Solothurn
«Wir haben doch alle Platz auf der Aare»: Rund 300 Personen wehren sich gegen Stand-up-Paddle-Verbot

Der Widerstand gegen das Solothurner Stand-up-Paddle-Verbot hat sich organisiert – rund 300 Personen wollen es kippen.

Noëlle Karpf
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Roland Thomke wehrt sich gegen das Verbot von Stand-up-Paddles auf der Aare.

Roland Thomke wehrt sich gegen das Verbot von Stand-up-Paddles auf der Aare.

Hanspeter Bärtschi

Trendsport. Der liegt Roland Thomke am Herzen. Der 58-jährige Bellacher machte sich vor rund fünf Jahren selbstständig, entwickelte eine Skikollektion. Über sich selbst sagt er zudem, dass er in den 80er-Jahren gegen das in manchen Skigebieten vorherrschende Snowboard-Verbot gekämpft hat.

Auch auf dem Wasser bewegt sich Thomke gerne – 1975 sei er auf dem Bielersee von der Seepolizei angehalten worden; die damalige Trendsportart war damals noch nicht überall erlaubt. Der kleine Bruder – das Kite-Surfen – löste vor Jahren eine politische Diskussion aus, bis die Trendsportart dann erlaubt wurde, weil sie olympisch wurde. «Das ist immer wieder das gleiche Spiel», sagt Thomke, «es kommt etwas Neues auf – und zuerst wird es bekämpft.» Und Thomke wehrt sich dann dagegen.

Heute macht er das gegen das Stand-up-Paddle-Verbot in Solothurn. Und er sei nicht alleine, betont Thomke. «Rund 300 Leute» stecken hinter der Widerstandsbewegung, die mittlerweile auch mit eigenem Webauftritt präsent ist. Leute von Olten bis Biel – vom Jurasüdfuss, wie der Bellacher erklärt.

Gleichberechtigung für alle Sportarten

Ein kurzer Rückblick: Im September informierte der Kanton über das Stand-up-Paddle-Verbot, das nach Saisonende in Kraft trat. Verboten ist das Paddeln auf zwei Aareabschnitten: von Lüsslingen bis Solothurn und von Feldbrunnen bis Flumenthal. Der Hintergrund: Diese Bereiche sind seit Jahren nationales Schutzgebiet – sogenanntes Wasser- und Zugvogelreservat. Hier gelten Schutzbestimmungen, für deren Umsetzung die Kantone zuständig sind. Und der Kanton interpretiert die Verordnung so, dass Stand-up-Paddel-Fahren verboten ist.

Das sorgte für einige erboste Rückmeldungen aus der Leserschaft und Kommentaren, in denen dem Amtsinhaber gar Amtsmissbrauch vorgeworfen war. Thomke will eine ganz andere Schiene fahren. «Wir wollen eine Lösung, die für alle passt.» Was der Bellacher aber deutlich kritisiert: Während Paddeln in den erwähnten Zonen verboten ist, dürfen dort etwa Gummi-, aber auch Motorboote noch durchfahren.

Man wolle diese nun nicht verbieten– im Gegenteil, Thomke fordert Gleichberechtigung. «Wir haben doch alle Platz auf der Aare», so der Sportgeräthersteller. Es gibt eine Studie, wonach die stehende Position von Stand-up-Paddlern die Vögel, die geschützt werden sollen in den Zonen, erschreckt. Darauf stützt sich auch etwa die Vogelwarte Sempach. Davon abgesehen, dass man auch über die Studie diskutieren könne – so Thomke– «wir wollen einfach einen konstruktiven Dialog».

Über ein Verbot lediglich im Winter, wenn die Vögel nisten, oder das Festlegen von temporären Schutzzonen, etwa beim Attisholz-Areal, könne man durchaus reden. Man sei keinesfalls gegen Schutzzonen – «wir sind sehr naturfreundlich, wir verursachen ja auch keine Abgase oder Lärm».

Gewünscht: SUP-Erlaubnis für nächste Saison

Gemeinsam mit Markus Portmann aus Oberdorf ist Thomke federführend in der Aktion. Ein erster Austausch mit Solothurn Tourismus, aber auch dem Kanton habe stattgefunden.

«Wir haben signalisiert bekommen, dass man für das Zusammensitzen bereit ist», erklärt Thomke. Ein runder Tisch soll zu Lösungen führen – wann und wie genau der stattfindet, ist unklar. Gleichzeitig treffen die SUPler um Thomke und Portmann derzeit juristische Abklärungen – um zu sehen, was sie allenfalls anfechten könnten; wenn die Gespräche nicht fruchten.

«Unser Ziel», so sagt Thomke, «ist es, dass wir nächstes Jahr wieder auf die Bretter stehen können.» Auch wenn man das fürs Erste nur mit einer provisorischen Lösung erreiche. Er klingt optimistisch. «Am Schluss hat der Sport immer gewonnen.»