Wintereinbruch
Es kam der erste Schnee – und bei Pneu Bögli in Zuchwil standen die Nachzügler Schlange

Schnee bis ins Flachland, weisse Berge und Chaos auf den Strassen? Nein, denn die Disziplin beim Reifenwechsel habe in den letzten Jahren merklich zugenommen, sagt einer, der es wissen muss: Louis Bögli.

Sébastian Lavoyer
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Ab Anfang Oktober beginnen die ersten Firmen ihre Flotten jeweils auf Winterreifen umzurüsten. Ende November kommen dann höchstens noch private Nachzügler.

Ab Anfang Oktober beginnen die ersten Firmen ihre Flotten jeweils auf Winterreifen umzurüsten. Ende November kommen dann höchstens noch private Nachzügler.

Hanspeter Bärtschi

Kaum schneite es im Flachland, standen die Autos bei Pneu Bögli in Zuchwil wieder Schlange. Am Montag wenigstens, denn schon am Dienstag habe sich die Situation im Zuchwiler Industriegebiet wieder entspannt, wie Patron Louis Bögli am Telefon erzählt.

«Es gibt immer Nachzügler, aber in der Regel kommen die Leute heute deutlich früher zum Reifenwechsel als noch vor 10, 15 Jahren», so Bögli. Deshalb findet er auch, von einem Ansturm am Montag könne keine Rede sein, aber «wir hatten schon guten Betrieb».

Ganz so lang wie vor sechs Jahren (das Bild wurde 2015 gemacht) war die Schlange an diesem Montag Ende November 2021 nicht mehr. Aber Wartezeiten gab es trotzdem.

Ganz so lang wie vor sechs Jahren (das Bild wurde 2015 gemacht) war die Schlange an diesem Montag Ende November 2021 nicht mehr. Aber Wartezeiten gab es trotzdem.

Hanspeter Bärtschi

Während man früher länger zuwartete, hat sich die Arbeitslast unterdessen besser verteilt. «Viele Firmen, insbesondere solche, die schweizweit tätig sind, also auch ins Berner Oberland fahren, kommen mit ihren Flotten jetzt schon Anfang Oktober», erklärt Bögli. Bis Mitte Oktober seien die meisten umgerüstet. Diese Firmen könnten es sich ja nicht leisten, dass zum Beispiel ein Monteur nicht fahren kann, weil er nicht die passenden Reifen montiert hat.

Erste Firmen rüsten ihre Flotten schon Anfang Oktober auf Winterpneu um

Ab Mitte Oktober kommen dann auch die ersten Privaten. Bögli sagt: «Der Druck und die Arbeitsbelastung sind für unser Personal Ende Oktober, Anfang November deutlich höher als sie jetzt waren.» Während er früher etliche Temporäre anstellte während der Spitzenzeiten, verzichtet er heute darauf. Sie hätten personell aufgestockt, würden heute rund ums Jahr 20 Mitarbeitende beschäftigen. Das hat zur Folge, dass sie in der Zwischensaison eher überbelegt sind, dafür aber in der Hauptsaison im Herbst und im Frühling qualitativ hochstehende Arbeit leisten können.

Dass die Menschen heute früher zum Reifenwechsel kommen als einst, führt Bögli auch auf die Sensibilisierung durch die Medien zurück: «Sobald es zu schneien beginnt, reden sie im Radio davon, berichten im TV und schreiben in den Zeitungen. Das hilft uns sicher sehr.»

Sein Eindruck wird übrigens durch die Kantonspolizei bestärkt. Der erste Schnee kam, aber eine merkliche Zunahme von Unfällen hätten sie nicht festgestellt, teilt die Kapo auf Anfrage mit.

Sommerreifen werden immer grösser und breiter

Die Sensibilisierung ist das eine, das sind die neuen Vorlieben bei den Sommerreifen. Grösser und breiter sind sie in den letzten Jahren geworden. Wenn das Wetter schlechter ist, es mehr regnet oder schneit, dann könne mit einem Reifenwechsel ganz einfach auch der Bremsweg deutlich verkürzt werden. Eine Verantwortung, der viele Autofahrerinnen und Autofahrer nachkommen, so Bögli.

Zusätzlich motivieren dürfte viele, dass Versicherungen bei einem Unfall mit Sommerreifen auf glatter Fahrbahn, oft nicht bereit sind zu zahlen oder nur einen Teil des Schadens berappen.

Wer sich jedes Jahr aufs neue wieder fragt, wann Zeit für den Reifenwechsel ist, dem hilft die Eselsbrücke: Von Ostern bis Oktober Sommerreifen, dann ist Zeit für die Winterpneu.

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