«Es Hörschpiil mit Fotine»

Bewohner dokumentiert Geschichten rund ums «grüne Haus» in einem Hörspiel

Lorenz Belser im Garten des «grünen Hauses mit der Maske».

Lorenz Belser im Garten des «grünen Hauses mit der Maske».

Der Kulturschaffende Lorenz Belser hat die Geschichte des Hauses, das er in Langendorf bewohnt, in Gesprächen mit ehemaligen Bewohnern dokumentiert und auf CD gebrannt.

Lange Zeit arbeitete der Kulturschaffende Lorenz Belser (siehe Box) an einem neuen Hörspiel. Immer wieder verzögerte sich das Projekt. Dabei hätte man so gerne etwas darüber erfahren.

Nun ist es so weit. Das Hörspiel ist eingespielt, die CD gebrannt. Die Hauptrolle im dokumentarischen Hörspiel spielt ein Haus in Langendorf. Das Haus ist eines der alten, grün bemalten Lanco-Häuser, jener Firma, für die vor Jahrzehnten Generationen von Uhrmachern die Lanco-Uhren herstellten. Im lang gestreckten Haus an der Heimlisbergstrasse 16 und 18 wohnen im westlichen, zweistöckigen Teil vier Parteien und im östlichen, dreistöckigen Teil fünf Parteien.

Auch Belser wohnt dort. Seit 2004 in einer Drei-Zimmer-Wohnung. Zwei Jahre vorher wurde der Dramaturg und Regisseur von Hans J. Ammann, Direktor des Theaters Biel-Solothurn, verpflichtet. Er blieb in der Region.

«Billiger Wohnraum ist wichtig»

Im Hörspiel, von Belser als «Soziale Skulptur» beschrieben, werden unzählige Geschichten rund um das Haus gebündelt. Beispielsweise Belsers persönliche: «Ich bin im Sternzeichen Krebs geboren. Das Wohnen, das Gehäuse rund um mich ist für mich von grosser Bedeutung.» Das Haus sei für ihn existenziell. Er habe das Glück gehabt, hier immer billig leben zu können. «Billiger Wohnraum ist wichtig. Auch der Umgang mit Altem ist wichtig.» In einem Neubau müsste er mit doppelt so hohen Lebenskosten rechnen. «Das ist für einen wie mich, der ein kleines Arbeitspensum hat und daneben seine Kunst machen will, existenziell.»

Wie könnte es für den Mittfünfziger weitergehen, wenn das 1879 erbaute Haus einer Überbauung weichen müsste? Die Frage stand lange Zeit im Raum, denn der Eigentümer, der im Dorf bekannte Spenglermeister Eugen Walter, verkaufte das Haus im Oktober 2019. «Er hatte viele Unterhaltsarbeiten selber erledigt, aber wenig ins Haus reingesteckt. Dafür waren die Mieten immer tief.» Belser versuchte, zusammen mit anderen Parteien das Haus zu kaufen. Aber es reichte finanziell nicht. Walter, seit 1979 Hausbesitzer, wollte aber bis im letzten Jahr nicht verkaufen. «Das Haus lag ihm am Herzen. Er verkaufte nicht an die Meistbietenden, sondern an diejenigen mit dem besten Konzept.»

Die neuen Besitzer haben Pläne mit dem Haus. Bereits wurde ausgesteckt. «Ein Abriss wäre kaum durchsetzbar gewesen, denn das Haus gehört zum Ortsbild, ist Belser überzeugt. Im Hörspiel wird das Ende offengelassen, aus dramaturgischen Gründen.

Arbeiter-Wohnungen und Stundenhotel

Lorenz Belser zählt auf, was das Gebäude im Laufe der Zeit alles beherbergte: Arbeiter-Wohnungen, Heimarbeit-Arbeitsplätze, Lagerräume, eine Décolletage-Werkstatt, eine Disco, eine Voliere zur Vogelzucht, einen Polizeiposten, ein Dorfmuseum, ein Stundenhotel, diverse Künstler-Ateliers – und, seit Mitte der 80er-Jahre, vor allem Wohnungen mit kunterbunten Menschen. Im Hörspiel kommen die aktuellen und ehemaligen Bewohner des Hauses zu Wort. Belser nennt das Hörspiel deshalb auch eine biografische Dokumentation. Das hat bei Belser Tradition, beispielsweise in seiner Arbeit mit Laientheatern. «In meinem letzten Theaterstück spielten Ausländer und Schweizer, die aus ihrem Leben erzählten. Sie spielten nicht eine Geschichte, sondern nutzten ihre Lebenserfahrungen.»

Vom Ex-Besitzer erhielt er eine Liste der früheren Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses. Dabei ist er auf ein grosses Netzwerk gestossen, hat telefoniert, und sich mit denen, die er erreichte, getroffen, um für das Hörspiel Aufnahmen zu machen.

Auf der Liste sind Personen wie Franz Herger (Baseltor), der verstorbene Gastronom Hans Roth (L’Industrie) oder der Künstler Beat Julius Müller. «Das Haus spiegelt eine Region, in der alle alle kennen. Wenn man in Solothurn am Landhausquai im Gespräch gefragt wird, wo man wohnt, heisst es sofort: Aah, das grüne Haus mit der Maske.»

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