Oberdorf
Ein ganz spezieller Frühlingsputz: Marienkirche wurde sorgfältig saniert und gereinigt

Seit dem Frühling waren Fachleute im Innern der Marienkirche in Oberdorf an der Arbeit. Die Kirche wurde sogfältig saniert und erstrahlt ab Allerheiligen wieder in neuem alten Glanz.

Rahel Meier
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Wegen der Gerüste für die Handwerker ergaben sich im Innern der Kirche ungwohnte Perspektiven.
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Renovation der Marien-Kirche in Oberdorf
Wegen der Gerüste für die Handwerker ergaben sich im Innern der Kirche ungwohnte Perspektiven.
Für die Handwerker war vor allem Reinigen angesagt. Feinarbeit mit Pinsel und Schwamm.
Für die Handwerker war vor allem Reinigen angesagt. Feinarbeit mit Pinsel und Schwamm.
Für die Handwerker war vor allem Reinigen angesagt. Feinarbeit mit Pinsel und Schwamm.
Die hochbarocke Kirche ist reich an Details.
Die hochbarocke Kirche ist reich an Details.
Die hochbarocke Kirche ist reich an Details.
Die hochbarocke Kirche ist reich an Details.
Die hochbarocke Kirche ist reich an Details.
Die hochbarocke Kirche ist reich an Details.
Die hochbarocke Kirche ist reich an Details.
Die hochbarocke Kirche ist reich an Details.
Die hochbarocke Kirche ist reich an Details.
Die hochbarocke Kirche ist reich an Details.
Die hochbarocke Kirche ist reich an Details.

Wegen der Gerüste für die Handwerker ergaben sich im Innern der Kirche ungwohnte Perspektiven.

Hansjörg Sahli

Im Frühling wurde mit der Innensanierung der Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt in Oberdorf begonnen. Aus diesem Grund fand die Fachtagung Innenrenovation 2020 der Inländischen Mission in Oberdorf statt. Interessierte aus der ganzen Schweiz liessen sich von Fachleuten vor Ort informieren.

1,2 Mio. Franken hat die Kirchgemeindeversammlung für die Innensanierung der Marienkirche in Oberdorf gesprochen. An dieses Budget muss sich Architekt Peter Widmer, der die Arbeiten koordiniert, halten. Ein erster Kostenvoranschlag lautete auf 1,8 Mio. «Dann haben wir begonnen zu reduzieren. Denn sparen kann man nur mit Weglassen.»

Frühzeit an Finanzierung denken

Urban Fink war einerseits als Kirchgemeinderat in Oberdorf und als Präsident der Baukommission für die laufende Renovation an der Tagung anwesend. Er ist aber auch Geschäftsführer der Inländischen Mission. Sie ist das älteste katholische Hilfswerk der Schweiz und wurde 1863 gegründet. Damals ging es darum katholische Pfarreien, die noch nicht öffentlich-rechtlich anerkannt waren und keine Kirchensteuern einziehen durften, in reformierten Kantonen zu unterstützen. Heute sei eines der Kerngeschäfte die Unterstützung von Kirchenrenovationen von ärmeren Kirchgemeinden. Fink appellierte an die Anwesenden, sich frühzeitig an die Inländische Mission zu wenden. Wenn die Renovation schon im Gang sei, sei es für sinnvolle Einsparungen und Optimierungen meistens zu spät. «Wir haben uns hier in Oberdorf dazu entschieden, erst mit Sanierung anzufangen, wenn die Finanzierung zu 100 Prozent gesichert ist.» DankSpenden von zahlreichen Privaten, Stiftungen und Kirchgemeinden konnte die Kirchgemeinde die Finanzierungslücke von einer halben Million weitgehend decken.

Die Budgetvorgabe hatte demzufolge Konsequenzen. «Wir haben uns grösstenteils darauf beschränkt, die Kirche wieder in den Zustand zu bringen, den sie nach der letzten Sanierung im Jahr 1956 hatte.» Laut Widmer hat in den 50-er-Jahren ein «recht dominanter Pfarrer» die Sanierung geleitet. Es gebe darum baulich einige besondere Geschichten. Aber das Bild das die Kirche damals machte, war trotzdem ein stimmiges.

Konkret heisst das, dass 2020 vor allem Putzen und Auffrischen angesagt war. Auch diese Arbeiten mussten aber minutiös und durch Fachleute ausgeführt werden. «Die Kirche soll nach der Sanierung ein einheitliches Bild machen.» So wurden die Stukkaturen mit Schwamm und Pinsel sorgfältig Zentimeter um Zentimeter geputzt.

«Erst während der Reinigung konnte man entscheiden, wo stärker eingegriffen werden soll und wo nicht.» Die Bilder wurden ebenfalls in Handarbeit gereinigt. Nicht alle Arbeiten wurde in der Kirche selbst ausgeführt. Teilweise wurden die Statuen und Bilder ins Atelier gebracht und dort behandelt.

«Was machen wir? Was lassen wir?»

Viele der Arbeiten in der Kirche waren aber auch einigermassen banal. Was kaputt war, wurde ersetzt. So fehlten beispielsweise Finger an Heiligenfiguren, oder Krönchen waren defekt. «Dabei mussten wir uns auch immer wieder fragen, wollen wir hier stärker eingreifen, oder zeigen wir, dass sich auch in einer Kirche halt Dinge abnützen können?»

Dazu wurden die Fenster ausgebaut, gereinigt und frisch gekittet. Viel Arbeit gab es an der Orgel, deren Holz teilweise verzogen war. Peter Widmer wurde unterstützt von Stefan Nussli. Er war selbst jahrzehntelang als Restaurator tätig und hat darum einen Blick für Details entwickelt. Er war vor allem als beratender Fachmann gefragt, der bei Unsicherheiten eine Drittmeinung abgeben konnte.

