Regulierwehr in Port

Werte abrupt gestiegen: Seegras sorgt für Ausschläge bei der Abflussmenge

Die Messwert-Kurve der Abflussmenge beim Regulierwehr Port schlägt am Mittwoch vier Mal aus. Es hätte damit auch plötzlich viel mehr Wasser die Aare bei Solothurn hinab kommen müssen.

Die Messwert-Kurve der Abflussmenge beim Regulierwehr Port schlägt am Mittwoch vier Mal aus. Es hätte damit auch plötzlich viel mehr Wasser die Aare bei Solothurn hinab kommen müssen.

Ein Blick auf die Messwert-Tabelle der Abflussmenge bei der Schleuse in Port vom Mittwoch deutete darauf hin, dass gleich vier Mal rund 300 m3/s mehr Wasser als üblich die Aare hinuntergelassen wurden. Es war aber eine Fehlmessung – ausgelöst durch Seegras.

Im Schnitt waren es diese Woche 570 m3/s, die bei den Schleusen in Port abgelassen wurden. 

Am Mittwoch öffneten sich die Schleusen des Regulierwehrs Port unterhalb von Biel um 3.30 Uhr, 9.20 Uhr, 11.50 Uhr und 13.50 Uhr laut einer Grafik des Bundesamts für Umwelt aber deutlich mehr: Bis zu 884 m3/s strömten die Aare hinab. 

Der Abfluss bei Biel in den letzten 7 Tagen

Der Abfluss bei Biel in den letzten 7 Tagen

Der Schein trügt aber. «Das sind keine realen Werte», sagt Gabriel Zenklusen, Abteilungsleiter Wasserbau beim Kanton Solothurn, auf Anfrage. Es könne unmöglich sein, dass die Abflussmenge so rasch und so stark ansteigen könne. «Das kann nur schrittweise geschehen», so Zenklusen. Zum Beispiel innert einer Stunde um 50m3/s. Damit handelt es sich um eine Fehlmessung.

Dazu kommt: Eine Abflussmenge von 880 m3/s wäre entlang der Aare bestimmt bemerkt worden. Schon ein Abfluss von über 750m3/s bedeutet Gefahrenstufe 5, die höchste überhaupt auf der Skala.

Wie ist eine solche Fehlmessung überhaupt möglich? Die Antwort liegt beim Seegras, wie es beim Bundesamt für Umwelt (Bafu) auf Anfrage heisst. Nachdem am Mittwoch die Ausschläge bei den Messungswerten festgestellt wurden, haben das Bafu und das Eidgenössische Institut für Metrologie (METAS) veranlasst, dass sich ein Taucher der Sache annimmt. «Der linke Schwinger war stark mit Seegras verschmutzt», so Michèle Oberhänsli, Hydrologin beim Bafu. 

Die Schwinger sind Teil des Ultraschall-Doppler-Profil-Strömungsmessers, welcher die Abflussmenge berechnet. Der Taucher hat das Seegras daraufhin entfernt, die Messung wurde wieder korrekt angezeigt.

Situation im Auge

Momentan herrscht mässige Gefahr für die Aare unterhalb von Biel. Die Abflussmenge soll in den nächsten Tagen stabil bleiben.

Die Situation kann sich jedoch rasch ändern, denn eine Entspannung der Lage ist nicht abzusehen. Nach einer Wetterbesserung am Freitag, soll es am Wochenende wieder mehr regnen. Das kantonale Amt für Militär und Bevölkerungsschutz hat ein wachsames Auge auf die Situation, musste bisher aber noch nicht aktiv werden.

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Im Mai 2015 war die Lage kritischer. In Biel und auch Olten mussten zum Schutz Beaver-Dämme aufgebaut werden. (ldu)

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