Sonderfahrt

Auch für die Lokführer war Fahrt als «Hogwarts-Express» besonders

Auf dem Perron hatte es neben den Scharmitgliedern auch zahlreiche Eltern, die die Lokomotive bewunderten.

Auf dem Perron hatte es neben den Scharmitgliedern auch zahlreiche Eltern, die die Lokomotive bewunderten.

Die Jubla Deitingen wurde mit einer Dampflokomotive der Oensingen-Balsthal-Bahn ins Sommerlager mit dem Motto «Harry Potter» gefahren. Was braucht es, damit die Nostalgiezüge fahren können?

Was für ein spezieller Start ins Sommerlager. Am Montag wurden die Mitglieder der Jungwacht Blauring Deitingen mit einem Nostalgiezug abgeholt. Von Deitingen nach Olten ging die Fahrt. Möglich gemacht hatte es eine grosszügige Spenderin.  

Den über 100 Scharmitgliedern dürfte dieses Erlebnis lange in Erinnerung bleiben. Für sie war der Zug der «Hogwarts Express», denn das Thema des diesjährigen Sommerlagers ist «Harry Potter».

«Denen konnte man sicher eine ziemliche Freude machen», sagt auch Jürg Senn. Der Chef der Dampfgruppe Oebb war als Zugführer dabei und staunte besonders über die Anzahl der Zuschauer. «Es waren fast noch mehr Eltern als Lagerteilnehmer auf dem Perron.» Für ihn und die anderen Zugführer sei es «ein besonderer Anlass» gewesen. Besonders auch deshalb, weil der Zug quasi als Schnellzug von Deitingen nach Olten durchfuhr. Normalerweise würden mehr Haltestellen eingebaut.  

Die Lok JS35, die für die Sonderfahrt eingesetzt wurde, stammt aus dem Jahr 1891 und schafft maximal 75 km/h. Fahren kann sie aber fast überall. «Unsere Fahrzeuge können in der ganzen Schweiz verkehren – solange es Normalspur ist», erklärt Senn.

Es bestehen jedoch Einschränkungen. Tunnel und sehr stark befahrene Strecken sind ein Hindernis. Gibt es auf einer Strecke keine sichtbaren Signale mehr, braucht es eine Vorspann-Lok, die den heutigen Sicherheitsvorkehrungen entspricht.

Und spontan kann eine solche Nostalgiefahrt schon gar nicht gebucht werden. «Damit ein solcher Sonderzug über die Schienen fahren kann, braucht es einen Monat Vorlaufszeit», weiss Senn. Die Bähnler machen dem Bahnunternehmen, auf dessen Netz sie unterwegs sein werden, einen Vorschlag, was Abfahrtszeit und Strecke betrifft. Danach kommt wiederum eine Offerte von Seiten des Unternehmens. Ist alles ok, muss noch die Bewilligung beim Bundesamt für Verkehr eingeholt werden. «Das braucht Zeit», so Senn, der mit 14 Jahren zum Bähnler wurde und nun seit 40 Jahren dabei ist. 

«Am Tag der Fahrt muss die Lok drei Stunden vorher angefeuert werden, damit sie betriebsbereit ist», erklärt er. Während der Fahrt sind neben dem Heizer und dem Zugsbegleiter drei streckenkundige Lokführer dabei, die auf die Signale achten. So will es die Vorschrift. Vor und nach der Fahrt wird die Lok noch gereinigt. 

Im Nostalgiezug fahren drei Lokführer, ein Heizer und ein Zugsbegleiter mit.

Im Nostalgiezug fahren drei Lokführer, ein Heizer und ein Zugsbegleiter mit.

Lokomotiven fressen jede Menge Kohle. «Für 100 Kilometer braucht man rasch einmal zwei Tonnen», so Jürg Senn. Für die Beförderung der Jubla-Mitglieder wurde etwa eine Tonne verwendet. Diese alleine kostet um die 500 Franken. Wie teuer eine Fahrt wird hängt neben der benötigten Kohle auch von der Anzahl Kilometer ab.

Was auch immer zusammenkommt: Überrissen wirds nicht sein. «Wenn man solche Fahrten macht, kann man höchstens die Unkosten decken», so Senn. Nur der Zugsbegleiter und einer der Lokführer erhält Lohn. «Für mich ist das ein Hobby.»

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