Biberist
Senioren fühlen sich schon jetzt sehr wohl in der Gemeinde

Biberist soll eine generationen- und altersgerechte Gemeinde sein, in der sich sowohl Kinder, als auch Jugendliche und Betagte wohl fühlen. Eine Studie zeigt auf, wo Verbesserungen möglich wären. Der Gemeinderat will das Thema in einem speziellen Workshop diskutieren.

Rahel Meier
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Senioren verbringen durchschnittlich nur noch ein Jahr in einem Heim. Viele bleiben so lange als möglich in ihrer eigenen Wohnung. (Themenbild)

Senioren verbringen durchschnittlich nur noch ein Jahr in einem Heim. Viele bleiben so lange als möglich in ihrer eigenen Wohnung. (Themenbild)

Christian Beutler / KEYSTONE

In einer Befragung von Pro Senectute bei den über 65-jährigen Einwohnerinnen und Einwohnern erhielt die Gemeinde Biberist gute Noten in Bezug auf die Altersfreundlichkeit.

Verbesserungen sind aber immer möglich, das zeigt auch eine Studie auf, die von der Genossenschaft Läbesgarte, der Genossenschaft Alterswohnen und der Gemeinde Biberist in Auftrag gegeben wurde. Der Bericht zeigt zudem auf, dass in der Gemeinde überdurchschnittlich viele Seniorinnen und Senioren wohnen.

Überdurchschnittlich viele über 65-Jährige

Bereits im Jahr 2000 lag der Anteil der über 65-Jährigen bei 29,7 Prozent. In der Gesamtschweiz wurde dieser Wert erst 2017 erreicht. Zwischen 2020 und 2040 dürfte der Anteil weiter steigen und sich um rund 900 Personen erhöhen. Die Zahl der über 80-Jährigen dürfte im gleichen Zeitraum um über 430 Personen zunehmen und sich fast verdoppeln.

Ivo Bracher (Präsident Genossenschaft Läbesgarte) stellte die Studie im Gemeinderat vor. Neben der steigenden Lebenserwartung sei auch eine andere Tendenz zu beachten, wenn man in die Zukunft planen wolle.

«Die Menschen bleiben immer länger zuhause»,

erklärte er. «Sie gehen erst in ein Heim, wenn es gar nicht mehr anders geht. Vor 30 Jahren lebte ein Bewohner durchschnittlich fünf Jahre lang in einem Heim. Heute ist es meist nur noch rund ein Jahr.»

Auswirkungen der Coronapandemie

Acht Heimbewohner verstarben

Geschäftsführer Sascha Gelbhaus nützte die Gelegenheit dem Gemeinderat aufzuzeigen, wie sich die Coronasituation auf den «Läbesgarte» ausgewirkt hat.

Im November 2020 wurde das Heim stark von der Coronapandemie getroffen, 46 Bewohner und 47 Mitarbeitende erkrankten. Acht Bewohnerinnen und Bewohner verstarben. Dazu kommen weitere vier Personen, die aus dem Spital in den «Läbesgarte» in die sogenannten Übergangsbetten überführt wurden und in Biberist verstarben.

In der Zwischenzeit seien 95 Prozent der Bewohner geimpft und 70 Prozent der Mitarbeitenden seien entweder geimpft oder von der Krankheit genesen, erklärte Gelbhaus.

Im «Läbesgarte» stehen zurzeit zehn Betten leer, im Kanton Solothurn sind es insgesamt 200. Das hat auch Auswirkungen auf die finanzielle Situation der Alters- und Pflegeheime. Der «Läbesgarte» hat um 0,9 Mio. Franken schlechter abgeschlossen, als im Vorjahr. (rm)

Auch ganz konkrete Forderungen umsetzen

Die Befragung von Pro Senectute und die Studie würden diverse Handlungsfelder aufzeigen. «Der Gemeinderat muss entschieden, wie es weitergehen soll», so Bracher. Eine seiner Forderungen ist es beispielsweise das Baureglement so anzupassen, dass Um- und Neubauten zwingend hindernisfrei auszugestalten sind.

In der Studie geht es aber auch um alltägliche Sorgen und Nöte. So wurde festgestellt, dass die Alterszahnmedizin ein wichtiger Punkt ist. Viele Senioren gehen zwar routinemässig zum Hausarzt, nicht aber unbedingt zum Zahnarzt und die Zahnhygiene werde eher vernachlässigt.

Seniorengerechtes Internet

Seit Kurzem hat ein Biberister Zahnarzt deshalb eine mobile Praxis eingerichtet. Mit dieser kann er die Patientinnen und Patienten regelmässig direkt im «Läbesgarte» besuchen.

Mit dem Projekt «Senioren ans Netz» wird älteren Einwohnerinnen und Einwohnern das Internet und alles was dazu gehört näher gebracht. «Je mehr Senioren sich im Netz bewegen, desto wichtiger ist es, dass Informationen, die sie betreffen, aufgeschaltet werden», so Bracher.

Ein Kurs, der in Biberist angeboten wurde, war gut besucht. Es wäre darum wichtig, dass eine entsprechende Datenbank aufgebaut werden könnte.

Vertieft mit dem Thema auseinandersetzen

Der Gemeinderat Biberist hat Kenntnis genommen von der Studie. Alle Fraktionen bezeichneten sie als «eine gute Basis». Der Rat will sich zudem in einem Workshop vertieft mit dem Thema auseinanderzusetzen. «Aus der Studie soll ein Generationenleitbild erarbeitet werden», so Gemeindepräsident Stefan Hug-Portmann.

Wichtig war dem Gemeinderat zudem, dass nicht nur der «Läbesgarte» in die Arbeit einbezogen wird. Alle Seniorenheime in Biberist müssten sich beteiligen und auch weitere Institutionen berücksichtigt werden.

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