Serie Treffpunkte

Auf dem Golfplatz Limpachtal trifft man sich zum Golfen, Plaudern und Erholen

Im Rahmen unserer Serie Treffpunkte besuchen wir den Golfplatz Limpachtal in Aetingen.

Sobald man aus dem Auto steigt, weht einem Ziehharmonikamusik und Gesang entgegen. Folgt man den Klängen, landet man auf der Terrasse des Klubhauses, wo eine Gruppe Rentner zwischen Blumenbouquets und Sonnenständern Weisswein aus Karaffen trinkt. Einer unter ihnen spielt das Akkordeon, alle singen Mundartlieder. Beinahe unwirklich wirkt die Szene in Anbetracht der sengenden Hitze. Schwarzgekleidete Angestellte beeilen sich, leere Gläser nachzufüllen und die Tischtücher zurechtzuzupfen. Im Eingangsbereich des Klubhauses werden handgedrehte Zigarren angeboten.

Abgesehen vom Gesang herrscht Stille, man hört weder Flug- noch Verkehrslärm. Einige verschwitzte Pensionäre stossen im Schatten der grossen Platanen auf ihre Golfpartie an, «obwohl professionelle Sportler ja eigentlich kein Bier trinken», und reissen flache Witze; man spürt ihre Vergnügtheit und Entspannung förmlich. Jegliche Sorgen scheinen weggeblasen hier auf dem Golfplatz Limpachtal in Aetingen. Man sieht den Männern an, dass sie sich hier zu Hause fühlen. Einer bemerkt: «Der Klub gehört uns, nicht der Migros. Die Migros hat einfach die Hauptaktie, aber wir sind die eigentlichen Herren hier.»

Gut geschützt mit Sonnenschirmen

Entfernt man sich ein wenig vom Klubhaus, wirkt die Szenerie wie ausgestorben – es ist zu heiss für Sport. Auf den Elektromobilen, die beim Golfen obligatorisch zu sein scheinen, weht jedoch ein angenehmer Fahrtwind. Die wenigen Golfer, die sich in der Hitze auf den Platz wagen, schützen sich mit Sonnenschirmen. Rasensprinkler tauchen in regelmässigen Abständen auf, zwei Jugendliche sitzen auf einer Bank vor der Übungsanlage und schauen zu, wie ein Dritter Bälle aufschlägt, ab und zu fährt ein BMW oder Mercedes auf dem Parkplatz vor.

Man wird von allen freundlich gegrüsst, jedoch gleichzeitig ein bisschen misstrauisch beäugt – Unbekannte gibt es hier selten. Die Angestellten begrüssen die Gäste allesamt mit Namen. Tatsächlich kenne man sich hier gut, sowohl unter den 720 Gästen als auch die Angestellten, bestätigt Fatima, braun gebrannt und auf dem Weg in die Golfstunde. Sie ist wöchentlich zwei bis vier Mal auf dem Golfplatz, zusätzlich hält sie sich mit Crossfit und Pilates fit fürs Golfen. Das Golfen ist ihre Leidenschaft, sie schätzt das Draussensein, dass man auf niemanden angewiesen ist und mit dem Partner zusammen spielen kann.

Alle suchen hier Ruhe und Erholung

Golflehrer Thomas Kubernat taucht auf, friedlich an seiner Cola nuckelnd. «Selfmade Golfer haben es schwer auf dem Platz. Golfstunden sind für alle wichtig, damit man sich fortlaufend weiterentwickelt», erklärt er. Den Golfplatz Limpachtal beschreibt er als eine der schönsten Golfanlagen der Schweiz: Er sei kompakt, eingebettet zwischen dem Jura und dem Limpachtal, es gebe keinen Verkehr. Auch er betont die Freundschaften, die er mit den Golfern pflegt. Je länger, desto mehr entsteht der Eindruck, dass die Golfplatzcommunity eine grosse Familie ist. «Man findet sich hier, weil alle Ruhe und Erholung suchen, es kommen alle mit dem gleichen Interesse hierher. So knüpft man leicht Freundschaften», erklärt er.

Golf ist heute ein Sport für alle

Einige alte Herren vor dem Klubhaus berichten, dass Golf schon lange nicht mehr ein Altherrensport sei. Man muss etwas suchen, bevor sich die Aussage bestätigen lässt, erst weit hinten auf Feld 8 trifft man auf ein paar Jugendliche. Die drei Kantischüler kichern und witzeln, während sie zum nächsten Loch laufen. Sie sind alle um die 16 und golfen drei bis fünf Mal die Woche, es sei eine super Abwechslung zur Schule. Wer die Runde gewinnt, darf am Schluss die anderen in den Brunnen oder unter den Wassersprinkler schubsen.

Die offensichtliche Tiefenentspanntheit aller Golfplatzbesucher ist ansteckend, und die Stille, die weitläufigen Felder lösen ein friedliches Gefühl aus. Neulinge werden sich aber wohl erst dann ganz entspannen können, wenn sie von den eingesessenen Golfern in die «Familie» aufgenommen worden ist. Geschäftsführer Thomas Schmocker liegt jedoch auf dem Herzen, dass alle herzlich willkommen sind. Es sei keine Privatanlage und alle dürften kommen und die Ruhe geniessen oder sich am Golfen versuchen, betont er.

Nachgefragt

«Unsere Gäste sind alle sehr entspannt»

Pascale Hofer und Denise Strebel

Pascale Hofer und Denise Strebel

   

Was arbeiten sie hier?

Pascale Hofer und Denise Strebel: Wir sind für das Sekretariat und den Empfang des Golfplatzes zuständig. Wir erledigen Buchungen, machen Telefone, organisieren Verschiedenes. Auch den Golfshop betreiben wir.

Wie beschreiben sie diesen Ort?

Der Golfplatz ist fantastisch schön, ländlich, einfach wunderbar. Momentan einfach sehr heiss!

Was haben Sie hier Besonderes erlebt?

Wir erleben hier sehr viele schöne Dinge. Vor allem die aufgestellten, freundlichen Gäste, die mit uns plaudern, geniessen wir sehr. Gestresste Leute gibt es hier gar nicht. Es ist sehr schön, mit den Golfern zusammenzuarbeiten; man merkt den Leuten an, dass sie hierher kommen, um sich etwas Gutes zu tun.

Interview: Lara Frey

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