Bellach

«Eine der besten Investitionen»: Schon seit 20 Jahren gehört das Pulverhaus der Bürgergemeinde

Das Pulverhaus ist ungefährt 200 Jahre alt.

Das Pulverhaus ist ungefährt 200 Jahre alt.

Das Pulverhaus in Bellach ist seit 20 Jahren im Besitz der Bürgergemeinde und hat einen grossen Stellenwert für die Gemeinde.

«Zwei Soldaten sitzen im Zweiten Weltkrieg vor einem trutzigen Haus, welches sie bewachen sollen. Das Pulverhaus in Bellach soll vor Angriffen beschützt werden. Der Auftrag ist langweilig. Neugierig verlassen die Beiden darum irgendwann ihren Posten und wagen einen Blick ins Innere, um festzustellen, dass das Haus leer ist.» Roland Meyer, Präsident der Kulturkommission Bellach, hat sichtlich Freude an der kleinen Legende, die sich um das spezielle Gebäude südlich der Bahnlinie in der Allmend rankt.

Zur Vergangenheit des Pulverhauses gibt es kaum Dokumente. Man vermutet aber, dass es etwa vor 200 Jahren erbaut worden ist. Es diente lange Zeit als Lager für Munitionspulver. Ein zweites, genau gleiches Pulverhaus wurde damals im Steingruben-Quartier in Solothurn errichtet. Beide Lagerhäuser befanden sich zu dieser Zeit ein gutes Stück ausserhalb der Stadtmauern. Sodass bei einer allfälligen Explosion keine Gefahr für Menschen bestand.

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Immer wieder stand das Pulverhaus leer

Schon von aussen wird deutlich: Das Pulverhaus hat ein dickes Mauerwerk. Trotz allem diente es nur kurze Zeit als Pulverlager. Bald wurde es für sonstige Materialien gebraucht, irgendwann beherbergte es sogar Stoffballen. Der Stoff wurde zur Herstellung von Uniformen verwendet. Und immer wieder stand es auch leer. So zum Beispiel eben während des Zweiten Weltkrieges. Weshalb es damals trotzdem bewacht werden musste, darüber kann Roland Meyer nur spekulieren: «Vielleicht war es ein Ablenkungsmanöver?»

Im Bellacher Bürgerrat machte man sich immer mal wieder Gedanken über mögliche Räumlichkeiten für Vereins- oder Familienanlässe. Zwar hat Bellach eine «Forsthaus» im Wald, aber darin befinden sich lediglich Forstmaschinen und andere Materialien. Also kein Platz für Sitzungen oder Feiern im kleinen familiären Rahmen. Da entdeckte Roland Meyer, der damals noch nicht im Bürgerrat aktiv war, Ende der 1990er-Jahre im Amtsblatt ein Inserat: «Der Kanton Solothurn suchte Käufer für das Bellacher Pulverhaus.»

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Rasch kontaktierte er einen damaligen Bürgerrat, der bestätigte, dass die Bürgergemeinde Bellach bereits Kaufverhandlungen aufgenommen habe. Der Deal klappte. Doch das Pulverhaus musste umgebaut werden. Einerseits legte man grossen Wert darauf, dass die gute Bausubstanz erhalten blieb und so das historische Gebäude seinen Charakter behalten konnte. Andererseits waren aber Neuerungen nötig: Es fehlte eine Küche sowie eine sanitäre Anlage. Das Dach musste neu gemacht werden und die Fenster waren alt. Im Freien wurden eine Grillstelle sowie ein Brunnen errichtet und man kaufte Mobiliar für drinnen und draussen.

Nur selten gibt es Probleme

Im August 2000 konnte das Pulverhaus offiziell der Öffentlichkeit übergeben werden. Und seither ist es ein gern gebuchtes Lokal für Anlässe jeglicher Art. «Die Wochenenden sind zum Teil über Monate ausgebucht. Manche Termine sogar über Jahre, da wir einige Stammgäste haben. Familien zum Beispiel, die hier Weihnachten feiern», erzählt die Hauswartin und gute Seele des Pulverhauses Ruth Donadonibus. Die Gäste seien zuverlässig und nur selten gebe es Probleme. Das hat sicher auch mit der Lage zu tun: keine direkten Nachbarn, Industrie auf der einen Seite, die Bahnlinie auf der anderen und südlich die Allmend. Auch sonst ist das Pulverhaus gut gelegen: In Stadt- und Autobahnnähe und direkt neben dem Bellacher Bahnhof, wo auch der Bus hält.

Roland Meyer, Präsident Kulturkommission, und Ruth Donadonibus, Pulverhaus-Verantwortliche, vor dem Pulverhaus.

Roland Meyer, Präsident Kulturkommission, und Ruth Donadonibus, Pulverhaus-Verantwortliche, vor dem Pulverhaus.

Ziemlich genau 20 Jahre steht das Pulverhaus nun im Besitz der Bürgergemeinde. Roland Meyer, der aktuell Präsident der Kulturkommission Bellach ist, weiss, welchen Stellenwert das Haus inzwischen hat. Gerne hätte man mit einer Feier dieses Haus gewürdigt. Corona machte einen Strich durch die Rechnung. Aber eben, der Erfolg zeige es: «Das Pulverhaus war mit Sicherheit eine der besten Investitionen, die die Bürgergemeinde Bellach getätigt hat.»

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