Aeschi
Aus der Quarantäne: Gemeindepräsident wird als Referent via Skype zugeschaltet

So schnell kann es heutzutage gehen. Aeschis Gemeindepräsident musste am Wochenende in Quarantäne. Sein Stellvertreter Thomas Steimer führte durch die Gemeindeversammlung. Berger war als Referent zugeschaltet. Sein Coronatest ist übrigens negativ.

Gundi Klemm
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So hat sich Stefan Berger die Gemeindeversammlung nicht vorgestellt: Er war aus der Quarantäne via Skype zugeschaltet.

So hat sich Stefan Berger die Gemeindeversammlung nicht vorgestellt: Er war aus der Quarantäne via Skype zugeschaltet.

Michel Lüthi

Aeschi erlebte eine ungewöhnliche Gemeindeversammlung: Gemeindepräsident Stefan Berger war wegen seiner Coronaquarantäne nur auf dem Bildschirm präsent. Er ermöglichte jedoch gemeinsam mit Vizepräsident Thomas Steimer und Gemeinderätin Andrea Campomori vor Ort in der Mehrzweckhalle einen normalen Ablauf (siehe Kontext). «Das Zusammenspiel dieser gelungenen Premiere hat mich beeindruckt», betonte Berger auf Nachfrage. Die Gesamtlage des Dorfes beurteilte er als sehr positiv, die Bautätigkeit verlaufe in vernünftigem Rahmen, man verzeichne erfreulicherweise geburtenstarke Jahrgänge, insgesamt sei die Bevölkerung auf 1262 Personen moderat – «nicht zu sprunghaft» - gewachsen.

Jetzt das Schulhaus und später die Mehrzweckhalle

Die Gemeinde hat in drei Etappen die Renovationen im Schulhaus vorgenommen. Die Versammlung genehmigte mit den Investitionen von netto 481'000 Franken noch einen Restkredit für 2021 von 240'000 Franken. 110'000 Franken wurden bewilligt für die Reparatur der Abwasserleitung Moosweg im Ortsteil Burgäschi zur dortigen Fäkalienpumpe. Und die Bewohner in Steinhof konnten zur Kenntnis nehmen, dass in der Erfolgsrechnung ein Planungsbetrag von 10'000 Franken für die spätere Nutzung der dortigen Alten Käserei vorgesehen ist.

Wegen Corona noch etwas auf Eis gelegt wird ein grösseres Vorhaben mit der Sanierung der Mehrzweckhalle und dem Neubau eines Kindergartens, der räumlich grosszügig angelegt werden soll, um auch mögliche Tagesstrukturen aufzunehmen. Dazu wird eine Mitwirkung der Bevölkerung veranstaltet. Die zu Jahresbeginn 2020 gegründete Tagesbetreuung für Kinder und Jugendliche, von der Gemeinde in der kommenden Periode mit 54'000 Franken unterstützt, laufe gut, sagte Berger. Einen guten Start wünschte die Versammlung – aber erst unter dem Punkt Verschiedenes – dem Projekt «Rentner helfen», das zu Jahresbeginn mit gegenseitigen Dienstleistungen beginnen soll.

Ein Defizit von 351'000 Franken

Angesichts des Gesamthaushalts von aufwandseitig 14,4 Mio. und rund 14 Mio. Franken im Ertrag sei der Aufwandüberschuss von 351'000 Franken verkraftbar, urteilte Berger. Immerhin verfüge die Gemeinde über ein Pro-Kopf-Vermögen von 1700 Franken und Schulden im Umfang von lediglich 2,8 Mio. Franken. Begründet werden kann der Aufwandüberschuss in höheren Personalkosten in der Verwaltung, die auch den Übergang von Gemeindeverwalter Walter Sommer zu einer Nachfolge sichern müssen, mit diversen kleineren Mehrkosten und mit höheren Ausgaben für Lehrkräften und für mehr Schulkinder. Zudem wird ein Koordinationsbeitrag für Teamleitungen an allen vier Standorten der Regionalschule äusseres Wasseramt (RSAW) ausgerichtet.

Die Bildung schlägt mit 10,3 Mio. Franken zu Buche. Die Schulpartnergemeinden finanzieren anteilig diesen Posten mit. Den Bereich Steuern und Finanzen veranschlagt Aeschi, laut Berger «vorsichtig», mit 3,9 Mio. Franken. Der Steuerfuss bleibt für die natürlichen wie auch für die juristischen Personen auf 115 Prozent.

Die Frage «Ist Budgetieren in dieser Pandemiezeit nicht wie Stochern im Nebel?», relativierte der Gemeindepräsident. «Wir gehen davon aus, dass sich mit Ausnahme des Steuereingangs wenig ändert.» Schwierig sei die Lage aber nicht nur für Kommunen, sondern auch für alle regionalen Organisationen, machte er aufmerksam.

So sah es bei Stefan Berger zuhause aus

So sah es bei Stefan Berger zuhause aus

zvg

Skype sei Dank: Stefan Berger musste sich am Wochenende in Quarantäne begeben. Am Montag war klar, dass er in dieser verbleiben muss. «Dann habe ich meine Gemeinderatskollegen und die Verwaltung orientiert.» In Aeschi hatte man sich schon vorgängig dazu entschieden, an der Gemeindeversammlung nur das Budget ohne heikle Diskussionsthemen zu traktandieren. «Wir sind davon ausgegangen, dass einige Stimmberechtigte nicht an der Versammlung erscheinen werden, und wollten uns nicht dem Vorwurf aussetzen, wichtige Themen ausgerechnet in dieser Zeit zu behandeln.» Dass trotzdem 28 Stimmberechtigte den Weg in die Mehrzweckhalle fanden, freut Berger.

Der Gemeindepräsident und der Vizegemeindepräsident Thomas Steimer einigten sich schliesslich darauf, dass Berger per Skype zugeschaltet wird und Steimer die Versammlung vor Ort führt. «Da ich am Wochenende alles vorbereitet habe, war dies die einfachste Lösung», so Berger. Speziell war, dass Berger nicht mitstimmen durfte und nur als Referent auftrat. «Wir haben unser Vorgehen mit dem Amt für Gemeinden abgesprochen», so Berger. Die technische Machbarkeit wurde am Dienstag überprüft. Tatsächlich funktionierte am Mittwochabend auch alles wunderbar. «Nur die Voten aus der Versammlung verstand ich trotz Saalmikrofon nicht so gut. Die musste mein Vize, Thomas Steimer, jeweils für mich wiederholen.»

Steimer leitete zum ersten Mal eine Gemeindeversammlung. Auch für ihn war es eine spezielle Erfahrung. «Am Schluss habe ich mich sogar darauf gefreut, die Versammlung in dieser speziellen Art leiten zu dürfen», meint er auf Nachfrage. Er ist zurzeit selbst vorwiegend im Homeoffice und sich die Arbeit mit Telefonkonferenzen und den diversen technischen Möglichkeiten gewohnt. Da die Einschaltung gut funktionierte, war es auch kein Problem, die Versammlung auf diesem Weg abzuhalten. Berger begrüsste die Anwesenden und wurde dazu auf die Grossleinwand geschaltet. Er verabschiedete die Anwesenden dann am Schluss auch wieder. «Wir hatten einen Regieplan, und ich wusste genau, wann ich welche Folie zeigen soll», so Steimer. Die Stimmberechtigten hätten das Vorgehen ebenfalls problemlos akzeptiert. «Speziell war höchstens, dass ich ab und zu einen Scherz machen und bei Stefan Berger nachfragen durfte, ob er noch anwesend sei», so Steimer. (rm)