Schönster Hochbarock

Die Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt zu Oberdorf ist ein wichtiger spiritueller und kunsthistorischer Bezugspunkt. Die Grösse und die reiche Ausstattung der 1615 eingeweihten Kirche, die in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts mit der Stuckierung ihr heutiges Aussehen erhielt, entsprach nicht den geringen finanziellen Möglichkeiten der kleinen Oberdörfer Dorfgemeinschaft, sondern ist im Wesentlichen auf die Spendenfreudigkeit der Stadtsolothurner Obrigkeit der damaligen Zeit zurückzuführen.

Ausgrabungen deuten darauf hin, dass bereits im Hochmittelalter um die Jahrtausendwende an Stelle der heutigen Gnadenkappelle eine kleine Saalkirche bestand. Für 1420 ist ein stark vergrösserter, der Jungfrau Maria geweihter Neubau bezeugt. Das heutige Gnadenbild, eine sitzende Muttergottes mit Kind, dürfte auf diese Zeit des Kirchenneubaus zurückgehen.

Die Kirche, wie sie heute dasteht, wurde ab 1604 vom lombardischen Baumeister Antonio Gallo erbaut. Die vorher bestehende alte Kirche wurde dabei in den Neubau integriert und wurde zur Gnadenkapelle. Ursprünglich war die Kirche von Gallo nur mit einer flachen Decke ausgestattet. Erst das Wirken der Gebrüder Schmutzer, der Genies des süddeutschen Wessobrunner Barocks, brachte 1676/77 die entscheidende Veränderung in der Ausstattung des Inneren.

Die Stuckaturen, welche Michael Schmutzer mit seiner Equipe in Oberdorf vollbracht hat, gehören zum schönsten Hochbarock der Schweiz. Sowohl die Gnadenkapelle wie auch der Chor der Kirche sind reich ausgeschmückt. Die Kirche ist mit einer eindrücklichen Kanzel, mit reichen Altären und vielen Bildern ausgestattet, sie liegt in einem ummauerten Bezirk und ist umgeben von Friedhof, der St. Michaelskapelle und dem Pfarrhaus.

Seit 2006 wurde im Oberdörfer Kirchenbezirk das Pfarrhaus renoviert, 2009 die Sakristei. 2012 folgte die Heizung. 2017 wurden das Dach und die Aussenfassade restauriert und die Entwässerung erneuert.

Modern und alt miteinander verbinden

Eine heikle Aufgabe war es weiter, die Kirche mit modernster Technik aufzurüsten. Die Heizung (siehe Kontext unten) war dabei nur eine der Herausforderungen.

Wo werden Steckdosen angebracht, ohne dass sie auffallen? Wie kann man einen Beamer und eine Leinwand installieren? Lautsprecher wurden platziert. Zusätzlich sollten alle diese neuen technischen Errungenschaften möglichst einfach nur noch per Knopfdruck zu bedienen sein.

Hinweis:

Die sanierte Kirche wird am 22. November mit einem feierlichen Gottesdienst eingesegnet, normale Gottesdienste werden ab Allerheiligen dort gehalten.

Energiesparen wird für Kirchgemeinden zum Thema

An der Fachtagung der Inländischen Mission in Oberdorf wurde auch über das Thema «Kirche und Umwelt» gesprochen. Als Referent war Kurt Aufdereggen (Umweltbeauftragter vom Verein oeku ‒ Kirche und Umwelt) eingeladen. «Die Umwelt ist ein Kerngeschäft der Kirche, denn die Umwelt ist ein Geschenk der Schöpfung», meinte Aufdereggen.

Eine Kirchgemeinde könne ihre Umgebung naturnah gestalten oder bei einer Veranstaltung regional und saisonale Speisen und Getränke anbieten. Eine grosse Herausforderung sei es aber, künftig vermehrt Energie zu sparen. «Viele kirchliche Gebäude wurden vor Jahrhunderten gebaut und nie beheizt. In den 60-er und 70-er-Jahren hat man dann viele Kirchen mit Elektroheizungen ausgerüstet.» Diese Heizungen würden aber den grössten Teil der Wärme ins Nichts verpuffen.

Umfragen in der Schweiz hätten ergeben, dass pro Jahr und Kirche 25 Franken pro Sitzplatz fürs Heizen ausgegeben werde. «Das ist unnötig viel. Ausserdem ergeben sich durch das Heizen oft Folgeschäden», so Aufdereggen. Es gehe dabei beispielsweise um Verschwärzungen.

Holz vertrage das Heizen ebenfalls nicht so gut. «Jede Orgel reagiert auf einen zu trockenen Standort.» Auch Fresken und Malereien würden leiden. «Wir sprechen dabei von Schäden in der Höhe von 150 bis 200 Mio. Franken pro Jahr.»

In Oberdorf habe man sich schon vor Jahren dazu entschieden, eine Infrarot-Sitzheizung einzubauen. Damit werde gezielt die Sitzbank geheizt. Bei der Sanierung wurde nun zusätzlich eine automatische Steuerung eingebaut. So könne man ganz gezielt dann heizen, wenn die Kirche genutzt werde und in der restlichen Zeit die Temperatur absenken. «Die Steuerung kostet zwar etwas, das Geld amortisiert man aber bald wieder mit den Einsparungen an Stromkosten.» Zudem würden die Schäden in der Kirche reduziert.

Aufdereggen machte darauf aufmerksam, dass es ein Umweltlabel für Kirchgemeinden gebe, den «grünen Güggel». 28 Kirchgemeinden seien bereits zertifiziert, weitere rund 30 seien auf dem Weg dazu.

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