Luterbach

Der Golfplatz Wylihof setzt auf nachhaltige Bewirtschaftung

Der Golfplatz Wylihof in Luterbach ist zertifiziert. In den letzten fünf Jahren wurde konsequent auf eine ökologische Bewirtschaftung der Grünflächen hingearbeitet

Der Golfplatz Wylihof wurde als fünfter Golfplatz in der Schweiz GEO-zertifiziert. Das Label steht für Nachhaltigkeit. Swiss Golf, der Dachverband der Schweizer Golfclubs, möchte dass bis 2025 alle 95 Anlagen in der Schweiz zertifiziert sind (siehe Infobox).

Für die Zertifizierung werden die drei Bereiche Natur (unter anderem Lebensräume und Biodiversität), Ressourcen (unter anderem Wasser, Energie, Abfälle) und Gemeinschaft (unter anderem Öffentlichkeitsarbeit, lokaler Arbeitgeber) untersucht. In drei Jahren steht eine Re-Zertifizierung an. Der Club wird zudem dazu verpflichtet, eine Strategie für die Zukunft und einen Massnahmen-Plan auszuarbeiten. Mittels schriftlicher Berichte und Protokolle werden Fortschritte und Verbesserungen aufgezeigt.

Seit fünf Jahren den Weg verfolgt

Vor fünf Jahren hat man auf dem Golfplatz Wylihof mit den ersten Arbeiten auf dem Weg zur Zertifizierung begonnen. «Da haben wir die Pflegestrategie für unsere Rasenflächen umgestellt», erklärt Geschäftsführer Roland Meyer. Ein Golfrasen muss selbstverständlich immer hohe golfspezifische Ansprüche erfüllen. Trotzdem könne man auch auf einem Golfplatz ökologisch nachhaltig arbeiten.

Konkret wurde in Luterbach als Erstes die Zusammensetzung des Rasens angepasst. «Heute wachsen bei uns Gräser, die weniger Nährstoffe und Pflanzenschutzmittel brauchen.» Je nach Standort und Golfplatz müsse die Mischung anders sein. So sei beispielsweise auch ein Fussballrasen nicht mit dem Rasen eines Golfplatzes vergleichbar. Das sogenannte Green wird jeden Tag gemäht, die restlichen Flächen zwei Mal in der Woche. «Eigentlich sind wir immer irgendwo am Mähen», lacht Meyer. Statt Pflanzenschutzmittel einzusetzen, bearbeite man den Boden heute mechanisch. Mit vertikutieren, aerifizieren und besanden erreiche man viel.

Was der Rasen in Luterbach weiterhin braucht, ist genügend Wasser. «Wir dürfen Oberflächenwasser aus der Aare nützen. Wir brauchen für die Bewässerung kein Trinkwasser», erklärt Meyer.

Teiche haben mehrfachen Nutzen

Das «Green» ökologisch pflegen ist das eine. Das andere ist die gezielte Schaffung neuer natürlicher Lebensräume. Der Golfplatz in Luterbach ist mit seinen 100 Hektaren der drittgrösste in der Schweiz. Nur rund ein Drittel davon wird effektiv fürs Golfen genutzt.

Auf dem Golfplatz wurden diverse Blumenwiesen angelegt. Es finden sich kleine Stein- und Holzbiotope. Der alte Baumbestand wird regelmässig gepflegt, ebenso die Hecken. Dazu kommen mehrere Teiche. Diese wiederum haben einen mehrfachen Nutzen. Einerseits muss man die Fläche der Teiche nicht bewirtschaften, andererseits sind sie auch als Hindernis in den Golfkurs eingebaut. «Es ist auch schon passiert, dass nicht nur ein Golfball, sondern ein ganzes Wägelchen in den Teich gefallen ist», schmunzelt Meyer.

Obwohl das natürlich nicht das Ziel der Übung sei. Entlang der Teiche tummeln sich allerlei Kleinlebewesen im Schilfgürtel. Frösche und Libellen sind schon beim ersten Blick zu sehen. Im Teich schwimmen Fische, die eines Tages einfach da waren. «Ausgesetzt haben wir keine.» Dazu kommen laut Meyer aber auch noch Schlangen, Lurche, Kröten und Salamander.

12 ausgebildete Greenkeeper, kümmern sich um den Golfplatz. So weiss Meyer, dass rund 150 Nistplätze von Vögeln auf dem Platz zu finden sind. Speziell erwähnt er den Eisvogel. «Wir haben extra ein kombiniertes Insekten-, Reptilien-, Amphibien-, Vogelhotel konstruiert, an dessen Hinterseite der Eisvogel ungestört brüten kann», erklärt er. Auch mehrere Uhus habe sich angesiedelt. «Wir haben hier zudem einige verschiedene Schlangenarten.» Der Fischreiher sei häufig zu Gast. Eher unerfreulich sei hingegen der Besuch von Wildschweinen. «Sie hinterlassen massive Spuren.»

Anlage ist auch Naherholungsgebiet

Der Golfplatz ist auch Naherholungsgebiet für die Bevölkerung. Ebenso wie das Restaurant ist der Platz offen zugänglich. «Wir bieten Interessierten Führungen an, in denen wir unsere ökologischen Bemühungen aufzeigen.» Meyer macht zudem darauf aufmerksam, dass die Pflege der Anlage durch die Mitglieder finanziert werde. «Parkanlagen werden von Gemeinden oder Städten finanziert. Alpwiesen durch den Bund. Hier sind es Privatleute die sich Ökologie etwas kosten lassen.»

Der Golfclub Wylihof hat sich im Zuge seiner ökologischen Pflege- und Unterhaltsstrategie in den letzten Jahren auch in der europäischen Golfszene einen Namen erarbeitet und als erste Golfanlage der Schweiz, den ersten Preis für die Unterstützung der Biodiversität gewonnen.

Swiss Recycling überprüft Konzept

Grossen Wert legt man im Wylihof auch auf das Thema «Recycling». «Unsere Lieferanten müssen nachweisen, dass sie Verpackungsmaterial fachgerecht entsorgen.» Im Gastrobereich sei das heute sehr gut gelöst. In anderen Bereichen müsse man dies immer wieder kontrollieren. «In unserem Betrieb trennen wir den Abfall schon lange». Auch Grünmaterial werde gesammelt und zu Biogas verarbeitet. Swiss Recycling habe den Betrieb überprüft. «Ich darf sagen, dass wir gute Noten erhalten haben.»

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