Zuchwil
Ein tragischer Unfall: Das Obergericht spricht Serben frei, der seinen Stiefvater mit dem Auto überrollte

Das Obergericht hat am Donnerstag einen jungen Serben freigesprochen, der im Jahr 2013 seinen Stiefvater in Zuchwil mit dem Auto überrollt hatte. Der Tod wurde als tragischer Unfall gewertet.

Ornella Miller
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Der junge Mann wurde vom Obergericht freigesprochen (Symbolbild).

Der junge Mann wurde vom Obergericht freigesprochen (Symbolbild).

Hanspeter Bärtschi

Der 26-jährige Serbe Vuk R.*, der im September 2013 abends in Zuchwil auf dem Sulzerparkplatz seinen Stiefvater mit dem Auto tödlich überrollt hatte, wird vom Obergericht mit Hans-Peter Marti, Daniel Kiefer und Rolf von Felten vom Vorwurf der vorsätzlichen und eventuellen fahrlässigen Tötung freigesprochen. Es bestätigte somit das Urteil der Vorinstanz.

Allerdings hielt Marti fest, werde er «nicht einmal in dubio pro reo» freigesprochen, wie das Amtsgericht es tat, sondern sie seien zu einem «klaren Resultat» gekommen. Die Männergruppe sei «maximal» zwei Minuten auf dem Parkplatz gewesen, so dass es kaum einen Streit gegeben habe könne.

Vieles lässt zweifeln

Etliche Zeugenaussagen betreffend einen Streit bezögen sich auf eine Zeitspanne davor. Und die Aussagen des Hauptzeugen, eines damals 12-Jährigen, der von einem Streit sprach und gesehen haben soll, wie Vuk seinen Stiefvater zu Boden schubste, seien zwar «auf den ersten Blick glaubhaft». Es gebe bei ihm kein Motiv für bewusste Falschaussagen und seine Aussagen seien im Kerngeschehen widerspruchsfrei.

Jedoch lasse vieles zweifeln. Er habe «kaum je Sicht» auf das Tatgeschehen haben können. Auch habe er unkorrekt gesagt, dass das Opfer habe aufstehen wollen, dabei sei das nicht mehr möglich gewesen.

Für einen Tötungsvorsatz gebe es «weit und breit kein Motiv», es wäre ein «hochkrimineller Akt» gewesen. Diesen traue ihm das Gericht nicht zu, sei er doch sehr jung und damals nicht vorbestraft gewesen.

Vuks Verhalten unmittelbar nach dem Geschehen stimme damit überein, dass es ungewollt passiert sei. Es sei auch keine fahrlässige Tötung, wie der Staatsanwalt es taxierte, denn:

«Alle sind sich einig, dass man an so einer Stelle vor dem Weggang keinen Rundgang ums Auto macht.»

Dass sich das Opfer vor das Auto lege, sei «schlicht nicht zu erwarten» gewesen, auch wenn Vuk es nicht mehr gesehen habe. Marti meinte zu den als Privatkläger aufgetretenen Hinterbliebenen:

«Bleibt zu wünschen, dass Sie den Entscheid akzeptieren können, damit Vuk Ruhe finden kann».

Dieser weinte nach der Urteilseröffnung mit stark errötetem Gesicht.

*Name geändert