Niederwil

Bei den Schnadehüdelern wird jede Probe zum Fest

Wie eine ausgelassene grosse Familie trifft man sich, bei der Probe der Schadehüdeler im alten Schulhaus Niedrwil. Mit Trompete, Posaune, Horn, Sousaphon, Pauke, Rhythmus und Lyra kommt einiges an Ton zusammen.

Es geht heiter zu und her bei der Probe der Schnadehüdeler. Wie eine ausgelassene grosse Familie trifft man sich, es wird geplaudert, gealbert, getrunken, gelacht – und dann aber doch pünktlich um halb acht gestartet. Die Schnadehüdeler, einige von ihnen mit Ohropax oder Pamir versehen, lassen es krachen. Die Party im alten Schulhaus steigt und es wird deutlich: Hier ist jede Probe ein Fest.

Geprobt wird seit einigen Jahren nicht mehr im Gewölbekeller des ehemaligen Rössli, weil es dort einfach zu laut und zu eng geworden sei. Mit Trompete, Posaune, Horn, Sousaphon, Pauke, Rhythmus und Lyra komme einiges an Ton zusammen. «Deshalb haben wir Saxofonisten auch zum Horn gewechselt – das Sax hat man in der Menge einfach nicht gehört», lacht Gründungsmitglied Alois von Flüe.

Mehrere Generationen

Die aktuell 32 Schnadehüdeler sind in allen Belangen bunt durchmischt. «Nicht viele Vereine können sagen, dass die Hälfte der Mitglieder bereits seit über zwanzig Jahren dabei ist», freut sich Präsident Bünzu alias Sascha Bucher. Er ist der fünfte Präsident der Schnadehüdeler, selbst in Niederwil aufgewachsen und seit 23 Jahren dabei.

Schnadehüdeler mit «Run to the hill»

Offiziell beitreten kann man zwar erst ab 16 Jahren, doch die Leidenschaft für die Fasnacht und somit beispielsweise das Mitlaufen am Umzug in Biberist beginne schon viel früher. Teilweise sei sogar schon die dritte Generation aktiv. Alois von Flües Sohn ist mittlerweile dabei und auch Rolf Bichsel, das zweite noch aktive Gründungsmitglied, habe einen Grossteil seiner Nachkommenschaft mit dem Fasnachtsfieber angesteckt.

Entstanden sind die Schnadehüdeler eigentlich schon Jahre vor der offiziellen Gründung, und zwar weil es den Mitgliedern des Töffclubs im Winter langweilig war. Im Bellevue in Günsberg sei man 1976 an verschiedenen Tischen gesessen. «Dir Schnadene», tönte es da, «dir Hudere» kam zurück – die nicht gerade schmeichelhaften Ausdrücke drückten wahrscheinlich doch irgendwie Zuneigung aus, jedenfalls zog man kurz darauf gemeinsam mit einem bekränzten Wagen durch die umliegenden Dörfer. Erst 1984 habe man sich dann offiziell zu einer Guggenmusik zusammengetan – der Name ist bis heute nicht gewichen und die Schnadehüdeler sind aktiver denn je.

Stücke, die nicht alle haben

Geändert habe sich aber doch einiges, insbesondere was das Musikalische anbelangt. «Früher hörten wir Tonbänder von verschiedenen Hits an und haben dann einfach mal die Melodie nach Gehör nachgespielt», erinnert sich Alois von Flüe. Heute spiele man nach eigens zusammengestellten Kompositionen. Eine Schnadehüdelerin studiere Musik und fertige jeweils in einem unglaublichen Aufwand Kompositionen an, in denen die verschiedenen Register ihre Noten bekommen. Aber nicht nur das. «Bei uns spielen die wenigsten nach Noten», lächelt Sascha Bucher. Instruktionen für das jeweilige Instrument – also was man wann drücken muss – liefert sie gleich dazu. So harmoniert das Ganze erst, wenn alle zusammenspielen.

Langsame Stücke zum Mitschunkeln sucht man allerdings vergebens. «Wir spielen keine Hits aus den Charts, dafür seit dreissig Jahren «Glenn Miller» und seit zwanzig Jahren «Billy Idol», schwärmt von Flüe. Ihr Stil hat Dampf und ist rockig, auch Queen, Iron Maiden oder die toten Hosen gehören zum Repertoire – «aber eben nicht «Tage wie dieser’», fügt Bucher schnell hinzu. «Wir wollen Stücke, die nicht alle haben», erklärt er, deshalb verzichte man bewusst auf typische Guggenhits. Die beiden schmunzeln, während sie an die drei diesjährigen neuen Stücke denken. «Die het äue niemer – i hät se ömu no nie ghört», lacht Bucher.

Höhepunkt im Fasnachtsjahr ist einerseits das traditionelle «Lampe ufeloh» am Hilari, andererseits auch der Naseball am Fasnachtsfreitag. «Es gibt Leute aus dem Dorf und der Umgebung, die seit dreissig Jahren immer an diesen Ball kommen», freut sich von Flüe. Aber auch an anderen Events sind die Schnadehüdeler unterwegs, dieses Jahr an der Frosch Fuer in Bellach, am Mooren-Ball in Bettlach und alle Jahre wieder am Fasnachtssonntag am Biberister Umzug.

Sogar im Luzernischen sind sie unterwegs. «Durch das Maskenballsterben ist es nicht immer einfach, Orte zum Spielen zu finden», erklärt von Flüe. Die letzte Party der Saison steigt dann im Sommer – seit etwa zehn Jahren findet auf dem Schulhausplatz die Beachparty statt, ein mittlerweile fest im Dorfleben verankerter Anlass mit Sandfläche, Pool und Sommerlaune.

«Typisch für uns ist, dass wir untereinander einfach immer so eine ‹Chüubi› haben», erklärt Sascha Bucher. Man kenne sich, unternehme auch sonst viel zusammen. Und so bleibe eine Sache trotz vielen Neuerungen über die letzten 35 Jahren gleich, wie sie schon immer gewesen ist, sagt Bünzu: «Mir heis eifach immer guet mitnang!»
www.schnadehuedeler.ch

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