Am Donnerstag sah man im Dorf überall Schüler und Schülerinnen mit Velos, die von Betrieb zu Betrieb radelten. Zum dritten Mal fand nun die Wirtschaftswoche statt. Im Fokus standen Themen wie die Berufswahl, die persönliche Präsentation sowie die schriftliche Präsentation und die Erarbeitung eines Dossiers inklusive Bewerbung.

Die ganze Woche lang wurden die Schüler der Kreisschule Biberist auf die Berufswelt vorbereitet.

Dann ist es so weit. Die Theorie kann in die Praxis umgesetzt werden. Die Schüler zirkulieren zwischen verschiedenen Betrieben und machen erste Erfahrungen in der Arbeitswelt. Insgesamt nehmen zirka 60 Betriebe und 90 Schüler teil.

Als die Wirtschaftswoche, oder früher der Wirtschaftstag, vor vier Jahren eingeführt wurde, waren es knapp 20 Betriebe, die mitmachten. Mittlerweile sind es drei Mal so viele.

«Es ist wirklich ein Erfolg, und viele haben Freude daran», so Markus Dick, der das Organisationskomitee der Wirtschaftswoche mit Regina Estermann bildet. «Natürlich ist es jedes Jahr eine Herausforderung. Man muss alles koordinieren, alle informieren, planen und auch damit rechnen, dass mal etwas nicht klappt.»

Biberist eignet sich auch deswegen für das Projekt, weil alle Betriebe nahe beieinander liegen und somit für die Schüler leicht zu erreichen sind. Jeder Schüler sollte sechs bis acht Betriebe besuchen.

«Fehler sind menschlich»

Der Wirtschaftstag beginnt um acht Uhr. Die Schülerinnen und Schüler machen sich auf den Weg zu den ersten Betrieben. Vor dem Geschäft «Brautmode Sposa» stehen sechs Mädchen und warten darauf, dass jemand aufmacht, doch es kommt niemand.

«Auch solche Fälle gibt es», so Dick, nachdem die Schülerinnen ihn kontaktiert haben. «In der Regel klappt aber alles. Fehler sind nun mal menschlich.» Dick tätigt ein paar Anrufe und informiert dann die Mädchen, dass die Chefin des Ladens in wenigen Minuten da sein wird. «Super, auf den Laden habe ich mich nämlich gefreut», sagt eine Schülerin.

Auch vor der Bäckerei–Konditorei Staudenmann stehen mehrere Fahrräder. Hier erleben die Schüler hautnah wie es in einer Bäckerei zu und her geht. Geschäftsinhaber Markus Staudenmann erklärt, was Vor-und Nachteile des Bäckerberufs sind und macht mit den Jugendlichen einen Rundgang durch den Betrieb.

Der Geruch des Gebäcks ist verführerisch, doch die Tatsache, dass man als Bäcker sehr früh aufstehen muss, schreckt viele Schüler ab. «Um halb vier aufstehen ist nicht immer einfach. Dafür hat man am Mittag Feierabend.», sagt Staudenmann.

In der Schreinerei Strausak Holzbau AG dürfen sich die Schüler am Sägen versuchen. «Passt auf die Finger auf.», ermahnt sie Jonas Burkard, ein Angestellter der Schreinerei und zeigt den drei Jungs, wie man es richtig macht.

«So und nicht anders, erhalten die Jugendlichen einen richtigen Einblick in die Berufswelt. Auch wenn ein Schüler aus einem Betrieb raus geht und denkt: Nein, das ist nichts für mich, ist es doch ein Fortschritt», sagt Dick. «Es ist wichtig, dass man auch weiss, was man nicht will.»

Eine Win-win-Situation

Viele Schüler informieren sich vor Ort wegen Schnupperwochen oder Ferienjobs. Die Betriebsleiter freuen sich darüber und fordern die Schüler auf, offen zu sein und vor allem keine Angst vor Fragen zu haben.

«Wir Geschäfte sind auf die Jungen angewiesen. Sie sind unsere Zukunft», so Petra Hubler-Schäfer, Inhaberin des El Travel Reisebüros. Auch bei ihr treffen am Donnerstag um zehn Uhr vier Jugendliche ein, um einen Einblick in den Beruf zu erhalten.

«Es ist eine Win-win-Situation hoch vier», sagte Markus Dick zufrieden: «Schlussendlich profitieren alle: die Schüler, die Betriebe, die Eltern und die Lehrer. Natürlich hatte man anfangs Bedenken, doch manchmal muss man etwas riskieren und es einfach tun. In diesem Fall hat es sich gelohnt.»

Man versuche, das Ganze für die Betriebe so angenehm wie möglich zu gestalten. Die Betriebe rechnen mit den Schülern, falls aber bei einer Rotation niemand kommt, kann man in den Geschäften und Firmen trotzdem ungehindert weiter arbeiten.

«Die Wirtschaftswoche ist auch dazu da, den Schülern klar zu machen, dass in knapp zwei Jahren der Ernstfall eintreten wird, und sie sich entscheiden müssen, in welche Berufsrichtung sie gehen wollen», erklärt Markus Dick.

Die Zeit vergehe schnell und man möchte Situation vermeiden, in denen Jugendliche aus der Schule kommen und keine Ahnung haben, was sie wollen. «Wir wollen den Schüler auch zeigen, dass sie mit solch wichtigen Entscheidungen nicht alleine sind», ergänzt Dick.

Nun können die Schülerinnen und Schüler der Kreisschule Biberist mit Stolz ihre Bewerbungsdossiers präsentieren und mit vielen neuen Eindrücken ins Wochenende starten.