Derendingen

Das Leben auf Eis gelegt: So beeinflusst die Coronakrise das Alters- und Pflegeheim Tharad

Sie halten die Sicherheitsdistanz ein, auch wenn es in der Betreuung schwer fällt: Pflegeleiterin Petra Schöni und Geschäftsführer Karl Zgraggen.

Sie halten die Sicherheitsdistanz ein, auch wenn es in der Betreuung schwer fällt: Pflegeleiterin Petra Schöni und Geschäftsführer Karl Zgraggen.

Beispiel Alters- und Pflegeheim Tharad in Derendingen: Wie wird das Leben in Zeiten der Coronakrise organisiert? Besuche sind verboten, das Lotto gestrichen. Die Versorgung an Masken, Desinfektionsmittel und Hygienematerial ist vorerst gesichert.

«Damit wir die Bewohnerinnen und Bewohner im Tharad vor dem Coronavirus schützen können, gilt ein generelles Besuchsverbot.» Dieser Satz auf der Website des Zentrums für Pflege und Betreuung, das die beiden Gemeinden Luterbach und Derendingen betreiben, hat es in sich. In normalen Zeiten sind für betagte Menschen die Besuche ihrer Kinder, Enkelkinder und Freunde die Höhepunkte im Alltag. Nun ist das Telefon für die 82 Personen, die derzeit im Tharad leben, die wichtigste Verbindung zu ihren geliebten Menschen.

Wegen ihres hohen Alters gehören sie zur gefährdetsten Risikogruppe. «Man könnte meinen, dass unsere Bewohnerinnen und Bewohner deshalb grosse Angst vor dem Virus haben», berichtet Petra Schöni, die vergangenen Oktober die Leitung des Pflegedienstes übernommen hat. «Ich erlebe die Stimmung jedoch anders. Die Bewohner vertrauen uns, schätzen unsere Arbeit und fühlen sich sicher. Ihnen fehlen vor allem die sozialen Kontakte, weshalb wir kurzfristig eine Skype-Station eingerichtet haben.»

Klare Regeln sollen allen helfen

«Mein Eindruck ist, dass die Bewohnerinnen und Bewohner gut mit der Situation umgehen können», findet Karl Zgraggen, der Geschäftsführer. «Es fehlt uns schon etwas. Das Tharad soll ein Ort der Begegnung sein. Wir sind ein offenes Haus. In unserem Restaurant treffen sich viele Leute. Nun dürfen die Stammgäste, Handwerker und Besucher nicht mehr zu uns kommen. So fallen nochmals viele soziale Kontakte weg und manchmal fühlt es sich an, als wäre ein Stück unseres Lebens auf Eis gelegt.»
Zum Besuchsverbot sagt Zgraggen: «Klare Regeln helfen, dann gibt es keine Diskussionen.»

Wenn eine Besprechung nötig wird, werden Besucher über einen Seiteneingang in ein separates Zimmer mit einem grossen Tisch geführt, ohne dass sie in Kontakt mit den Bewohnern kommen. Dies sei mit ein Grund, warum es hier bisher glücklicherweise noch keinen einzigen Corona-Fall gegeben habe.

Im Januar und Februar musste das Tharad bereits einen Härtetest überstehen, als der Norovirus mit heftigem Brechdurchfall auftrat. «Es war ein Ausnahmezustand, und wir haben diesen Ernstfall gut gemeistert. Die Hygienevorschriften und die Arbeitsabläufe, die sich gegen den Norovirus bewährt haben, sind auch im Kampf gegen den Coronavirus wirksam», blickt Petra Schöni auf turbulente Monate zurück.

Lotto ist gestrichen, neue Aktivitäten sind gesucht

Das beliebte Lotto musste gestrichen werden, weil es im Saal zu eng wäre, und der Sicherheitsabstand von zwei Metern nicht eingehalten webrden könnte. Aber das tägliche Leben muss weitergehen: «Nun basteln wir zum Beispiel zusammen Osterdekorationen, wobei jeweils nur wenige Personen an grossen Tischen arbeiten. Viele Aktivitäten sind noch möglich, aber nur noch in kleinen Gruppen», erklärt Petra Schöni. «Wir lassen uns immer wieder etwas Neues einfallen.»

Die Coronakrise beeinflusst im Tharad auch die Gewohnheiten der Angestellten. «Jeder hat ein Leben ausserhalb der Institution und die meisten haben Familie. Wir alle müssen die Zahl unserer Kontakte einschränken, aber niemand kann das Risiko einer Ansteckung total ausschliessen», beschreibt die Pflegedienstleiterin die Auswirkungen. «Das Bild mit den vielen Leuten am Aaremürli haben wir alle gesehen, und es ist klar, dass ich keine Pflegekraft in einer solchen Menschenansammlung sehen möchte. Wer im Pflegebereich arbeitet, ist sich seiner Verantwortung bewusst.»

Die Versorgung ist vorerst gesichert

Muss man sich im Tharad wegen eines möglichen Versorgungsengpasses Sorgen machen? «Wir haben noch genügend Masken, Desinfektionsmittel und Hygienematerial. Wir müssen aber sparsam damit umgehen», sagt Petra Schöni.

Sollte eine Bewohnerin oder ein Bewohner positiv getestet werden, wird diese Person isoliert und darf ihr Zimmer nicht mehr verlassen. Die Abläufe, wie man eine betroffene Person betreuen muss, um kein Risiko einzugehen, seien klar definiert. Und wenn es das Personal betreffen sollte? «Wird eine Person getestet, arbeitet sie nicht, bis der Entscheid vorliegt. Wenn das Ergebnis positiv ist, darf sie das Haus nicht mehr betreten.» In der Pflege könne man nicht immer auf zwei Meter Distanz gehen. «Wir tragen Hygienemasken und suchen pragmatische Lösungen. Eine absolute Sicherheit aber gibt es nicht.»

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