Unterramsern
Der Erfahrene oder die Quereinsteigerin - wer macht das Rennen?

In Unterramsern stehen zwei Kandidaten zur Wahl ins Gemeindepräsidium zur Verfügung. Der langjährige Gemeinderat Markus Menth tritt gegen die Quereinsteigerin Carmen Lischer an.

Urs Byland
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Markus Menth und Carmen Lischer.

Markus Menth und Carmen Lischer.

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Markus Menth Einen Steinwurf von Konkurrentin Carmen Lischer entfernt, lebt Markus Menth (Jahrgang 1969) mit seiner Frau und den beiden Töchtern in einem Haus mit viel Ausblick aufs Limpachtal. Er kam als 9-Jähriger mit seinen Eltern von Solothurn nach Unterramsern. Seit zehn Jahren ist Menth Gemeinderat in Unterramsern. Er arbeitet in einer 90-Prozent-Stelle als Projektleiter Photovoltaik-Anlagen bei der Elektra Jegenstorf und ist Teilzeit-Hausmann. (uby)

Markus Menth Einen Steinwurf von Konkurrentin Carmen Lischer entfernt, lebt Markus Menth (Jahrgang 1969) mit seiner Frau und den beiden Töchtern in einem Haus mit viel Ausblick aufs Limpachtal. Er kam als 9-Jähriger mit seinen Eltern von Solothurn nach Unterramsern. Seit zehn Jahren ist Menth Gemeinderat in Unterramsern. Er arbeitet in einer 90-Prozent-Stelle als Projektleiter Photovoltaik-Anlagen bei der Elektra Jegenstorf und ist Teilzeit-Hausmann. (uby)

Urs Byland

Am Wahlwochenende werden Sie, Markus Menth, mit der Männerriege Messen am Turnfest in Büren turnen. Typisch für Sie?

Markus Menth: Seit meiner Kindheit turne ich im Verein in Messen. Ich war auch über 10 Jahre im Vorstand des TV Messen unter anderem als Präsident. Ich mache viel Sport, auch gerne Wintersport. Bin gerne draussen und fahre in der Regel mit dem «Stromer» an die Arbeitsstelle in Jegenstorf.

In welcher Partei wirken Sie mit?

In keiner. Das machen wir hier nicht. Wir schauen auf die Sache und in den Ressorts auf die Interessen, das heisst auf die Stärken und Schwächen der Einzelnen. Aber ich schaue schon, dass beispielsweise Umweltaspekte mitberücksichtigt werden.

Warum wollen Sie Gemeindepräsident werden?

Ich habe mich zur Verfügung gestellt, auch um eine gewisse Kontinuität zu gewährleisten. Ich weiss, wie es läuft und was bis heute aufgegleist wurde, und ich kenne den Stand der Projekte.

Sie stellten sich zur Verfügung und haben dann plötzlich Konkurrenz erhalten. Wie haben Sie das verdaut?

Das war unerwartet. Wir haben bis zum Anmeldeschluss nicht gewusst, dass ich Konkurrenz erhalte. Im Gemeinderat wurde die bevorstehende Wahl schon diskutiert und unsere Gemeinderätin hatte erwähnt, dass sie sich für jemanden über die Anmeldeformalitäten informieren will, aber sie wollte nicht verraten für wen.

Haben Sie Probleme im Gemeinderat?

Nein, wir haben auch offen über die Nachfolge geredet und diskutiert, wer vom Gemeinderat infrage kommt. Es gab noch eine zweite Person, die von mir aus gesehen befähigt wäre, aber diese Person ist noch nicht lange im Gemeinderat. Wir haben uns dann auf meine Person geeinigt. Ich kann aber auch als Gemeinderat meine Sachen einbringen.

Was möchten Sie einbringen?

In der Zeit, in der ich dabei bin, wurden die Schulstrukturen vollständig umgebaut. Es war wichtig, dass wir auf unsere Bedürfnisse schauten und dass wir auf für uns vernünftige Lösungen hinarbeiteten, damit unsere Kinder nicht verzettelt werden oder damit sie zum Mittagessen nach Hause kommen können.

