Attisholz Nord
Gemeinderat geht auf die Anliegen der Einsprecher ein

Der Gemeinderat von Riedholz hofft, dass die Nutzungsplanung Attisholz Nord nicht weitergezogen wird.

Urs Byland
Drucken
Teilen
Bei der alten Drehscheibe für die Eisenbahnwaggons soll künftig eine ÖV-«Drehscheibe» entstehen.

Bei der alten Drehscheibe für die Eisenbahnwaggons soll künftig eine ÖV-«Drehscheibe» entstehen.

Hanspeter Bärtschi

Die drei Einsprachen zur Nutzungsplanung Attisholz Nord haben diese nicht grundsätzlich in Frage gestellt. Planer Thomas Ledermann spricht von konstruktiven Diskussionen in den Einspracheverhandlungen.
«Wir sind fast auf alle Anliegen der Einsprecher eingetreten», so der Planer im Gemeinderat. «Birdlife» setzte sich für die Anliegen der Vögel und der Natur ein, liegt doch Attisholz Nord nahe einem Schutzgebiet für Wasser- und Zugvögel. Man einigte sich darauf, dass ein Vertreter einer Naturschutzorganisation einen Sitz im Beirat mit beratender Stimme erhalten soll.

Überrascht dürfte die Privatperson gewesen sein, die sich für die in den Plänen eingezeichneten Naturobjekte einsetzt. Sie wünscht deren Erhaltung, Aufwertung und Förderung. Sie erhielt mehr, soll doch auch ein Unterhaltspflegekonzept erarbeitet werden.

«Wir sind bereits ambitiös unterwegs»

Die dritte Einsprachepartei, der VCS, kritisierte den vorgesehenen Modalsplit. Der entsprechende Passus lautete: In der Wohn- und Mischzone Attisholz ist im Bereich Mobilität eine Aufteilung von 50 Prozent motorisiertem Individualverkehr, 35 Prozent öffentlichem Verkehr und 15 Prozent Fuss- und Veloverkehr verbindlich. Der VCS fand dies zu wenig generös. Er forderte, dass der Anteil des öffentlichen Verkehrs sowie des Fuss- und Veloverkehrs zusammen bei 60 bis 70 Prozent liegen soll.

Aber in der Einspracheverhandlung konnten die Investorin Halter AG und der Planer, unterstützt von einem Experten, glaubhaft darlegen, «dass wir schon sehr weit gegangen sind mit dem angedachten Modalsplit», so Ledermann. «Der VCS hat gemerkt, dass wir ambitiös unterwegs sind.»
Der geplante Modalsplit sei aber nur möglich, wenn Attisholz Nord und Süd optimal an den öffentlichen Verkehr angebunden sind. «Hier müssen wir achtsam sein.»

Konkret müsse der dritte Partner, der Kanton, die ÖV-Anbindung auch gewährleisten. «Wenn wir kein ÖV haben, werden wir keine Zuzüger finden, denn mit dem geplanten Modalsplit wird jede zweite Wohnung keinen Parkplatz haben», veranschaulicht Ledermann die Problematik. Die Anbindung des ÖVs sei aber in der Nutzungsplanung verbindlich festgelegt. Genehmigt der Regierungsrat diese, dann müsse der Kanton entsprechende Hilfestellung geben.

In der Diskussion war man sich einig, dass die Gefahr eines Weiterzugs einer Einsprache klein ist, andererseits man sich beim Kanton stärker engagieren müsse, damit dieser die Anbindung des Areals an den ÖV nicht verpasst.

Übergangsfrist im Bereich Energie

Zusätzlich zu den Einsprachen wurde ein Antrag des Investors im Bereich Energie und Nachhaltigkeit gutgeheissen. Es betrifft die Wärme- und Kälteversorgung des Areals. Hier hat der Investor auf eine Übergangsfrist für das Erreichen der CO2-neutralen Energielieferung gepocht, sofern diese in der ersten Etappe noch nicht vollumfänglich gewährleistet werden kann.

Der Gemeinderat genehmigte den Antrag der Halter AG ebenso wie die Verfügungen, die die Einsprecher schon bald erhalten werden.

Wo soll die Wasserstoff-Produktionsanlage hin?

Der Gemeinderat ist nicht glücklich mit der Auftragserledigung durch die Planungskommission. Diese sollte eine Stellungnahme zur geplanten Wasserstoff-Produktionsanlage Kraftwerk Flumenthal entwerfen. Dabei geht es im Kern darum, dass die Hydrospider AG die Anlage beim Kraftwerk Flumenthal einrichten und dort auch die Energie für die Elektrolyse beziehen will.

Die Gemeinde Flumenthal plädiert in ihrer Stellungnahme für einen Standort in der Arbeitszone südlich der Aare.
Auch im Gemeinderat Riedholz gibt es Stimmen, die für diesen Standort (Attisholz Süd)plädieren. Mit dem Entwurf der Planungskommission, die den Standort Kraftwerk Flumenthal empfiehlt, ist der Gemeinderat unzufrieden, weil die Erläuterungen zu den getroffenen Empfehlungen fehlen würden. «Ich kann etwas nachvollziehen, wenn unsere Diskussionspunkte aufgenommen werden und widerlegt werden. Aber das finde ich hier nicht», erklärte beispielsweise Martin Reber.

Und Markus Moll meinte: «Wenn wir strategische Vorgaben geben, dann soll in diese Richtung gedacht werden.» «Wollen wir nur das hören, was wir diskutierten, müssen wir es nicht in die Kommission geben», findet dagegen Beat Graf. Der Gemeinderat beschloss Nichteintreten und Rückweisung des Geschäfts.

Plus statt Minus

Kurz und sec verlief die Genehmigung der Rechnung 2020, die mit einem Ertragsüberschuss von beinahe 90'000 Franken abschliesst. Der Kommentar von Ressortleiter Martin Reber war denn auch positiv: «Das Plus ist sehr erfreulich gegenüber einem budgetierten Defizit von fast 200'000 Franken. Wir haben nicht alles realisieren können, was wir wollten, aber wir haben einen stabilen Steuereingang.» Er erklärte zudem in Hinblick auf die künftig zu erwartenden Kosten mit der Arealentwicklung Attisholz Nord: «Ich bin erfreut darüber, dass die Berechnungen besser aussehen, als ich vermutet habe.»

Aktuelle Nachrichten