierungs- und zudem Restaurierungsmassnahmen an. Weiter ist die komplette Erneuerung der Elektro-, Licht- und Akkustikanlagen vorgesehen. Die Kosten sind mit 1,225 Mio. Franken veranschlagt. Rund 725'000 Franken sind bereits gesprochen worden.

Neue Wege gehen

Eine halbe Million Franken fehlt noch, die durch Drittmittel gedeckt werden muss. Deshalb gehen die Verantwortlichen nun neue Wege. Insgesamt 50'000 Franken möchte die Kirchgemeinde durch kleine und mittlere Spenden abdecken. Das können Patenschaften für bestimmte Objekte sein, aber auch sonstige Geldbeträge. Der Kirchgemeinderat hat eine spezielle Homepage erstellen lassen, auf der alles Wissenswerte über die Kirchensanierung nachzulesen ist.

Auch die 85 Objekte, für die Paten gesucht werden, sind mit Bild aufgelistet. Die Auswahl ist vielfältig und die Beträge für die Patenschaft bewegen sich zwischen 50 und 2000 Franken. Dazu kommen zwei spezielle Objekte die mehr kosten: Ein Mal 5000 und ein Mal 10'000 Franken. Letzterer Betrag ist für die Madonna und deren Umgebung im Gnadenaltar bestimmt. Jene Madonna, die ihren Platz in der Gnadenkapelle hat und heute noch das Ziel von Wallfahrtsgruppen ist, die die Kirche besuchen, und Maria um Fürbitte bei ihrem Sohn Jesus Christus bitten.

Während der Fastenzeit wird in der Gesamtausgabe des Kirchenblattes zudem ein Flyer mit Einzahlungsschein beigelegt, mit dem ebenfalls für die Sanierung gespendet werden kann. Und natürlich werden auch Grossgönner und Stiftungen angeschrieben.

«Wir wollen uns nicht allzu stark verschulden», erklärt Kirchgemeindepräsident Robert Christen. Neben der Kirche in Oberdorf gehören die Kirche in Langendorf, deren Dach dringend saniert werden muss, und die Kirche in Lommiswil ebenfalls zu den Gebäuden, die die Kirchgemeinde unterhalten muss. «Wir hoffen, dass wir bis Ende Sommer so viel an Spenden haben, dass wir die Detailplanung an die Hand nehmen und im April 2020 mit den Sanierungsarbeiten starten können», so Christen weiter.

Immer noch Wallfahrtsort

Seit letzten Herbst ist Hans Zünd als leitender Priester im mittleren Leberberg tätig und hat in dieser Funktion im Pfarrhaus in Oberdorf Wohnsitz genommen. Sein Dialekt weist auf seine Herkunft aus dem Kanton St. Gallen hin. «Ich lerne die Kirche und die Kirchgemeindemitglieder jeden Tag ein bisschen besser kennen», meint er.

Heute noch staune er, wie oft in der Gnadenkapelle gebetete werde. Auch in das Buch, dem man seine Sorgen anvertrauen kann, werde oft hineingeschrieben. Speziell erwähnt er zudem den Ad-Hoc-Chor, bestehend aus 35 Personen aus der ganzen Region, der sich extra gebildet hat, um Spenden für die Sanierung der Kirche zu sammeln. An vier Konzerten seien so rund 7500 Franken zusammengekommen, freut er sich.

Die Kirche Maria Himmelfahrt in Selzach

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