Wirtschaftsaussichten
Die Zeichen stehen allmählich auf Erholung im Kanton Solothurn

Auch wenn kein Ende der Pandemie absehbar ist: Weite Teile der Wirtschaft funktionieren. Das wurde an einem Expertentalk zur Situation im Kanton deutlich.

Balz Bruder
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UBS-Chefökonom Daniel Kalt ist zuversichtlich, dass sich die Wirtschaft in diesem Jahr erholen wird.

UBS-Chefökonom Daniel Kalt ist zuversichtlich, dass sich die Wirtschaft in diesem Jahr erholen wird.

Claudio Thoma

«Aus erster Hand» – so nicht nur der Titel der gemeinsamen Online-Veranstaltung von Solothurner Handelskammer und UBS, sondern auch die Informationen, die handverlesene Experten unter die Leute brachten. Quintessenz der aus der Oensinger «Genusswerkstatt» übertragenen Runde: Die zweite Pandemiewelle war weniger schlimm als die erste – und es gibt Hoffnung, dass sich die Wirtschaft in diesem Jahr nachhaltig erholen wird.

Was eine Parforceleistung bedingt, denn der Produktionsverlust der Solothurner Wirtschaft betrug laut Handelskammer-Direktor Daniel Probst im vergangenen Jahr eine satte Milliarde Franken. «Ein enormer Einbruch, aber es hätte noch schlimmer kommen können», sagte Probst.

Dass es nicht so kam, lag auch an den staatlichen Hilfen. Volkswirtschaftsdirektorin Brigit Wyss sprach denn auch von «zwingenden Massnahmen» – und von «Investitionen in die Zukunft».

Die Gefahr einer Inflation nach der Krise

Dass diese näher sein könnte, als manche glauben – Hoffnung darauf machte UBS-Chefökonom Daniel Kalt.

«Wir sollten es in diesem Jahr schaffen können»,

meinte er. Zwar seien Teile der Wirtschaft immer noch im Würgegriff der Pandemie – Gastronomie, Eventbranche, Kultur usw. als Stichworte -, doch die Industrie habe wieder Tritt gefasst. Viel hänge vom weiteren Verlauf der Krise ab – aber auch davon, ob auf die Baisse eine Phase der Überhitzung folge. Kalt wies dabei auf eine mögliche Inflationsgefahr ebenso hin wie auf die Zinsentwicklung.

Daran knüpfte Avenir-Suisse-Direktor Peter Grünenfelder an – und plädierte für ein rasches Ende des «süssen Gifts des Etatismus». Denn die Wirtschaft brauche nicht staatliche Krücken, sondern eine freiheitliche Wirtschaftsordnung, die Innovation fördere statt Struktur erhalte. Unschwer zu erkennen: der Chef des liberalen Think-Tank hat seine liebe Mühe mit den interventionistischen Eingriffen des Staats in die Marktwirtschaft.

Es gibt nicht nur Verlierer, sondern auch Gewinner

Dass es in der Krise nicht nur Verlierer, sondern auch Gewinner gibt, zeigte sich in der abschliessenden Diskussionsrunde, die Reto Brennwald moderierte. Medgate-Chef Andy Fischer sprach die Ungleichheit als Profiteur denn auch gleich selbst an. Und plädierte, zum Beispiel mit Blick auf die Digitalisierung – «die Schweiz ist ein Ödland» –, für rasche Innovationen.

Unterstützung fand er bei Agathon-CEO Michael Merkle, der anschaulich vorführte, wie sein Laser- und Schleifmaschinen-Unternehmen aus der Not eine Tugend gemacht hat und seine Serviceleistungen nachhaltig digitalisiert hat. Was im Fall von Mike Zettel, Inhaber des Event-Unternehmens Kein Ding GmbH naturgemäss schwierig bis unmöglich ist. Doch auch er plädierte für ein Umdenken auf breiter Front.

Oder, wie es Thomas Sommerhalder, Regionaldirektor UBS Aargau/Solothurn, sagte: «Wir brauchen jetzt Tempo». Auf dass der Wirtschaftsmotor nach einer Phase ebenso notwendiger wie aussergewöhnlicher Hilfsaggregate seine Kraft wieder aus sicher selber schöpfe, wie sich die Erkenntnisse «aus erster Hand», etwas salopp formuliert, zusammenfassen liessen.

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