Bundesvertreter eingeladen
Zu viele Unfälle beim Autobahnanschluss: Nun will der Gemeinderat von Kriegstetten handeln

Vor kurzem ereignete sich ein Unfall mit einer schwerverletzten Person bei der Autobahneinfahrt Kriegstetten. Es ist nicht der erste. Der Gemeinderat will handeln und hat einen Vertreter aus Bundesbern eingeladen. Zudem beantwortete er mehrere Anfragen aus der Bevölkerung.

Urs Byland
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Autobahneinfahrt Kriegstetten.

Autobahneinfahrt Kriegstetten.

Hanspeter Bärtschi

Zuletzt kam es am 30. Dezember um 6.20 Uhr beim Autobahnanschluss Kriegstetten zu einem Unfall. Ein Fahrzeug, das auf die Autobahneinfahrt in Richtung Zürich gelenkt wurde, kollidierte mit einem entgegenkommenden Motorrad, das von Gerlafingen in Richtung Kriegstetten unterwegs war. Dabei zog sich der Motorradfahrer schwere Verletzungen zu.

Der Gemeinderat Kriegstetten will die Verkehrsopfer an dieser Stelle nicht weiter hinnehmen und wird deshalb aktiv. Gemeindepräsident Simon Wiedmer sagt:

«Die Situation beim Autobahnanschluss ist unübersichtlich. Erneut müssen wir einen Unfall mit einem traurigen Ausgang hinnehmen, weil der Bund kein Geld für eine Sanierung sprechen will.»
Simon Wiedmer, Gemeindepräsident Kriegstetten.

Simon Wiedmer, Gemeindepräsident Kriegstetten.

Tom Ulrich

Die Autobahnbrücke zwischen Gerlafingen und Kriegstetten habe sich nicht zum ersten Mal in verkehrstechnischer Hinsicht als gefährlich erwiesen. «Die Geschwindigkeit der entgegenkommenden Fahrzeuge ist schwierig abzuschätzen.» Der Gemeinderat habe das Thema intensiv diskutiert.

Beschlossen wurde, einen Vertreter der Kantonspolizei sowie einen Vertreter des Astra, des Bundesamtes für Strassen, an eine Sitzung des Gemeinderates einzuladen. Der Gemeindepräsident hätte auch schon eine Lösung für das Problem. «Wir können uns bei beiden Einfahrten den Bau eines Kreisels vorstellen.»

Es gibt keine raschen Lösungen

Das Astra unternehme grosse Anstrengungen, um die Sicherheit auf den Nationalstrassen laufend weiter zu verbessern, schreibt ein Mediensprecher des Bundesamtes. Dazu würden unter anderem die Unfälle detailliert untersucht, insbesondere Unfallart und jeweilige Ursache. Ziel sei es, potenzielle Gefahrenstellen und Unfallschwerpunkte zu erkennen und anschliessend gestützt auf die Untersuchungsergebnisse die vor Ort jeweils wirksamsten Massnahmen umzusetzen.

Auffällig bezüglich Unfälle seien Anschlussstellen – also Knotenpunkte mit dem untergeordneten Strassennetz. «Im Bereich des Anschlusses Kriegstetten wurden im Zeitraum von 2011 bis 2020 mehrere Abbiegeunfälle im Knotenbereich mit der Kantonsstrasse wie auch Schleuder- und Auffahrunfälle im Rampenbereich und auf der A1-Stammachse registriert.»

Diese Unfälle sind auf der folgenden Karte des Bundes markiert. Ein Dreieck steht für einen Unfall mit mindestens einer leichtverletzten Person, ein Viereck für einen Unfall mit mindestens einer schwerverletzten Person.

Viele Unfälle bei Autobahneinfahrten

Die Liste mit den Unfällen bei der Autobahneinfahrt zwischen Gerlafingen und Kriegstetten ist wahrlich lang. Dabei ist die Auffahrt für die Autobahnspur Richtung Zürich unfallträchtiger. Hier sind zwischen 2012 und 2020 laut Statistik insgesamt 18 Unfälle mit verletzten Personen verzeichnet. Bei 17 Unfällen gab es Leichtverletzte und bei einem im November 2012 Schwerverletzte. Noch nicht in der Statistik sind die Unfälle 2021. Für die andere Seite der Brücke, die Einfahrt auf die Autobahnspur nach Bern, werden 10 Unfälle aufgeführt. Einer, im Juni 2013, endete mit Schwerverletzten. Aber nicht nur hier sind hohe Unfallzahlen zu verzeichnen. Diese sind auch an anderen Autobahnein- und -ausfahrten hoch. 