Ein Problem ist der Schulweg.

Das ist ein ganz aktuelles Thema, welches die jetzigen Eltern der Kleinsten beschäftigt. Beim Kanton stellt man sich auf den Punkt, dass die Hauptstrasse, an der die Bushaltestellen liegen, kaum Verkehr habe. Und ein Trottoir können wir nicht finanzieren.

Moderieren Sie jetzt oder haben Sie bereits eine Lösung?

Als Gemeinderat höre ich mir zuerst den Vorschlag der Eltern an. Wir haben aber auch noch andere Projekte, die bearbeitet werden müssen. Beispielsweise die Erschliessung von Bauland hier in der Nähe.

Ist die aktuelle Steuererhöhung ein Zeichen für eine grundsätzliche Schieflage bei den Finanzen?

Wir hatten schon immer ein Auf und Ab beim Steuersatz. Die Höhe hängt von den Kosten ab, die wir bestreiten müssen. Jetzt geben wir beispielsweise die Asylbetreuung an die Sozialregion ab. Diese Professionalisierung dürfte höhere Kosten generieren. Deshalb ist es auch schwierig, Aussagen zum künftigen Steuersatz zu machen. Es braucht nicht viel und wir spüren das finanziell sofort.

Drei Stimmen gaben den Ausschlag für eine Nichtfusion von Unterramsern mit der neuen Gemeinde Buchegg. Welche Politik werden Sie als Gemeindepräsident von Unterramsern in dieser Frage verfolgen?

Solange wir als unabhängige Gemeinde weitermachen und unsere Aufgaben schlank erfüllen können, drängt es sich nicht auf, einen Fusionspartner zu suchen. Mit der Gemeinde Buchegg wäre es zu früh. Die muss sich zuerst selber finden. Messen hat inzwischen stabile Strukturen. Ich tendiere auf ein grösseres Gebilde, beispielsweise eine Verwaltungseinheit Bucheggberg. Das würde etwas bringen.

Der Kanton gibt grünes Licht für Wachstum in Unterramsern. Was wollen Sie?

Wir dürfen schon noch ein wenig wachsen. Die finanzielle Belastung wächst tendenziell. Wenn wir es auf mehr Köpfe aufteilen können, hilft das sicher.

Was zeichnet Sie im Vergleich zu Ihrer Widersacherin aus?

Ich bin seit zehn Jahren dabei und garantiere Kontinuität. Es macht sicher Sinn, jemanden zu haben, der Erfahrung in Gemeindepolitik hat und weiss wie die Räder von Politik und Dorfleben in einander greifen.

Carmen Lischer Die 41-jährige Carmen Lischer-Federer lebt zusammen mit ihrem Lebenspartner, dem Musiklehrer Tony Castelluccio, in einem Holzhaus. Die Postfachfrau hat eine erwachsene Tochter. Nach ihrer Mutterschaft arbeitete sie im Aussendienst-Verkauf und beim Allgemeinen Wirtschaftsdienst. Ihre Mutter stammt aus Mühledorf. Mit ihrer Tochter wohnte sie viele Jahre in Grenchen. Vor vier Jahren ist sie definitiv zu ihrem Lebenspartner nach Unterramsern gezogen. (uby)

Carmen Lischer Die 41-jährige Carmen Lischer-Federer lebt zusammen mit ihrem Lebenspartner, dem Musiklehrer Tony Castelluccio, in einem Holzhaus. Die Postfachfrau hat eine erwachsene Tochter. Nach ihrer Mutterschaft arbeitete sie im Aussendienst-Verkauf und beim Allgemeinen Wirtschaftsdienst. Ihre Mutter stammt aus Mühledorf. Mit ihrer Tochter wohnte sie viele Jahre in Grenchen. Vor vier Jahren ist sie definitiv zu ihrem Lebenspartner nach Unterramsern gezogen. (uby)

Urs Byland

Carmen Lischer, Sie lieben, wie Sie selber sagen, die Natur und waren ein Bewegungsmensch, bevor die Krankheit multiple Sklerose diagnostiziert wurde. Was bedeutete dies für Sie?

