Langendorf

Als Petroleumlampen die Nacht zum Tag machten

Die original erhaltene Petroleumlampe.

Die original erhaltene Petroleumlampe.

Im Verwaltungsgebäude der Bürgergemeinde Langendorf hängt an einer Wand eine sorgsam aufbewahrte Leuchte.

Eine Strassenbeleuchtung ist heute so selbstverständlich wie fliessendes Wasser – über beides verfügen wir aber noch gar nicht so lange und beides ist nicht so selbstverständlich. Im Bürgerhaus in Langendorf hängt noch der letzte Zeitzeuge von der ersten öffentlichen Beleuchtung der Strassen Langendorfs.
Dieser Zeitzeuge ist eine Petroleumlampe, die im Originalzustand erhalten werden konnte. Sie leuchtete von 1894 bis 1900 am damals neu erbauten Postbüro an der Weissensteinstrasse. Die Petroleumlampe wurde auf Initiative des damaligen Posthalters Keller angebracht. Mit Beschluss vom 18. Oktober 1894 erklärte sich der damalige Gemeinderat damit einverstanden.

Bereits 1892 erhielt die Gemeinde von der Uhrenfabrik drei Petroleumlampen geschenkt. Mit der im Bürgerhaus noch erhaltenen Lampe wurde bei der Post die vierte Lampenstelle eingerichtet. Die Speisung und Bedienung übernahm Posthalter Keller selbst. Für den Unterhalt der anderen Laternen wurde der Einheimische Fritz Tanner als erster Laternenanzünder der Gemeinde Langendorf gewählt zu einem Entgelt von fünf Franken monatlich, wie den Chroniken zu entnehmen ist.

Petroleumlampen leuchteten nicht lange

Das Leuchten der Petroleumlampen war von relativ kurzer Dauer. Bald wurden sie von den ersten elektrischen Strassenlaternen abgelöst. Der Gemeinderat von Langendorf beschloss im März 1899 die Demontage der Petroleumlampen. Im August 1900 setzte nach Abnahme des Netzes die erste elektrische Strassenbeleuchtung von Langendorf mit insgesamt 14 Lampenstellen ein.

Die Lampen waren an der Weissensteinstrasse, in der Sagackern, gegen die Rosegg und Bellach, an der Rüttenenstrasse und im westlichen Dorfteil platziert. 1910 wurden bereits die ersten Hausanschlüsse installiert, und nach und nach verschwanden auch aus den Privathaushalten die Petroleumlampen.

«Zeitzeugen sind in der Gegenwart wichtig»

Auch die Petroleumlampen der ersten Strassenbeleuchtung verschwanden vorerst im Estrich des alten Schulhauses, mitsamt der Leiter, dem Putzzeug und der Petrolkanne.

Für Franz Aebi, Präsident der Bürgergemeinde Langendorf, sind solche Zeitzeugen aus der Vergangenheit auch in der Gegenwart wichtig. «Man kann sich nur nach vorne orientieren, wenn man die Vergangenheit kennt», meint Aebi. So könne man sich in der Gegenwart bewusst bleiben, dass nicht alles selbstverständlich ist, fügt er weiter an. Gerade die aktuellen Ereignisse mit der Coronakrise würden aufzeigen, wie rasch sich viel ändern kann und eben nicht einem Gesetz einer sogenannten Selbstverständlichkeit unterworfen sei.


Quelle: Dorfchronik Langendorf

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