Dabei wurden mehrere Menschen leicht verletzt. Das Astra sei aktuell daran zu evaluieren, wie die Sicherheit beim Anschluss Kriegstetten erhöht werden kann. «Wir können heute allerdings noch keine Resultate oder daraus abgeleitete Massnahmen präsentieren.» Das seien sehr aufwendige Arbeiten, rasche Lösungen dabei die absolute Ausnahme. Diese Arbeiten würden wirken, so das Bundesamt, die Zahl der Unfallschwerpunkte auf dem Nationalstrassennetz sinke regelmässig.

Tempo 30, Weihnachtsbeleuchtung und Kartonentsorgung

Gleich drei Anliegen aus der Bevölkerung beschäftigten zudem den Gemeinderat von Kriegstetten. Ein Einwohner fragte an, ob man analog zu Dulliken die Einführung von Tempo 30 auf dem Abschnitt zwischen den beiden Kirchen prüfen könnte. Im Kanton gebe es bisher an zwei Orten, in Nennigkofen und in Dulliken, Abschnitte auf Kantonsstrassen mit Tempo 30. Gemeindepräsident Simon Wiedmer sagt:

«Wir haben den Antrag einstimmig abgewiesen und wollen uns nicht für diese Idee einsetzen.»

Und weiter: «Wir haben hier andere Verhältnisse als in Dulliken. Und wir sehen auch keine unsichere Situation für die Verkehrsteilnehmer.» In Kriegstetten würden ausser beim Dorfplatz keine engen, kurvigen oder unübersichtlichen Stellen vorliegen. Der Gemeinderat sei überzeugt davon, dass die Voraussetzungen für eine Einführung von Tempo 30 auf den Kantonsstrassen im Dorfzentrum nicht erfüllt wären.

Tempo 30 auf der Obergerlafingenstrasse in Kriegstetten.

Tempo 30 auf der Obergerlafingenstrasse in Kriegstetten.

Hanspeter Bärtschi

«Wir haben aber Tempo 30 in den Quartieren eingeführt.» Und in diesem Jahr soll auch eine Begegnungszone mit Tempo 20 beim Schulhaus eingerichtet werden. «Wir wollen nun diese Massnahmen zuerst auf uns wirken lassen, bevor wir über weitere nachdenken.»

Die zweite Anfrage aus der Bevölkerung betrifft die Weihnachtsbeleuchtung. Die Devise lautet hier: immer mehr. Eine Einwohnerin möchte die Strassenlampen in der Weihnachtszeit mit einer Weihnachtsbeleuchtung schmücken. Pro Strassenlampe ist mit Kosten von 100 Franken zu rechnen. Aber auch hier findet der Gemeinderat, weniger ist mehr. «Wir haben bereits jetzt ein schön beleuchtetes Dorfzentrum», findet der Gemeindepräsident. Eventuell werde man sich aber überlegen, die Beleuchtung noch bis zum Kreisel zu erweitern.

Weniger ist mehr

Weniger ist mehr, sagte sich der Gemeinderat auch bei der dritten Anfrage. Ein Einwohner wünscht, den Karton anstatt bis dato fünfmal pro Jahr, einmal monatlich entsorgen zu können. Die Kosten für die Kartonentsorgung belaufen sich zurzeit in Kriegstetten auf 5300 Franken pro Jahr.

Bei einer monatlichen Entsorgung würden die Kosten rund 13'000 Franken pro Jahr betragen. «Die Gebühr für die Abfallentsorgung ist bereits jetzt hoch. Wir wollen diese eigentlich senken. Zusätzliche Kartonentsorgungen erhöhen aber den Druck auf die Abfallgebühr», begründet Wiedmer die Absage. Zumal der Gemeinderat andere Entsorgungstouren prüft.

Der Karton soll in Kriegstetten nicht häufiger abgeholt werden.

Der Karton soll in Kriegstetten nicht häufiger abgeholt werden.

Manuela Jans-Koch

Bauschutt und Metall beispielsweise kann man Stand heute bei der Entsorgungsstelle entsorgen. Hier klärt der Gemeinderat ab, ob zukünftig Bauschutt und Metall statt bei der Entsorgungsstelle direkt bei den Haushaltungen abgeholt wird.

Wiedmer nennt aber auch andere Gründe, die gegen zusätzliche Kartontouren sprechen. Der Gemeinderat wolle zum Beispiel die Päckliflut nicht weiter unterstützen. «Häuft sich der Karton an, sollen die Leute diesen inskünftig allenfalls zur neuen Entsorgungsstelle beim Coop bringen können, anstatt dass die Gemeinde den Rhythmus erhöht.»