Produktion
Ypsomed-CEO: «Standort Solothurn ist gesamthaft betrachtet nicht teurer»

Die Burgdorfer Medtechfirma Ypsomed investiert 50 Millionen Franken in den Standort Solothurn. CEO Simon Michel erklärt wieso sich Solothurn durchsetzte und wie es weitergeht.

Franz Schaible
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Simon Michel, Chef Ypsomed.

Simon Michel, Chef Ypsomed.

Hanspeter Baertschi

Andere Firmen verlagern ihre Produktion wegen der Frankenstärke ins Ausland, Ypsomed baut in Solothurn aus. Kann Ypsomed mit dem aktuellen Wechselkurs leben?

Simon Michel: Bei den meisten Produkten trifft das zu. Wir werden aber gegen 10 Millionen Franken weniger Gewinn erzielen. Dieser fehlt uns für Investitionen in Innovation und weiteres Wachstum. Aber wir erwirtschaften immer noch eine Betriebsgewinnmarge von über 12 Prozent. Dazu kommt, dass wir die meisten Produkte, die in Solothurn gefertigt werden, in Schweizer Franken verrechnen können. Wir haben bei den Pens ein Quasi-Monopol und können die Währung diktiren.

Sie wollen rund 100 neue Arbeitsplätze schaffen. Werden Sie das nötige Personal finden?

Das ist ein Kernpunkt in unserem Entscheidungsprozess. Der negative Effekt durch die Aufhebung der Wechselkurs-Untergrenze spielt mittlerweile in diesem Punkt sehr für uns. In vielen Betrieben in der Region herrscht grosse Verunsicherung, sie bauen ab, verlagern oder müssen gar schliessen, so dass wir heute und in den kommenden Jahren eine gute Auswahl von starken Kandidaten haben werden.

Wird die geplante Ansiedlung von Biogen den Kampf um Fachkräfte härter machen?

Das wird sicherlich einen Einfluss haben. Wir müssen mehr Geld in die Mitarbeiterförderung investieren, um Mitarbeitende nicht zu verlieren. Dies wird vor allem ein Problem für kleinere und mittlere Arbeitgeber sein, welche nicht mit den höheren Löhnen Schritt halten können.

Sie wollen 50 Millionen Franken investieren. Wird davon auch die regionale Wirtschaft profitieren?

Die Infrastrukturarbeiten führen wir im Normalfall mit lokalen Anbietern durch. Dies gilt auch für Grundinstallationen in den Bereichen Elektrik, Sanitär, Kühlung und Lüftung. Bei den Anlagen selbst arbeiten wir sowohl mit schweizerischen wie mit deutschen Firmen zusammen.

Im Rennen waren bis zuletzt Standorte in Norddeutschland und Tschechien. Was sprach gegen diese?

Die Standorte sind extrem gut aufgestellt. Die dortigen Wirtschaftsförderungen haben grosse finanzielle Möglichkeiten. Hingegen ist die Steuersituation gerade für unsere hochpreisigen Produkte beispielsweise in Deutschland ungünstig. Mit der geplanten Unternehmersteuerreform III haben wir hier in der Schweiz in diesem Bereich eine bessere Ausgangslage. Zudem spielt der Faktor Zeit eine gewisse Rolle. Hier in Solothurn verfügen wir über die nötige Infrastruktur und Mitarbeitende, die das Metier verstehen.

Wie konnte sich Solothurn gegen die günstigere Konkurrenz letztlich durchsetzen?

Gesamthaft betrachtet ist der Standort Solothurn in unserem Fall und in der aktuellen Situation nicht teurer.

Sie haben sich in den vergangenen Monaten mehrfach kritisch über die hiesige Ansiedlungspolitik geäussert. Sie plädierten offen für Steuererleichterungen. Haben Sie diese vom Kanton nun erhalten?

Die Wirtschaftsförderung hat uns in unserem Entscheidfindungsprozess begleitet. Die weicheren Faktoren wie Verfügbarkeit der Fachkräfte, günstigere Steuersituation aufgrund der politischen Stabilität in der Schweiz und der bevorstehenden Unternehmenssteuerreform sowie der Umstand, dass wir in Solothurn frei verfügbare Infrastrukturen haben, waren für den Entscheid ausschlaggebend.

Wie beuteilen Sie die Zusammenarbeit mit den kantonalen Behörden?

Wir arbeiten mit allen Ämtern gut zusammen. In der Bildung bauen wir unsere internen Angebote mit kantonaler Unterstützung ständig aus. Bei der Anpassung von Schichtmodellen werden uns keine Steine in den Weg gelegt, im Bau werden Bewilligungen effizient abgearbeitet. Und in der Wirtschaftsförderung finden wir Gesprächspartner, welche uns Türen öffnen, wenn wir Unterstützung brauchen.

Ist der Standort Solothurn gleich wichtig wie Burgdorf?

Im Kanton Bern beschäftigen wir derzeit rund 500, im Kanton Solothurn sind es heute rund 300, morgen werden es rund 400 Mitarbeitende sein. Solothurn ist für uns sehr wichtig. Wir haben die Produktionskapazitäten hier zentralisiert und bauen nun weiter aus.

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