Zuchwil

Das Sportzentrum braucht dringend 1,5 Millionen Franken

In den Räumlichkeiten des Sportzentrums erklären Jürgen Hofer (links) und Urs Jäggi, wie das Sportzentrum auch künftig in finanziell ruhigere Fahrwasser kommen könnte.

In den Räumlichkeiten des Sportzentrums erklären Jürgen Hofer (links) und Urs Jäggi, wie das Sportzentrum auch künftig in finanziell ruhigere Fahrwasser kommen könnte.

Die Verantwortlichen der Sportzentrum Zuchwil AG suchen dringend Geld, um das Loch zu stopfen, das der Stillstand wegen der Coronakrise in die Kasse gerissen hat. Jürgen Hofer, Präsident der Sportzentrum Zuchwil AG, und Direktor Urs Jäggi wollen die Anlage breiter abstützen.

Jürgen Hofer, wurde der Hilferuf des Sportzentrums erhört?

Jürgen Hofer: Ja er ist erhört worden. Am runden Tisch mit der Stadt Solothurn, Repla espace und Kanton hatten wir die wichtigsten Player an Bord. Natürlich mit unterschiedlichen Rollen, aber allen war die Ernsthaftigkeit der Lage klar.

Wie viele finanzielle Mittel braucht das Sportzentrum Zuchwil aktuell?

Wir brauchen 1,5 Mio. Franken, die nicht alleine von der Einwohnergemeinde Zuchwil bereitgestellt werden können. Deshalb brauchen wir Partner, die mitfinanzieren helfen.

Sie haben dem Kanton ein Gesuch gestellt. Lassen Sie mich raten, die Gemeinde übernimmt 1 Mio. Franken und der Kanton eine halbe?

Das kann ich nicht sagen. Der Kanton ist bereit, das Gesuch zu prüfen. Ob und allenfalls in welcher Höhe ein Beitrag gesprochen wird, ist noch nicht entschieden.

Warum waren Repla espace und die Interessengemeinschaft Solothurner Sport ebenfalls am runden Tisch?

Da muss ich etwas ausholen. Das Sportzentrum hat sich seit seiner Gründung 1974 extrem entwickelt. Ursprünglich war das eine gemeindeeigene Infrastruktur, die immer grösser wurde und heute eine überregionale Bedeutung geniesst. Ich denke, der Zeitpunkt ist gekommen, und das ist sicher ein positiver. Aspekt der Coronakrise, darüber nachzudenken, das Sportzentrum mittelfristig breiter abzustützen. Da spielen die anderen Partner eine Rolle. Sicher dazu gehören die Stadt Solothurn, die Repla espace und vor allem die Interessengemeinschaft Sport Solothurn, die ein Mehrfachturnhallenprojekt mit der Stadt und dem Kanton prüft.

Laut Kritiker überfordert das Sportzentrum die Gemeindefinanzen. Ihre Absichten stützen diese These.

Bis jetzt hat das Sportzentrum die Gemeindefinanzen nicht überfordert. Die Zuchwil ist seinen Verpflichtungen immer nachgekommen. Betrachtet man den guten Zustand des Sportzentrums muss man sagen: Zuchwil konnte das bis jetzt immer stemmen. Letztlich entscheidet der politische Willen, ob dies weiterhin der Fall sein soll.

Der Verwaltungsrats-Vizepräsident der AG will, dass die Region mithilft. Urs Jäggi, was passiert regionales im Sportzentrum?

Urs Jäggi: Das Sportzentrum ist ein Knotenpunkt. Die Leute kommen von weither, um sich bei uns zu bewegen. Beispielsweise wegen der Rutschbahn im Hallenbad. Das zieht Familien an. Wir haben einen Wellnesspool outdoor, einen Saunapark, die Eishalle mit Innen- und Aussenfeld, die Fussballfelder, das Sporthotel mit der Dreifachhalle, die Minigolf-Anlage und im Sommer die Tennisplätze. Bei uns vereinen sich Anlagenutzung, Restauration und Unterkunftssituation ideal. Dadurch haben wir nationale und internationale Trainingslager. Das hat sich nochmals verstärkt mit der Traglufthalle in der Wintersaison über dem Freibad. Hier haben wir ein gutes Feedback von Schwimmern bis nach Biel und Murten. Das Gleiche zeigt sich beim Kunstrasen, der die Vereine aus der Region anzieht.

Wird die Hilfe, die das Sportzentrum braucht, in der Region auch anerkannt?

Jürgen Hofer: So lange die Anlage im Alleinbesitz von Zuchwil bleibt, ist es normal, dass die Einwohnergemeinde die Probleme selber lösen muss. Trotzdem: Als wir mit unserem Hilfegesuch an den Kanton herangetreten sind, wurde das Gesuch entgegengenommen. Man hat nicht einfach abgeblockt. Der Kanton sieht natürlich die überregionale Ausstrahlung des Sportzentrums.

