Philipp Hadorn

«Wir distanzieren uns von dieser Aktion»: Warum Collectors gar keine Freude an diesem Wahlplakat hat

Nur eine Fotomontage: Aber mit ihr hat SP-Nationalrat Philipp Hadorn dem Velolieferdienst Collectors einigen Ärger eingebrockt.

Nur eine Fotomontage: Aber mit ihr hat SP-Nationalrat Philipp Hadorn dem Velolieferdienst Collectors einigen Ärger eingebrockt.

Nationalrat Philipp Hadorn bastelte eine Fotomontage für seinen Wahlkampf. Diese zeigt ein Velo des Lieferdienstes Collectors mit seinem Wahlplakat. Der Lieferdienst wusste davon nichts, bekam aber Empörung von Politikern zu spüren

Es braucht in Zeiten von Social Media und Fake News nicht viel. Und schon kann der Ruf eines Unternehmens in Mitleidenschaft gezogen werden. Dies hat soeben der Velolieferdienst Collectors erlebt, der in der Region Solothurn und in Olten Hauslieferdienste anbietet. Dabei werden Sozialhilfeempfänger an den Arbeitsmarkt herangeführt.

Beinahe hätte vergangene Woche der gute Ruf des Projektes Schaden erlitten. Grund dafür ist ein Facebook-Post von SP-Nationalrat Philipp Hadorn. Dieser publizierte auf Facebook ein Bild, das zeigt, wie ein Collectors-Velo ein Hadorn-Werbeplakat durch die Stadt Solothurn zieht.

Zwar war es nur eine Bildmontage, die Hadorns Wahlteam ohne Absprache mit Collectors publizierte. Doch weil sie so echt wirkte, sorgte die vermeintliche Wahlwerbung für böse Kommentare – und hätte gar finanzielle Einbussen für Collectors zur Folge haben können.

Grund für die Aufregung war, dass Collectors von verschiedenen Gemeinden finanziellen Support erhält. Mehrere Kommunalpolitiker fanden es deshalb nicht korrekt, wenn das Projekt für eine politische Partei in den Wahlkampf ziehen würde.

Das Original und die Fotomontage.

Das Original und die Fotomontage.

Einer, der ein empörtes Mail an Collectors schrieb, ist Hans Peter Schläfli, freier Journalist und parteiloser Gemeinderat in Luterbach. Er hatte sich in der Gemeinde, vergeblich, für Beiträge an Collectors eingesetzt. «Solange die Collectors nicht selbsttragend funktionieren und von Gemeindebeiträgen abhängig sind, ist eine Wahlwerbung aus meiner Sicht ein totales Tabu», schrieb Schläfli. Obwohl er das Projekt toll finde, würde er sich nicht mehr dafür einsetzen, wenn Collectors politische Werbung machen würde, so der Gemeinderat, der nun erleichtert ist, dass es sich nur um eine missglückte Fotomontage von Philipp Hadorn handelt.

Hadorn: «Ich habe mich entschuldigt»

Schläfli blieb nicht der Einzige, der sich aufregte. Auch Roger Siegenthaler, Präsident des mächtigen Solothurner Einwohnergemeindeverbandes, griff in die Tasten. Siegenthaler sagt: Er hätte es nicht in Ordnung gefunden, würde Collectors politische Werbung machen. Wer von den Gemeinden – und damit von der Allgemeinheit – gefördert werde, solle politisch neutral bleiben und sich nicht auf eine politische Seite schlagen.

Philipp Hadorn hat sich inzwischen entschuldigt – «für die absolut unbeabsichtigte Vermischung meiner Wahlkampagne mit Collectors», so der Gerlafinger Nationalrat. Es seien junge Köpfe in seinem Wahlteam gewesen, die die Bildmontage erstellt hätten. «Das Bild war eigentlich nicht zur Publikation gedacht, liegt aber in meiner Verantwortung.» Sobald er erfahren habe, dass die Aktion für Collectors nicht vorteilhaft sei, habe er den Post löschen lassen.

«Wir distanzieren uns deutlich von dieser Aktion», sagt Collectors-Geschäftsführer Philipp Keel. «Wir sind politisch und auch religiös neutral.» Politische Werbung würde man deswegen an den Collectors-Fahrzeugen nicht zulassen. Zwar seien die Reaktionen ausserhalb von Facebook überschaubar geblieben. Die Aktion habe aber das Potenzial gehabt, den Ruf zu schädigen. Sobald er davon erfahren hatte, meldete sich Keel nicht nur bei Hadorn, sondern stellte auch bei weiteren Bekannten, die auf Facebook kommentiert hatten, die Fakten richtig.

Hadorn will nun Collectors nach den Wahlen besuchen. Er könne sich vorstellen, Unterstützer des «tollen Projektes» zu werden, sagt der SP-Mann. «Bisher war mir Collectors als Organisation leider noch nicht richtig bekannt, obwohl ich im Nachhinein glaube, von der Organisation auch schon gehört zu haben.» Für Collectors-Geschäftsführer Keel ist die Angelegenheit mit Hadorns Entschuldigung nun erledigt.

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