Interview

Anzahl und Artenviefalt der Vögel wird auch in der Region Solothurn immer kleiner

Patrick Frara gestaltet seinen Garten naturnah und bietet Vögeln so einen Lebensraum.

Patrick Frara gestaltet seinen Garten naturnah und bietet Vögeln so einen Lebensraum.

Patrick Frara ist Präsident des Naturschutz- und Vogelvereins Derendingen. Er beantwortet Fragen zu Gartenvögeln.

Welche Vögel kann man in unserer Region üblicherweise in den Hausgärten beobachten?

Graureiher, wie er offenbar bei Ihnen im Garten ab und zu zu Gast ist, haben natürlich nicht alle. Die häufigsten Arten sind sicher Amseln, Feldspatzen, Kohl- und Blaumeisen. Dazu kommt der Girlitz, der Distelfink und Grünfinken. Sie alle mögen Blumen und fressen deren Samen. Wer Gebüsch im Garten hat, der kann auch die Mönchsgrasmücke, den Hausrotschwanz und natürlich Rabenkrähen und Elstern beobachten. Wer ein älteres Haus hat, beherbergt zudem möglicherweise Mauersegler. Diese versuchen wir zurzeit in Derendingen mit Nistkästen anzulocken. Denn gerade in letzter Zeit wurden viele ältere Gebäude abgebrochen.

Sind diese Vögel das ganze Jahr bei uns heimisch, oder besuchen uns auch Zugvögel?

Viele leben ganzjährig hier. Mauersegler oder Mönchsgrasmücken brüten in aller Regel hier bei uns. Bergfinken oder der Erlenzeisig sind in aller Regel nur im Winter zu beobachten. Sie mögen Meisenknödel, die ja im Winter gerne verfüttert werden.

Hat die Anzahl und die Vielfalt der Vögel in der Region abgenommen?

Die Vielfalt hat definitiv abgenommen. Es ist zwar noch nicht so krass, wie bei den Insekten. Aber auch die Zahl der Vögel ist weniger geworden.

Gibt es Vögel die heute vermehrt vorkommen? Haben sich diese besser an die heutige Umwelt angepasst?

Die Generalisten unter den Vögeln kommen mit den Veränderungen besser zurecht und nehmen allgemein zu. Die Vogelarten, die sich spezialisiert haben nehmen dafür eher ab. Dazu kommen neue Arten dazu, die man früher bei uns kaum beobachten konnte.

Zum Beispiel?

Der Girlitz ist ein solches Beispiel. In den 60-er-Jahren war er noch sehr selten. Auch die Türkentaube wanderte erst in den 50-er-Jahren ein. Ganz neu kann man mit etwas Glück Bienenfresser sehen. Sie halten sich gerne in Kiesgruben auf. Im Wallis ist er bereits weiter verbreitet. Hier in der Region gab es bisher nur Einzelbruten.

Was kann man tun, damit sich Vögel bei uns im Garten wohl fühlen?

Man sollte ihnen möglichst viele verschiedene Strukturen bieten: Einzelgebüsche, Bäume, Blumenwiesen. Orte an denen sie sich verstecken können wie Asthaufen. Was den Vögeln sicher nicht gefällt ist englischer Rasen und Hecken aus Kirschlorbeer.

Soll man Vögel füttern? Wenn ja: Wann und womit?

Das ist eine schwierige Frage, zu der es viele verschiedene Theorien und Meinungen gibt. Die Vogelwarte Sempach empfiehlt Füttern nur in den Wintermonaten, also von Dezember bis Februar. Das ist die Zeit, in der oft Schnee liegt und der Boden gefroren ist. Ganz allgemein sollte man mit Mass füttern – immer nur wenige Körner und Meisenknödel. Eigentlich haben wir hier in der Region keine Vögel, die bedroht sind und darum Futter brauchen. Schön ist aber natürlich, dass sich die Vögel an einer Futterstelle sehr einfach beobachten lassen.

Wie steht es mit Nistkästen. Ist dieses Angebot sinnvoll?

Das macht durchaus Sinn. Vor allem für seltenere Vogelarten wie beispielsweise Mauersegler oder Schwalben. Allerdings werden diese Nistplätze durchaus auch von anderen Vögeln besetzt. Ich habe beispielsweise einen Hausrotschwanz im Schwalbennest. Auch ein Grauschnäpper hat bei mir schon genistet. Für Meisen machen Nistkästen ebenfalls Sinn. Sie finden heute nicht mehr so leicht Unterschlupf. Zwischendurch nützen Spatzen diese Kästen ebenfalls.

Wie soll man sich verhalten, wenn die Vögel brüten?

Das Beste ist, die Vögel möglichst in Ruhe zu lassen. Manchmal fühlen sich die Vögel aber gar nicht gestört durch uns Menschen.

Soll man verlassene Jungvögel zu sich ins Haus nehmen?

Die Zeit in der man Jungvögel sieht kommt ja tatsächlich schon bald wieder. Viele der Jungvögel, die irgendwo alleine sind, werden nach wie vor von den Eltern gefüttert. Wenn man genügend Zeit hat, kann man das Füttern oft beobachten. Diese Vögel kann man einfach sein lassen. Es macht höchstens Sinn, dass man ihnen dabei hilft sich beispielsweise in einem Gebüsch zu verstecken. Nicht dass Nachbars Katze sie frisst. Einzig junge Mauersegler sollte man wieder in ihr Nest legen.

Gibt es Unterschiede zwischen Vögeln, die wir in den Gärten beobachten und Vögeln, die im Wald, in Waldrändern, Hecken oder beispielsweise in der Witi leben?

Generell kann man das so nicht sagen. Viele Vögel haben sich auf einen Lebensraum spezialisiert. Vögel, die in Gärten leben sind oft auch an Waldrändern oder Hecken zu finden. Aber Amseln trifft man fast überall.

Wie kann man Vögel bestimmen? Braucht es dazu ein Buch oder gibt es da in der Zwischenzeit auch eine App fürs Smartphone?

Das Beste ist auch heute noch ein Bestimmungsbuch. Solche gibt es für Anfänger und für Fortgeschrittene. Man sie heute auch auf den Computer oder aufs Handy laden. Apps gibt es teilweise, um Vogelstimmen zu bestimmen. Aber das funktioniert noch nicht so richtig.

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