Carmen Lischer: Als ich vor acht Jahren die Diagnose erhielt, fühlte ich mich miserabel. Ich konnte plötzlich nicht mehr alles machen, was ich wollte. Man sagt von multipler Sklerose, es sei die Krankheit der tausend Gesichter. Mich hat es bei den Halswirbeln getroffen. Mein eigenes Immunsystem greift mich an. Das ist wie ein leckes Kabel. Es beginnt mit Kribbeln und führt zu Lähmungen, Müdigkeit und Kraftverlust. Der Körper ist immer erschöpft. Viele Leute haben nur einen Schub. Ich bin eine von denen, die einmal im Jahr einen Schub haben. Ich konnte mich aber immer wieder zurückkämpfen, aus dem Rollstuhl, weg von den Stöcken.

Welche Auswirkungen hat die Krankheit im täglichen Leben?

Ich habe einen sehr geregelten Tagesablauf. Am Morgen gehe ich mit meinen Hunden zum Pferd. Am Nachmittag ruhe ich zwei, drei Stunden. Ich gehe einmal monatlich ins Spital. Aktuell bin ich erstmals seit einem Jahr schubfrei.

Dann kam die Sache mit dem Gemeindepräsidium. Warum suchen Sie dieses Amt?

Ich wurde von einer Bekannten aus dem Gemeinderat darauf angesprochen. Ich solle mich melden, das sei doch etwas für mich.

Warum?

Ich denke, ich weiss, wie ich bin, dass ich gerne etwas bewirken will.

Was wollen Sie bewirken?

Ich muss etwas Gutes tun, noch ein Ziel erreichen. Ich denke, dass ist für mich extrem wichtig zu spüren, dass ich etwas wert bin, auch mit meiner Krankheit. Beispielsweise mit den Stärken, die ich habe, etwa meine Kämpfernatur. Und ich habe absolut kein Problem, vor die Leute zu stehen. Ich habe den Tatendrang, etwas Neues zu erlernen. Zudem wohne ich gerne in Unterramsern und habe zwei, drei Anliegen, die ich umsetzen möchte.

Gehören Sie einer Partei an?

Ich bin weder links noch rechts. Das ist als Gemeindepräsidentin auch nicht nötig. Themen müssen nicht etwas mit einer politischen Partei zu tun haben, damit ich Partei ergreife. Für mich ist das Wichtigste, was wir hier zusammen wollen, wir die Unterramserer.

Was wollen die Unterramserer?

Wir wollen eine kleine unabhängige Gemeinde bleiben, und uns diesen Schatz bewahren, so lange es geht.

Dafür müssen die Unterramserer aktuell etwas mehr Steuern zahlen?

Das ist der Preis der Unabhängigkeit.

Ein grosses Thema im Dorf ist der Schulweg. Was läuft schief?

Der Schulweg zur Bushaltestelle ist gefährlich, weil wir kein Trottoir haben. Und es wird relativ schnell gefahren. Für ein betroffenes Kind ist der Schulweg gar im 80er-Bereich der Kantonsstrasse. Ein Trottoir ist nicht finanzierbar. Trotzdem muss etwas gehen. Man könnte die Ortstafel versetzen oder eine Verkehrsberuhigung durchführen. Es werden nicht weniger Kinder, im Gegenteil. Die Lösung des Problems ist sicher ein Ziel, das ich anstreben werde.

Sie leben seit vier Jahren in Unterramsern. Kennen Sie schon alle gut 200 Bewohnerinnen und Bewohner des Dorfes?

Viele Leute kennen mich wegen meiner Pferdeleidenschaft. Ich hatte mein Pferd in Unterramsern, und mir wurde viel geholfen mit Heu und Stroh. Ich bin viel mit den Hunden unterwegs. Für diejenigen, die mich weniger kennen, habe ich ein Flugblatt zusammengestellt und dieses an die Haushaltungen verteilt.

Was zeichnet Sie im Vergleich zu Ihrem Widersacher aus?

Der Vorteil ist, dass ich nicht vorbelastet, neutral amten kann. Und mit mir kommt junges Blut in die Gemeindepolitik.