Ortsplanungsrevision

Derendingen erhält neues Gesicht – neue Kernzone Entwicklung geplant

Die Ortsplanungsrevision der Gemeinde Derendingen mit vielen Änderungen wurde vorgestellt. Nun soll die Bevölkerung mitwirken.

Derendingens Entwurf für die Ortsplanung beinhaltet eine Änderung, die zu reden geben dürfte: die neue Aufteilung der Wohnzone W2 in eine Wohnzone W2a und W2b. In der Wohnzone W2a ist weiterhin eine lose Bebauungsstruktur mit unter anderem Einfamilienhäusern zulässig. In der Wohnzone W2b wird künftig eine verdichtete Bauweise gefordert. Der Neubau von Einfamilienhäusern ist in dieser Zone nicht zulässig. Erwünscht sind Doppeleinfamilien-, Reihen- oder Mehrfamilienhäuser.

Am Informationsanlass zur Mitwirkung an der Ortsplanungsrevision, der von gut 40 Personen besucht wurde, war diese Aufteilung ein Thema. Eine Stimme bedauerte, dass mit der Aufteilung in der W2b-Zone kein Einfamilienhaus mehr gebaut werden dürfe. Er glaube, dass dies junge Familien abschrecke, nach Derendingen zu ziehen.

Demgegenüber steht der Wille, so wenig Bauland einzuzonen wie möglich. Dies wurde seinerzeit mit der Abstimmung zum Raumplanungsgesetz von der Mehrheit des Schweizer Stimmvolkes bestätigt. Damit dennoch eine Entwicklung stattfinden kann, setzen Bund und Kanton und damit auch die Planer der Gemeinden auf die innere Verdichtung.

7500 oder 7800 Einwohner bis 2035?

Zugrunde liegt die Berechnung der Entwicklung der Einwohnerzahl von Derendingen. Erhoben wurden die Zahlen von September 2017, weil damals auch der Bebauungsgrad des Siedlungsgebietes berechnet wurde. Damals lebten 6530 Personen in Derendingen (Ende 2019 waren es nur noch 6518) und 11,53 Hektaren Land galten als unbebaute Bauzone (nur Wohnzone und Mischzonen). Das Fassungsvermögen der aktuellen Bauzone ergibt rechnerisch mit Ausschöpfung der bestehenden Areale und Nachverdichtung eine freie Kapazität für 1332 Personen.

Bei vollständiger Ausnutzung dieser Kapazität ergäbe dies ein Total von 7821 Einwohner per Ende der nächsten Planungsperiode (2035). Der Kanton prognostiziert Derendingen im Jahr 2035 eine Einwohnerzahl von 7463 Einwohnern. Zum Vergleich: Vor 15 Jahren lebten in Derendingen 5967 Personen. Welche Prognose eintreffen wird, kann niemand voraussehen. Mit der Überbauung des Emmenhof-Areals beispielsweise könnte Derendingen relativ schnell bis zu 600 zusätzliche Einwohner bekommen.

Vorgeschlagen wird neue Kernzone Entwicklung

Derendingen, das sich, von oben betrachtet, baulich an den Kantonsstrassen (Hauptstrasse, Luterbachstrasse und Luzernstrasse) orientiert, soll eine weitere einschneidende Zonenänderung erfahren. Geplant ist eine neue Kernzone Entwicklung. Fünf Gebiete (Kreuzplatz Nord, Kreuzplatz Süd, Pestalozziplatz, Areal Hauptstrasse 36–42 und Benediktusplatz) der heutigen Kernzone werden der neuen Kernzone Entwicklung zugewiesen. Hier wird in den nächsten 15 Jahren eine Veränderung erwartet.

Diese Veränderungen können das Ortsbild für lange Zeit massgeblich prägen. Daher hat die Gemeinde spezielle Rahmenbedingungen für die künftige Nutzung und Ausgestaltung der Bauten in diesen Gebieten erarbeitet. Nebst der Durchführung eines Qualitätsverfahrens (Wettbewerb, Testplanung etc.) muss über alle Gebiete schlussendlich ein Gestaltungsplan ausgearbeitet werden. Damit können die Gemeinde wie auch die Bevölkerung im Rahmen der Planung Einfluss auf die künftigen Vorhaben nehmen.

Begegnungszone parallel zur Hauptstrasse

Der Ortskern soll sich künftig vom restlichen Siedlungsraum abheben. Als Perimeter für den Ortskern wird der Abschnitt der Hauptstrasse vom Kreuzplatz bis zum Benediktusplatz definiert. Parallel zur Hauptstrasse soll ein öffentlicher Raum in Form einer Begegnungszone mit unterschiedlichen Aufenthalts- und Nutzungsmöglichkeiten entstehen. Ziel ist es, die Sport-, Spiel-und Freizeitanlagen rund um die Schulhäuser, den Friedhof und ein attraktiver, zugänglicher Grünraum rund um den Grüttbach zu vernetzen.

Die baulichen Strukturen im Oberdorf, in der Chrüzmatt und im Emmenhof-Areal (nur einzelne Gebäude: Trafostation, Kraftwerk, Industriehalle) sind schützenswert und sollen langfristig erhalten bleiben. Entsprechend zeitgemässe und für die Grundeigentümer tragbare Nutzungen werden mit speziell für diese Bereiche ausgelegten Zonenvorschriften ermöglicht.

Einzonungen mit Auszonungen ermöglichen

Ansonsten sollen mit Auszonungen Einzonungen kompensiert werden. Die Zone für öffentliche Bauten und Anlagen nördlich der Sportplätze wird auch langfristig nicht benötigt. Östlich des neuen CEVI-Hauses wird darum eine grössere Fläche der Landwirtschaftszone zugeordnet. Die weitere Auszonung betrifft zwei Grundstücke am Hagenweg. Die Grundeigentümer haben keine Überbauungsabsichten geäussert.

Zudem sei die Lage für Wohnnutzungen aufgrund der Lärmbelastung durch die Autobahn ungeeignet. Diese Auszonungen sollen helfen, flächengleiche Einzonungen beim Kanton durchzubringen. Eine Einzonung ermöglicht die Betriebserweiterung der Tierklinik Sonnenhof. Mit einer weiteren Einzonung soll attraktiver und zentrumsnaher Wohnraum entstehen. Für das zur Einzonung vorgeschlagene Gebiet Talmatt wird die Ausarbeitung eines Gestaltungsplanes verlangt.

Mit Ausnahme der vor geschlagenen Einzonung in der Talmatt werden alle Reservezonen von Derendingen der Landwirtschaftszone zugewiesen. Entlang der Luzernstrasse (östlich der Tierklinik Sonnenhof) wird als strategische Raumsicherung, für eine langfristige Erweiterung der Gewerbezone, eine neue Reservezone ausgeschieden. Bis zu einer allfälligen Einzonung kann das Gebiet jedoch nicht bebaut werden.

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