Portrait
Ein Leben für den Balmberg: Er führt das Tannenheim und war Mitgründer des Skigebiets

Das Tannenheim auf dem Balmberg ist ein weitherum bekanntes Seminar- und Ferienheim. Es wird von Ernst Ryf und Elisabeth Bucheli Ryf geführt. Der 86-Jährige war auch Mitgründer des Skigebiets.

Urs Byland
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Das Tannenheim wurde zum Lebensinhalt von Ernst Ryf.

Das Tannenheim wurde zum Lebensinhalt von Ernst Ryf.

Solothurner Zeitung

Wenn in diesen Tagen bei Sonnenschein und besten Schneeverhältnissen die Parkplätze auf dem Balmberg überbelegt sind und manch einer gar auf der Zufahrtsstrasse zum Tannenheim parkiert, dann ist ihm Besitzer Ernst Ryf nicht wirklich böse. Dann setzt er an zu dem ihm eigenen Schmunzeln und freut sich still über die Begeisterung für den Berg. Eine Begeisterung, die der 86-Jährige teilt.

Die Gedanken des rüstigen, schlanken Mannes gehen dann weit zurück in die 1950er Jahre, als er mit seiner Clique junger Ski begeisterter Männer aus Attiswil zum Skifahren nach Engelberg fuhr. «Fritz Kurth und ich fragten uns eines Tages, warum bauen wir nicht selber einen Skilift in unserer Nähe im Jura, statt immer so weit zu fahren?» Sie wussten auch schon, wo sie diesen Skilift aufbauen wollten, im Gebiet Chäle auf dem Oberbalmberg.

Dieses Land gehörte, ebenso wie das Kurhaus, das Kinderheim Tannenheim und der nahe Bauernhof der 1920 gegründeten Stiftung Oberbalmberg, einer Nachfolgeorganisation der Kantonalen Solothurnischen Krankenkasse. Diese willigte nicht nur ein, der damalige Stiftungspräsident vermittelte ihnen mit Baumeister Othmar Sterki einen weiteren Interessenten, der ein solches Vorhaben plane. Damit waren die drei Gründer des heutigen Skigebietes Balmberg gefunden.

Überzeugt vom Skigebiet Balmberg

Sie gründeten 1963 eine einfache Gesellschaft. «Der Winter 62/63 war ein Superwinter und gab uns den letzten Schub, unser Vorhaben umzusetzen», erzählt Ernst Ryf. Ein Schleppskilift wurde gekauft und installiert.

«Damals waren die Behörden grosszügig, wir erhielten ohne grosse Probleme die Bewilligung vom Regierungsrat. Heute wäre das unmöglich.» Betrieben werden konnte der Skilift aber erst im Februar 1964, als es endlich einige Tage schneite. Schon damals zeigte sich die Unberechenbarkeit des Wetters im Skigebiet zwischen 1050 und 1250 Metern über Meer.

«Es war ein ganz schlechter Start für uns, aber ich war überzeugt davon, dass der Balmberg sich als Skigebiet eignet», sagt Ernst Ryf heute, «und so ist es auch gekommen. Oft sind Hunderte von Menschen hier und vergnügen sich beim Wintersport.»

Das Geldverdienen hatte nicht erste Priorität. «Wir waren Optimisten. Damals war Ski fahren Trumpf.» Aber die Mühsal war gross. Es gab keine Pistenfahrzeuge. Mit «träppele» wurde die Piste präpariert. Für die Skigäste wurden Parkplätze geschaffen, die vom Schnee geräumt werden mussten und bald auch bewirtschaftet wurden.

Am Lift brauchte es Personal. Mitglieder der Gründerfamilien halfen mit, und «zeitweise hatten wir 25 Teilzeitangestellte». Nach fünf, sechs Jahren wurde der erste «Kässbohrer» angeschafft, mit dem die Pisten maschinell bearbeitet werden konnten.

Ernst Ryf wollte nah am Geschehen sein

Ernst Ryf begeisterte sich nicht nur für der Balmberg. Der Berg wurde zu seiner Heimat. 1985 kaufte die Skiliftgesellschaft von der Stiftung das Kurhaus und das Tannenheim. Ryf baute im grossen Estrich des Tannenheims eine Wohnung ein, «um dort zu wohnen und im Winter näher am Geschehen des Skibetriebs zu sein». Nun war der Heizungs- und Lüftungsingenieur, der zwischen seinem Heim auf dem Balmberg und dem Büro in Attiswil pendelte, wirklich nah am Geschehen.

«Solange ich etwas zu tun hatte, war ich mehrheitlich in Attiswil, aber an den Wochenenden immer auf dem Balmberg.» Auch in den Sommern, wenn Skilifte revidiert oder geholzt werden musste. Hatte der Lift eine Panne, war es seine Aufgabe, das Problem zu lösen, schliesslich war er ja «nah am Geschehen». «Ich war oft wie auf Nadeln und habe immer geschaut, ob die Lifte auch wirklich problemlos laufen.»

Arbeitsunfälle hatte er wenige. Einmal ist er von der Leiter gefallen und verletzte sich die Lunge. Ein anderes Mal wurde er, als er die Piste runterfuhr, von einem Hund überrannt und verdrehte sich die Achsel.

Andere hatten weniger Glück. Einer verlor bei einem Arbeitsunfall ein Bein. Auf den Pisten gab es die Bein- oder andere Brüche. Rettungsschlittenfahrer war meist Hans Küpfer, der die Skischule auf dem Berg führt. Am schlimmsten traf es einen Langläufer, der in den Schofgraben fiel. «Bis zum Bach hinunter. Hans, ich und andere holten ihn unter grössten Kraftanstrengungen hoch. Aber er war nachher auf den Rollstuhl angewiesen.»

Kauf des Tannenheims und Ausbau

Die Anlage auf dem Balmberg mit dem Kurhaus und dem Kinderheim, «kam mit der Zeit ausser Mode», so Ryf. Kurhaus und Kinderheim verloren ihren eigentlichen Zweck. 1995 erwarb Ryf das 1938 erbaute Tannenheim von seinen Partnern. 2001 realisierte er einen Anbau.

Schon seit 1992 führt Elisabeth Bucheli Ryf, die er 1989 beim Tanzen kennenlernte, das Tannenheim als Ferien- und Seminarhaus. Anfangs zusammen mit Heidi Kurth aus Attiswil, Frau von Mitgründer Fritz Kurth, ab 2011 unter alleiniger Führung. Sechs Jahre zuvor ist Ryf aus der Sportanlagen Balmberg AG ausgetreten und hat seine Aktien den Nachfolgern in den Familien Sterki und Kurth abgetreten.

Heute wissen viele, dass das Tannenheim Trekkingtouren mit Alpakas anbietet. Die Tiere kamen 2009 auf den Berg, als die Wiesen rund um das Tannenheim nicht mehr bewirtschaftet wurden. Seither kümmert sich Ryf um die Infrastruktur, die Weiden und den Stall, während sie neben dem Seminar- und Ferienbetrieb die Trekkings organisiert.

«Seit kurzem soll sich ein Wolf in den Wäldern des Balmbergs aufhalten, wenn da nur kein Alpaka gerissen wird», sagt Ernst Ryf, der in seinem Leben schon einiges erlebt hat, und muss schmunzeln.