Schifffahrt

Wieder anstossen beim «Aareböötlen»: Promillegrenze bei Gummiboot-Fahrern ist aufgehoben

Gummiboot-Fahren auf der Aare geht dieses Jahr wieder mit Bier in der Hand. Wegen des Alkoholeinflusses steigt die Ertrinkungsgefahr.

Im Kanton Solothurn darf diesen Sommer beim «Aareböötlen» wieder Alkohol getrunken werden. Der Bundesrat beschloss, die Alkohol-Promillegrenze bei Gummiboot-Fahrern von 0,5 auf Anfang 2020 aufzuhe­ben. Die Begründung: Fahrer von Gummibooten und kleinen Schiffen seien schwierig zu kontrollieren. Zudem würde von kleinen Booten eine geringere Gefährdung ausgehen als von motorisierten Schiffen.

Ausgenommen von der Promillegrenze sind nun Schiffs­führer von Booten, die weniger als 2,5 Meter lang sind. Die Bedingung: Das Boot darf nur von «fahrtüchtigen Personen» gesteuert werden. Ob dies der Fall ist, soll bei Kontrollen «individuell» festgestellt werden. Somit gelten auf den Schweizer Gewässern wieder dieselben - etwas schwammigen - Regeln, wie vor dem 0,5-Promillegesetz vom Februar 2014.

So kontrolliert die Kantonspolizei «Fahrtüchtigkeit»

Doch was bedeutet «fahrtüchtig» eigentlich? Gemäss Medienstelle der Kantonspolizei Solothurn wird die Fahrtüchtigkeit in erster Linie durch die Patrouillen der Sondergruppe Schifffahrt beurteilt. Dabei sei das Verhalten der «Aareböötler» entscheidend. Grund für eine Kontrolle ist unter anderem das fahrlässige Verhalten eines Gummiboot-Fahrers. Werden dadurch Dritte gefährdet, droht eine Strafanzeige. In diesem Fall werde auch der Alkoholwert festgehalten.

Durch die neue Regelung seien die Kontrollen der Gummiboot-Fahrer aufwendiger, wenn es um die Beurteilung der Fahrfähigkeit gehe. Ein Vorteil: «Es müssen nicht mehr alle Personen auf einem sogenannten Badegerät kontrolliert werden. Auch wenn sie Alkohol konsumiert haben oder diesen mitführen», so die Andreas Mock, Mediensprecher der Kantonspolizei.

Die Zuständigkeit für sämtliche Gewässer liegt bei der Kantonspolizei. Wie jedes Jahr wird es diesen Sommer vermehrt Patrouillen der Sondergruppe Schifffahrt geben. «Auf der Aare finden regelmässig Kontrollen statt.» Je nach Situation würden auch Personen kontrolliert, die auf Gummibooten oder Luftmatratzen unterwegs seien. Auch wenn die Promillegrenze aufgehoben wurde, bleiben einige Regeln fürs «Aareböötle» bestehen. Boote müssen mit Name und Adresse beschriftet sein und Kursschiffen immer freie Fahrt gewährleisten. Zur eigenen Sicherheit und deren Dritter empfiehlt die Kantonspolizei zudem, keinen Alkohol zu konsumieren.

Alkoholgehalt hat grossen Einfluss beim Ertrinken

Die Nachfrage bei der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft SLRG zeigt: «Ab einem Promillewert von 0.5 Prozent nimmt die Wahrnehmungsfähigkeit kontinuierlich ab und beeinflusst somit auch das menschliche Verhalten», erklärt Kommunikationsbeauftragte Jasmin Wyrsch. So könne es sein, dass Gefahren nicht mehr richtig eingeschätzt werden und sich die Betroffenen überschätzen. Zu vergleichen sei dies mit der Fahrtüchtigkeit im Strassenverkehr. Je höher der Alkoholgehalt, desto verhängnisvoller sei dies für eine Person, die zu ertrinken droht. «Der Alkohol erweitert die Blutgefässe, durch das Wasser wird das Blut rasch abgekühlt. Dadurch droht ein Kreislaufkollaps», meint Wyrsch.

Zudem löse der Alkohol Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen aus. Dadurch sei die betroffene Person wahrscheinlich nicht mehr in der Lage, sich eigenständig zu retten. Nebst dem gibt es weitere Gefahren. Dazu zählt die SLRG Strömungen, Wehren, Brückenpfeiler sowie das Wetter. Zudem ist
Gefahr des Kentern nicht zu unterschätzen. Die SLRG empfiehlt deshalb das Tragen von Schwimmwesten, da sie wertvolle Minuten bei der Rettung gewinnen. Auch wenn die Promillegrenze aufgehoben ist. Polizei sowie SLRG empfehlen erst nach dem «Aareböötle» anzustossen.

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