Hersiwil

Drei Künstler, die sich gut verstehen, stellen aktuell im Näijerehuus aus

Nach einem halben Jahr Pause aufgrund der Covid-19-Massnahmen ist nun im Näijerehuus in Hersiwil eine Ausstellung mit Malereien, Objekten und Skulpturen von Andreas Gross, Christian Bader und Rolf C. Wyss zu sehen.

Der Dachraum im Näijerehuus erscheint verändert. Es müssen die von der Decke hängenden Skulpturen von Rolf C. Wyss sein, die eine neue Dimension des Raums aufzeigen. Der Härkinger Steinbildhauer hat einzelne seiner 24 ausgestellten Skulpturen in der Mitte des Raumes an der Decke aufgehängt, von dort aus bewegen sie sich leicht in der Zugluft, die durch das geöffnete Fenster entsteht.

Die Landschaft draussen ist in Pastell anmutendes Abendlicht getaucht, die Geometrie der Spätsommer-Felder kontrastiert mit der gewellten Silhouette der Jurakette, ein Hauch dieser Atmosphäre ist in den Bildern von Christian Bader wiederzufinden. Sein Farbauftrag ist meist ein lasierender, die Technik der Acrylmalerei ermöglicht ihm, die Farbschichten zu übermalen, ohne dass sie verwischen. Sie bleiben präsent, durch die wiederholte Übermalung schafft er eine Transparenz, die den Bildern Tiefe verleiht.

In mehreren Kursen hat der in Riehen wohnhafte Germanist und Theologe malen gelernt und vertieft das Gelernte gern weiter. «Ich wusste schon sehr lange, dass ich einmal noch malen möchte», sagt er. Vor 16 Jahren war es soweit. Er entdeckte die Malerei als sein Ausdrucksmittel. Bis auf einzelne Ausnahmen sind die 60 ausgestellten Bilder quadratisch. Ein Format, das ihm zuzusagen scheint. Seine nicht-gegenständliche Malweise kann dem Informel zugeschrieben werden, einer in den frühen 50er-Jahren entstandenen Kunstrichtung, die auf die nicht-geometrische Traditionslinie abstrakter Malerei gründet. Kennzeichnende Merkmale sind die Formlosigkeit und die Spontaneität in der künstlerischen Produktion.

Dies sind bei aller Unterschiedlichkeit der beiden Bildsprachen auch die verbindenden Elemente der beiden Werke von Bader und Gross. In ihrer Auseinandersetzung sind ihnen die künstlerische Freiheit und die ungeplante Umsetzung wichtig. Gross, in Zürich wohnhaft, malt seit 25 Jahren. Am liebsten mit Ölfarbe. «Die ist in ihrer Leuchtkraft unerreicht», begründet er. Er hat viel beim Zuschauen gelernt. «Mein Vater hat gemalt», erzählt er. Als Kind habe er oft zugeschaut, weil es ihn interessierte. Und eines Tages, mitten in einem Berufsleben als Kinder- und Jugendpsychologe und Psychotherapeut, habe er die Malerei «wieder hervorgenommen». Die Bewegung des Körpers, ja der Hand, die beim Malen geschieht, hat er im Fokus. Sie wird in seinen Bildern ersichtlich. Inspiration findet Gross, der selber schreibt, in der Literatur. So sind Bildertitel inspiriert von Buchtiteln, oder aber er nimmt Bücher als Malgrund und bearbeitet sie weiter, wie etwa mit einem Taschenbuch von Hermann Hesses «Lieben, das ist Glück».

Wörter aus den Texten erhalten durch die malerische Komponente und im Zusammenspiel mit der Farbe teilweise eine neue Bedeutungsebene. Er sei völlig eingenommen von den Farben, sagt er. Habe er länger nichts mit Farben zu tun, werde er unglücklich. Bei einem Besuch von Andreas Gross im Atelier bei Christian Bader – die beiden kennen sich seit ihrer Kindheit in der Region Solothurn – hätten sie festgestellt, dass die Arbeiten korrespondieren.

Daraus ist die Idee entstanden, die Ausstellung im Näijerehuus zusammen zu gestalten. Sie ist ein «Dreiergespräch» geworden, mit den Skulpturen von Wyss als verbindendes Element. Seine Arbeiten sind eine Auseinandersetzung mit «klaren Formen und figürlichen Welten», so Wyss. Der rote Faden, der bis in den Garten des Näijerehuus reicht, scheint die Kugel zu sein, mal klein, mal grösser, mal aus Metall, mal aus Glas. Sie ergänzt die aus Stein gehauenen Formen, wobei die runde Form auch über die Kugel hinaus präsent ist.

In der Ansprache gab Gross eine Kostprobe seines Humors und seiner Formulierungskunst preis. Er sprach über Farben und über «die wundersame Tat» des Schauens, über den Blick und den Nicht-Blick. Und schliesslich auch über den Augenblick.

Für das Ausstellungsteam des Näijerehuus herrschten bei dieser Ausstellung besondere Umstände. Das erarbeitete Schutzkonzept gemäss den Covid-Verordnungen des Bundes wurde vom Gemeinderat begutachtet. «Alle wichtigen Verordnungen wie die Distanzregelung, das Bereitstellen von Desinfektionsmittel und Mundschutz können wir erfüllen», war von Georg Schmid zu erfahren.

Die Ausstellung ist bis zum 13. September zu sehen.

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