Überwintern
Auf der Suche nach Futter: Bergfinken aus dem Rütiwald fliegen über Solothurn

Am Dienstagmorgen flogen tausende Bergfinken in kleinen Schwärmen über die Stadt Solothurn. Nach Hause in den Norden geht es für sie aber noch nicht: Sie sind auf der Suche nach Futterplätzen.

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Sie faszinieren Waldbesucher, laden zum Beobachten und Staunen ein. Seit Mitte Dezember haben sich Hunderttausende Bergfinken in der Region Solothurn niedergelassen. Der Schlafplatz der Bergfinken ist im Rütiwald. Zu Beginn waren sie vor allem im Wald im Bucheggberg bis nach Bätterkinden anzutreffen, mittlerweile aber auch in anderen Teilen der Region.

Am Dienstag so gegen 9 Uhr – und auch schon an Vortagen – flogen mehrere kleinere Schwärme über Solothurn Richtung Osten. «Wir vermuten, dass sich der Riesenschwarm, der im Rütiwald den Schlafplatz hat, aufgeteilt hat», meint Paul Storchenegger, Co-Präsident des Natur- und Vogelschutzvereins Bucheggberg. Er konnte schon zuhause in Brittern den ganzen Schwarm beobachten und ihre Flügelschläge und das Gezwitscher hören. «Das war ein unglaubliches Erlebnis», meint der Ornithologe.

Auch Vereinskollege Konrad Eigenheer beobachtet die Vögel regelmässig. Er weiss: «Die Bergfinken schwärmen tagsüber auf der Suche nach Futterplätzen aus. Diese können bis zu 40 Kilometer entfernt sein.» Und am Dienstag habe der Weg von einem Teil des Schwarms halt über Solothurn geführt. Übernachten würden die Vögel dann wieder im Rütiwald. «Dort gefällt es ihnen», meint Eigenheer. Warum kann er nicht genau sagen. Dort hätten sie wohl mit den Bäumen und Sträuchern genug Möglichkeiten zum Ausruhen.

Bis zu 4 Millionen geschätzt

Um wie viele Bergfinken es sich insgesamt handelt, kann nur schwer gesagt werden. «Eine Schätzung der Bergfinken im Rütiwald ist sehr schwierig», sagt Livio Rey von der Vogelwarte Sempach. Grobe Schätzungen seien schon von 4 Millionen ausgegangen. Die konservativsten Schätzungen gingen dagegen «nur» von einigen Hunderttausend Vögeln aus.

Solange Nahrung vorhanden sei und es keinen Schnee gebe, könnten die Bergfinken in der Region bleiben. «Die Temperatur hat keinen grossen Einfluss, entscheidend ist die Verfügbarkeit der Nahrung», meint Rey. Bildet sich eine dicke Schneeschicht und die Vögel erreichen die Buchennüssli am Boden nicht mehr, müssen sie weiterziehen.

Ende Februar gehts wieder nach Hause

Die Buchennüssli sind der Grund für den Besuch der Bergfinken. 2020 war ein Vollmastjahr der Buche und der Boden ist demnach übersäht mit Nahrung für die kleinen Vögel aus dem Norden. Über den Winter fressen sie hier, bevor sie dann voraussichtlich Ende Februar wieder in ihre Heimat zurückfliegen. Diese liegt in den grossen Nadel- und Bergwäldern Nordeuropas und Sibiriens. Doch noch habe es genug Nahrung, meint Paul Storchenegger.

Es dauert also noch ein paar Wochen, bis sich die Vögel im Riesenschwarm nach Norden aufmachen, um weniger angreifbar für Greifvögel wie den Wanderfalken zu sein. Spätestens im Frühling zur Brutzeit werden sie zurück sein. (ldu)