Eidgenössische Wahlen

Zaubert die SVP einen Quereinsteiger für die nationalen Wahlen aus dem Hut?

Andreas Burgener macht sich Überlegungen über eine Kandidatur, hat sich nach eigener Aussage aber noch nicht entschieden.

Andreas Burgener macht sich Überlegungen über eine Kandidatur, hat sich nach eigener Aussage aber noch nicht entschieden.

Der Bellacher Andreas Burgener, Direktor von Auto Schweiz, überlegt sich Politikeinstieg. Dies vor dem Hintergrund, dass sich der Verband, den Burgener seit 15 Jahren führt, klare Ziele gesetzt hat: Die Branche soll bei den Wahlen am 20. Oktober 2019 schweizweit vier Kandidaten ins Ziel bringen.

Zaubert die SVP einen Quereinsteiger für die nationalen Wahlen aus dem Hut? Möglicherweise gar für den Ständerat? Oder zumindest für den Nationalrat? Oder gar für beides? Es macht den Anschein.

Jedenfalls bestätigt der Bellacher Andreas Burgener, Direktor von Auto Schweiz, er mache sich Überlegungen über eine Kandidatur bei den Wahlen ins Bundesparlament. Dies vor dem Hintergrund, dass sich der Verband, den Burgener seit 15 Jahren führt, klare Ziele gesetzt hat: Die Branche soll bei den Wahlen am 20. Oktober 2019 schweizweit vier Kandidaten ins Ziel bringen.

Dabei geht es um Bewerber, die auf den Listen der drei bürgerlichen Parteien CVP, FDP und SVP nominiert werden sollen. Einer der möglichen Anwärter ist Direktor Burgener selber: «Ich springe in die Bresche, wenn es sinnvoll ist.»

Automobilist, Sportler – und vielleicht schon bald Politiker

Er ist nach eigener Aussage zwar noch nicht Mitglied einer Partei, doch es gilt als sicher, dass Burgener für die SVP ins Rennen steigen würde. Es gehe ihm um die Sache, sagt der gelernte Lastwagenmechaniker, der kurzzeitig auch als Chauffeur gearbeitet hat und sich danach in Biel zum Autoingenieur weiterbildete.

Der passionierte Automobilist und Sportler, der während fast zehn Jahren Präsident des SAC Weissenstein war, ist überzeugt, dass die Mobilitätsfrage eine der zentralen Zukunftsfragen ist. «Wir brauchen gescheite Lösungen», sagt Burgener, der an die Innovationskraft der Autoindustrie ebenso wie an den volkswirtschaftlichen Nutzen derselben glaubt.

Umso wichtiger sei es, dass die Branche im Parlament vertreten sei, sagt Burgener. Just dies fehle im Moment. Carrossiers, Garagiers, Transpörtler usw. brauche es unter der Bundeshauskuppel, findet Burgener, der als Direktor von Auto Schweiz gleichsam das «Sprachrohr» der Autoimporteure ist. Seine Affinitäten zur SVP sind dabei insofern nichts Neues, als der Lobbyist einen Bundeshaus-Badge von Nationalrat Walter Wobmann in der Tasche hat. «Ich habe keine Berührungsängste», betont Burgener.

Und was meint die SVP zu Burgeners Überlegungen? Parteipräsident und Nationalrat Christian Imark bestätigt die Kontakte mit dem Direktor von Auto Schweiz. Burgener sei «eine interessante Option», weil er zwar ein Quereinsteiger sei, durch seine Verbindungen und Funktionen in Bundesbern aber ebenso bekannt wie im Kanton.

Vor diesem Hintergrund wäre es eigenartig, eine solche Option nicht zu prüfen. Andreas Burgener sei für die SVP zum heutigen Zeitpunkt aber einer von verschiedenen möglichen Kandidaten. Für Imark ist derzeit denn auch nur so viel klar: «Die SVP wird mit Sicherheit in den Ständeratswahlkampf eingreifen – wer unser Kandidat, unsere Kandidatin sein wird, ist offen.»

SVP-Parteipräsident spricht von einer «interessanten Option»

Wird er allenfalls selber zur Verfügung stehen? Imark legt sich in dieser Frage nicht fest. «Ich schliesse nichts aus», sagt er auf Anfrage.» Als Parteipräsident gebe es manchmal Situationen, in denen man etwas machen oder auf etwas verzichten müsse, das man sich nicht ausgesucht habe.

Und fügt an: «Die SVP wird unabhängig von den Dispositionen anderer Parteien mit einer Person ins Rennen steigen, die sie für wählbar hält.» Die Partei müsse bei den Wahlen um die beiden Sitze im Stöckli nicht zu sehr auf andere schauen, sondern dem Volk eine bürgerliche Alternative präsentieren.

Entscheid von Bischof und Zanetti hat Einfluss auf Dispositionen

Faktisch ist es gleichwohl so, dass die Ausgangslage für mögliche Ständeratskandidaturen – nicht nur der SVP - nicht unwesentlich abhängig ist von den Plänen der beiden amtierenden Standesherren Pirmin Bischof (CVP, seit Dezember 2011 im Amt) und Roberto Zanetti (SP, seit März 2010 im Amt).

Ist ersterer immer noch mit Überlegungen bezüglich einer allfälligen Bundesratskandidatur befasst, hüllt sich letzterer hinsichtlich einer neuerlichen Kandidatur nach wie vor in Schweigen. Wobei im politischen Solothurn die Einschätzung Konjunktur hat, wonach alles beim Alten bleiben könnte. Will heissen: Die Wahrscheinlichkeit, dass das Duo Bischof/Zanetti sich für eine weitere Legislatur zur Verfügung stellt, wird allgemein als hoch eingeschätzt.

Gibt es eine Vakanz, steigen die Chancen der Herausforderer

Mit anderen Worten: Treten beide Solothurner Ständeräte wieder an, dürfte es für jeden Herausforderer schwierig werden. Gibt es einen Sitz, der nicht von einem Bisherigen verteidigt wird, steigen die Chancen für neue Köpfe. Und wie ein offenes Feld daliegen würde das Wahlterrain, wenn eine völlig neu zusammengesetzte Solothurner Deputation zu bestellen wäre. Das weiss auch die SVP. Und Andreas Burgener. Aber auch Christian Imark. Und das wissen auch all die andern, die sich derzeit im Planspiel mit Unbekannten über ein mögliches Eingreifen ins Rennen um den Ständerat befassen.

Autor

Balz Bruder

Balz Bruder

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