Franco Trinca

Wie der stellvertretende Operndirektor des Tobs zur Klassik kam

Ein sicherer Wert im Tobs-Orchestergraben: Dirigent Franco Trinca.

Ein sicherer Wert im Tobs-Orchestergraben: Dirigent Franco Trinca.

Franco Trinca dirigiert die Tobs-Produktion «L’Italiana in Algeri»

Franco Trinca studiert mit dem Tobs-Ensemble Rossinis «L’Italiana in Algeri» ein. Er schwärmt von der quirligen Musik der ersten abendfüllenden Opera buffa des Meisters. «Mit Rossini verbindet mich etwas ganz Besonderes. Seinetwegen entschied ich mich für einen Beruf, der mit Oper zu tun hat», lächelt der gebürtige Römer, der aus einer Musikerfamilie stammt. «Mein Vater und meine Brüder spielten Unterhaltungsmusik. Bis zur Matura kannte ich mich in der Klassik nur wenig aus.

Trotzdem begann ich ein Studium am Conservatorio di Santa Cecilia mit den Hauptfächern Komposition, Klavier und Chorleitung. Als wir im Nebenfach Musikwissenschaft über eine Rossini-Monografie geprüft wurden, war es um mich geschehen. Rossinis Humor, die Lebenslust und die Musik faszinierten mich dermassen, dass ich beschloss, zum Theater zu gehen», erinnert er sich an die Initialzündung. Er wollte mit der Oper Kontakt halten, begleitete viele Sänger und studierte Dirigieren.

Entdecker barocker Juwelen

Seit Franco Trinca 1991 nach Biel gekommen ist, hat er unzählige Rossini-Aufführungen geleitet und sich einen Namen als Kenner des italienischen Repertoires und Entdecker vieler Barockschätze gemacht. «Ich habe einige Juwelen aus dem 18. Jahrhundert ausgegraben. Immer wieder Neues zu erforschen, gehört zu meiner Natur. Dies bezieht sich nicht nur auf neue Stücke, sondern ich finde auch in bekannten Werken immer wieder einen erfrischenden Zugang und neue Impulse. Das macht die Arbeit so spannend.»

Die dritte «L’Italiana»-Einstudierung für Trinca

Nach «La Cenerentola» und «La fille du régiment» ist dies auch die dritte Zusammenarbeit mit Regisseur Andrea Bernard und seinem Team. «Die ‹Italienerin› schrieb der Maestro mit 21 Jahren, es ist seine erste grosse und wichtige Oper. Inzwischen dirigierte ich alle Einakter, die er davor geschaffen hat und erarbeitete so auch neue Perspektiven für die ‹Italienerin›. Diese Buffa mit dem schnellen Parlando in den Finali und dem dynamischen Rossini-Crescendo ist einfach fantastisch.»

Auch ohne etwas über die Inszenierung zu verraten, erzählt Franco Trinca, dass der Regisseur wohl den Stoff aktualisierte, jedoch die Texte des Librettos respektiere und jedes Wort richtig platziert sei. Gerne denkt der Dirigent auch an die «L’Italiana» in den 1990er-Jahren im Theater Luzern zurück. Seine «Elvira» war Ursula Rytz, die er in Biel kennen gelernt hatte. Gott Amor war mit dabei, und schon bald wurde geheiratet. Es fanden sich zwei Künstler und Familienmenschen, die sich bewusst für Kinder und eine Karriere in der Schweiz entschieden.

Natürlich flackert manchmal die Sehnsucht nach grossen Orchestern und Musikmetropolen auf. Doch nur für einen Augenblick. Dann denkt der stellvertretende Operndirektor von Biel, Leiter der Opera de Chambre de Genève und Musikalischer Leiter des Schweizer Opernstudios der Hochschule der Künste Bern HKB an seine Familie und freut sich, dass alles so gekommen ist. «Ich bin stolz auf mein ‹Vier-Mädel-Haus› mit den drei Töchtern, die alle studieren. Ich konnte in der Schweiz musikalisch viel verwirklichen. Im Orchestergraben wie auch an der HKB, wo ich dieses Jahr das silberne Jubiläum feiere und den Sängernachwuchs ausbilde.»

Italianità und helvetische Tugenden vereint

Der Dozent gibt den kommenden Bühnenstars viel mit, vereint in all seinem Schaffen Italianità mit helvetischen Tugenden: Er reagiert schnell und improvisiert gekonnt, analysiert gründlich und sucht tragfähige Lösungen. Er steht für Seriöses und Tiefgründiges. Nicht nur künstlerisch, auch körperlich und geistig ist der Allrounder auf Höchstleistungen programmiert, wovon Pokale und Medaillen von Marathons in aller Welt und das vor einiger Zeit aufgenommene Studium der Philosophie zeugen.

«Heute investiere ich mehr Zeit in die Geisteswissenschaften, nehme es sportlich ein bisschen ruhiger.» Die nächsten, musikalischen Marathons stehen mit den Premieren der «Italienerin» am 18. September in Biel und am 23. September in Solothurn an. Und wie stets befindet sich der Maestro in ausgezeichneter Form.

Hinweise: Premiere in Biel: 18. Sept.; Premiere in Solothurn: 23. Sept. Weitere Aufführungsdaten unter www.tobs.ch

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