Zuchwil ist Hauptaktionär der Sportzentrum AG. Kritiker verlangen, das Sportzentrum einfach zu verkaufen. Ist das möglich?

Urs Jäggi: Diese Frage haben wir intensiv bearbeitet. Wir haben Bewertungen machen lassen von externen Fachleuten. Das Fazit lautet: Ein Verkauf ist völlig unmöglich. Ein Käufer will Rendite, aber das Sportzentrum ist kein Renditeobjekt. Und eine Schliessung wird von einer grossen Mehrheit der Bevölkerung Zuchwil abgelehnt. Man darf schon sagen, dass die Zuchwiler hinter dem Sportzentrum stehen. Mit klarer Mehrheit wurde beispielsweise der Erneuerung des Freibads für brutto 9,94 Mio. Franken zugestimmt.

Ein Käufer könnte einfach die Eintritte erhöhen, um zu seiner Rendite zu kommen?

Jürgen Hofer: Es gibt solche Anlagen mit einer Mischnutzung, etwa das Lido in Locarno. Die Anlageteile, die nicht rentieren, wie Freibad, Hallenbad, sind weiterhin im Besitz der Gemeinde. Diejenigen, die einen Ertrag abwerfen wie der gesamte Wellnessbereich, werden privat betrieben. Kauft ein Privater das Sportzentrum, muss er nicht rentierende Anlageteile schliessen oder die Preise so hoch ansetzen, dass die Anlageteile kaum mehr genutzt werden. Im Lido Locarno kostet der Eintritt in die Badi 13 Franken.

Wie kann das Sportzentrum breiter abgestützt werden?

Urs Jäggi: Wir könnten Synergien nutzen, wenn wir als Beispiel andere Anlagen im Auftrag betreiben würden.

Etwa die geplante Mehrfachhalle der Interessengemeinschaft Sport Solothurn?

Ja. Aber es könnte auch das Hallenbad in Solothurn sein. Da haben wir auch schon darüber gesprochen. Das Lehrlingsturnen geht auch in diese Richtung. Wir durften ja mit unseren Hallen beim Kanton offerieren. Das ist zwar eine temporäre Lösung, aber die Idee ist es auch, dieses weiterhin zu betreiben, wenn das Lehrlingsturnen später andernorts angeboten wird.

Am Ende geht es darum, das Aktionariat für weitere Investoren zu öffnen?

Jürgen Hofer: Das wäre der logische Schritt. Gleichzeitig müsste das Controlling anders funktionieren. Die heutige Schnittstelle zum Gemeinderat Zuchwil ist immer auch mit einem Reibungsverlust verbunden, weil die Politik eine andere Rolle hat als die Betreibergesellschaft. Ich könnte mir eine ständige Kommission vorstellen, in der alle Besitzer der Anlage vereint sind, um die Sache etwas zu entpolitisieren, in einem positiven Sinn. Dort wären Leute vereint, die dann vielleicht etwas näher bei der Materie sind, als ein Gemeinderat, der mit ganz vielen anderen Geschäften auch noch zu tun hat. Es braucht heute extrem viel Erklärungsbedarf, bis der politische Entscheid da ist. Zeit, die im Notfall gar nicht vorhanden ist.

Mit der Coronakrise ist die Sportzentrum AG unter Druck gekommen. Das von Kritikern gern erwähnte Klumpenrisiko hängt an Zuchwil. Hat man da nicht zu lange zugewartet, etwas ändern zu wollen?

Urs Jäggi: Mit der Sanierung des Freibads, mit der Traglufthalle und mit dem Kunstrasen eine neue Dimension angenommen. Man spürt auch in der Meinung der Bevölkerung eine Änderung. Die meisten befürworten das Sportzentrum. Aber es gibt auch Leute, die denken, dass eine so grosse Anlage nicht nur Zuchwil gehört. Ich habe schon Stimmen vernommen, die fanden, dass das Sportzentrum Zuchwil würdig wäre, ein kantonales Sportzentrum zu sein.

Jürgen Hofer: Die Coronakrise ist von einer Dimension, mit der man nicht rechnen konnte. Das schärft das Bewusstsein. Zuchwil kann nicht alle Jahre eine solche Krise alleine durchstehen und
1,5 Mio. Franken in die Hand nehmen.

Überlebt das Sportzentrum?

Jürgen Hofer: Ja. Alle Beteiligten müssen aber noch einen grossen Effort leisten.

Urs Jäggi: Klar, es bleibt einfach die Frage, wie verteilen wir den Verlust?

Wann wird geöffnet?

Urs Jäggi: Die Traglufthalle wird Mitte Mai abgebaut. Das Freibad öffnet am 8. Juni. Hallenbad und Saunapark öffnen frühestens Anfang Juli.

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