Wirtschaftsbarometer
Solothurner Wirtschaft lässt Coronakrise allmählich hinter sich

Der Solothurner Wirtschaftsbarometer zeigt, dass die Wirtschaft im Kanton an Fahrt aufgenommen hat. Treiber des positiven Geschäftsklimas sind der Industriesektor, das Baugewerbe und die wirtschaftsnahen Dienstleistungen, wie die Umfrage zeigt.

Urs Moser
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Eingang des Land-Hotels Hirschen.

Eingang des Land-Hotels Hirschen.

Bruno Kissling

Wie im ganzen Land, ja auf der ganzen Welt, stand selbstredend das Wirtschaftsjahr 2020 auch im Kanton Solothurn ganz im Zeichen der Coronakrise. Die Wirtschaft stürzte in die tiefste Krise seit den 1970er-Jahren, das Bruttoinlandprodukt dürfte im Kanton um 4 bis 5 Prozent zurückgegangen sein. Gewerbe und Industrie scheinen die Talfahrt alles in allem aber recht gut überstanden zu haben. Nach einem verhaltenen Jahresauftakt habe die Wirtschaft im zweiten Quartal deutlich an Fahrt aufgenommen und lasse die Coronakrise nun «allmählich hinter sich». Das schreiben Handelskammer und Gewerbeverband zur zweiten gemeinsam durchgeführten Umfrage zum Wirtschaftsbarometer.

Umsätze, Auftragseingänge und Kapazitätsauslastung werden von den 309 teilnehmenden Unternehmen positiv bewertet. Besonders erfreulich: Über alle Sektoren gesehen ist kein Abbau des Personalbestands geplant, die Zeichen deuten sogar eher wieder auf einen Anstieg hin.

Aus den Umfrageergebnissen zur Einschätzung der Geschäftslage wird ein nach der Grösse der teilnehmenden Unternehmen gewichteter Index mit einer 5er-Skala erstellt: Schlechter als –30 heisst sehr ungünstig, –30 bis –10 eher ungünstig, –10 bis +10 neutral, +10 bis +30 eher günstig und über +30 sehr günstig. Über alle Firmen, Branchen und einzelne Faktoren hinweg liegt der Index für das dritte Quartal bei +38, also im sehr günstigen Bereich. Als gut beurteilt werden Umsätze (+35), Auftragseingang (+33) und Kapazitätsauslastung (+33). Trotz Aufwärtstendenz von den exportabhängigen Unternehmen nach wie vor zurückhaltend eingestuft wird die Auslandnachfrage (+7). Die Einschätzungen zur Entwicklung des Personalbestands liegen bei «eher günstig» (Index +11).

Auch im Gastgewerbe greift wieder Optimismus um sich

Beim Blick auf die einzelnen Branchen zeigen sich wenig überraschend zum Teil deutliche Unterschiede. Treiber des Wirtschaftswachstums im Kanton sind die Industrie (vor allem Medizinaltechnik und Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie), das Baugewerbe und die wirtschaftsnahen Dienstleistungen (Finanzsektor, ICT-Branche, Logistik). Demgegenüber bleiben Wirtschaftszweige wie das Gastgewerbe, die Event-, Reise- und Freizeitindustrie trotz weitgehender Lockerungen weiterhin durch die Coronamassnahmen eingeschränkt und erholen sich entsprechend nur langsam.

Dennoch erfreulich: Selbst im Gastgewerbe als einer der am härtesten von den Schutzmassnahmen betroffenen Branchen greift nun offenbar wieder Optimismus um sich. Im ersten Quartal lag hier der Indexwert am untersten überhaupt messbaren Ende, und auch im zweiten Quartal sah die Situation trotz erster Lockerungen noch nicht viel besser aus (Indexwert –15). Für das dritte Quartal glaubt man in der Branche nun aber an die Wende, das Geschäftsklima wird erstmals seit Beginn der Pandemie wieder günstig eingeschätzt: Mit einem Indexwert von +51 liegt das Gastrogewerbe sogar ganz weit vorne, was die allgemeine Einschätzung der Geschäftslage für das dritte Quartal betrifft.

Medizinaltechnik erwartet regelrechten Boom

Einen gar rekordverdächtigen Indexwert von +86 verzeichnet die Medizinaltechnik. Teile dieser Branche erlebten im vergangenen Jahr einen Rückgang, weil die Spitäler Routineeingriffe aussetzen mussten. Grundsätzlich zeigt der Trend in der Wachstumsbranche aber nach oben, und so rechnet man nun mit deutlichen Nachholeffekten.

Anders präsentiert sich die Situation zum Beispiel in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie: Nach einem allgemein schwachen Jahresauftakt zeigte sich im zweiten Quartal eine deutliche Erholung. Während aber die Betriebe, die direkt an Endkonsumenten liefern, schon im ersten Quartal gut performten, fassen die Zulieferer der Gastrobranche erst allmählich wieder Mut. Im Wirtschaftsbarometer spiegelt sich das in einem gegenüber dem zweiten für das dritte Quartal von +47 auf +10 gesunkenen Indexwert. Der Handel stagniert bei immer noch recht positiven 23 Punkten. Der Grosshandel hofft auf Nachholeffekte, der Detailhandel zeigt sich hier verhaltener, am zurückhaltendsten wird die Entwicklung im Autogewerbe beurteilt.

In der Baubranche (+46) schätzt das Baunebengewerbe die Lage noch dynamischer ein als das Bauhauptgewerbe. Das liege wohl auch daran, dass im Zug von Corona viele Renovationsarbeiten durchgeführt wurden und weiterhin werden, schreibt Christian Hunziker von der Handelskammer.

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