Letzte Woche war der Forstbetrieb Leberberg mit zwei Teams im Einsatz. Rund 1000 Weihnachtsbäume wurden im Bezirk Leberberg geschlagen, welche am Samstag in zehn Bürgergemeinden feilgeboten wurden. In Waldstücken und auf landwirtschaftlich uninteressanten Flächen standen die Rot– und Nordmanntannen in Reih und Glied.

«Die Bewirtschaftung der Weihnachtsbäume ist ein ziemlich grosser Aufwand und erfordert viel Manpower», sagt Thomas Studer, Betriebsleiter des Forstbetriebes. Zwei- bis dreimal jährlich müsse das Gras zwischen den Bäumen geschnitten werden, damit die unteren Äste der Bäume genügend Platz zum Wachsen haben. Doch dieses Jahr sei es – im Vergleich zu anderen Jahren – sehr rund gelaufen. «Wir mussten die Bäume auch schon ausgraben, um sie zu fällen», sagt Studer und bezieht sich dabei auf vergangene Jahre mit Schneefall.

Dem grossen Aufwand stimmt auch André Ziegler zu. Mit seiner Familie bewirtschaftet er den Ziegler Hof in Brunnenthal. Auf zwei Hektaren kultiviert die Familie Obstbäume verschiedenster Art und hält 20 Pferde. Und vor 15 Jahren pflanzten sie die ersten Weihnachtsbäume. «Es ist ein schöner Aufwand», präzisiert Ziegler im positiven Sinne.

Den frischesten Baum, den man haben kann

Für Landwirte sei die Weihnachtszeit im Vergleich zum Rest des Jahres eher ruhig. «Man kann sich in dieser Zeit den Kunden widmen, um ihnen etwas Schönes zu bieten.» Am Samstag fand dann der Verkauf statt.

Nur 80 Meter vom Hof entfernt befindet sich die Plantage mit rund 2500 Bäumen. Dort konnten die Baumsucher durch das Wäldchen gehen und den für sie perfekten Weihnachtsbaum aussuchen, welcher sogleich geschlagen wurde. «So bekommen unsere Kunden den frischesten Baum, den man haben kann», sagt Ziegler. Zudem seien die Kunden meist sehr wählerisch.

Jeder habe seine eigenen Vorlieben und Vorstellungen, wie ein Weihnachtsbaum aussehen soll. «Wir verhindern damit eine unnötige Abholzung der Bäume.» Zudem hätten die Kinder Freude daran, zu sehen, wo und wie die Bäume wachsen. «Bei uns zahlen die Leute zehn Franken mehr als in grossen Geschäften.» Dafür sei der Qualitätsunterschied enorm. «Schon der Geruch ist viel intensiver, wenn der Baum frisch von der Wiese kommt.»

Jedem Haushalt wird ein Weihnachtsbaum geschenkt

Auch in Deitingen werden kommenden Samstag Weihnachtsbäume erhältlich sein. Doch mit einem Alleinstellungsmerkmal: Jedem Deitinger Haushalt wird ein Weihnachtsbaum geschenkt.

Diese Tradition wird seit einer Volkszählung im Jahr 1960 gepflegt. Nach Abgabe eines Bons, welcher dem Anzeiger beiliegt, kann ein Baum gratis abgeholt werden. «Wegen der guten finanziellen Lage der Gemeinde können wir das unseren Einwohnern gönnen», sagt der Forstverantwortliche der Bürgergemeinde und künftige Bürgergemeindepräsident Martin Kofmehl. Zudem seien viele Bürger wegen der Kiesgrube und den damit verbundenen Fahrten von Lastwagen durch das Dorf verärgert. «Es ist eine Geste des guten Willens», sagt Kofmehl.

Die Bäume stammen aus eigenem Anbau der Bürgergemeinde auf zweieinhalb Hektaren. Jeden Frühling setzt die Bürgergemeinde 700 neue Bäume mit der Hilfe der Altersriege des Turnvereins Deitingen. «Die meisten schätzen unsere Aktion sehr», sagt Kofmehl.

Es wäre möglich, alle Weihnachtsbäume in der Schweiz anzubauen

Natürlich gebe es schönere und weniger schöne Bäume. So habe zum Beispiel im April 2017 der späte Bodenfrost den Bäumen beim Austreiben geschadet, was sich später auf deren Gesundheit auswirkte. Die sichtlich geschwächten Bäume stiessen bei manchen Bürgern auf eher negative Reaktionen. Darauf kann Martin Kofmehl nur entgegnen: «Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul.»

Laut Thomas Studer vom Forstbetrieb Leberberg kommt gut die Hälfte der in der Schweiz gekauften Weihnachtsbäume aus dem Ausland. Zum grössten Teil aus Deutschland und Dänemark. «Dabei wäre es nicht schwierig, alle Weihnachtsbäume in der Schweiz anzubauen», sagt Thomas Studer. Anbauflächen gäbe es genug.