Notstromversorgung
Wenn der totale Stromausfall tödlich endet

In der Justizvollzugsanstalt Solothurn in Deitingen versagte am Donnerstag die Notstromversorgung – der Ausfall ging so weit glimpflich aus, doch andernorts hätte dieser fatale Folgen.

Sven Altermatt
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Im Sicherheitsraum der JVA Solothurn in Deitingen: Am Donnerstagmorgen blieben sämtliche Bildschirme schwarz. Hinter schusssicherem Glas werden hier rund um die Uhr die Bilder von 140 Kameras überwacht. Archiv/

Im Sicherheitsraum der JVA Solothurn in Deitingen: Am Donnerstagmorgen blieben sämtliche Bildschirme schwarz. Hinter schusssicherem Glas werden hier rund um die Uhr die Bilder von 140 Kameras überwacht. Archiv/

Felix Gerber

Im modernsten Gefängnis der Schweiz ging am Donnerstagmorgen gar nichts mehr: Während vier Stunden blieb die Justizvollzugsanstalt (JVA) in Deitingen ohne Strom. Kein Licht, kein Telefon, blockierte Zellentüren. Grund für den Ausfall waren Baugeräte, die das Netz überlasteten. Doch zu allem Überfluss passierte auch noch, was niemals passieren sollte: Im Knast versagte die Notstromversorgung, die Aggregate sind nicht angesprungen.

Im Gefängnis ging die Sache so weit glimpflich aus: Weil sich die – eigentlich vollautomatischen – Zellentüren auch mechanisch bedienen lassen, konnten die Häftlinge trotzdem in ihren Zellen eingeschlossen werden.

In der Nacht auf Sonntag fiel dann erneut der Strom aus. Doch auch hier soll die Sicherheit gewährleistet gewesen sein. Die Mitarbeitenden vor Ort konnten die Notstromversorgung nach rund 15 Minuten in Betrieb nehmen.

An anderen Orten wäre ein Ausfall der Notfallstrom-Aggregate jedoch mehr als fatal: in einem Spital etwa, wo es um Leben und Tod geht. In ihren Häusern sei die Stromversorgung während eines Unterbruchs denn auch vollständig gewährleistet, versichert die Solothurner Spitäler AG. Motoren und Generatoren bilden im Ernstfall kleine Kraftwerke und übernehmen dann die gesamte Stromversorgung. «Fällt der Strom aus, steigen die Maschinen in den Operationssälen sofort auf Batteriebetrieb um», sagt Sprecher Eric Send auf Anfrage.

Nach wenigen Sekunden übernehmen Diesel-Generatoren den Betrieb. In Bereichen mit lebensnotwendigen Maschinen gibt es zudem Mehrfachsicherungen, auch mit Batterien. Konkrete Zahlen gibt es beim Spital Langenthal: Für ihre Notstrom-Generatoren verfügt die Klinik über 50 000 Liter Dieselvorrat. Zwei zusätzliche Tanks fassen je 2000 Liter – so viel, wie bei einem Stromausfall an einem Tag verbraucht würden. Die Notfall-Technik in den öffentlichen Spitälern muss regelmässig überprüft werden; Batterien, mit denen die Zeit bis zur Aktivierung der Generatoren überbrückt wird, werden einmal im Monat getestet. Wie oft Notfall-Aggregate in hiesigen Gefängnissen geprüft werden müssen, ist nicht bekannt. Beim Solothurner Amt für Justizvollzug war gestern Samstag niemand erreichbar.

Auch die kantonale Alarmzentrale greift auf Notstrom-Systeme zurück. Doch längst nicht alle öffentlichen Institutionen sind derart gut versorgt. Wo nicht mit Notfällen oder Sicherheitsproblemen zu rechnen ist, lohnt sich ein Notstrom-System kaum – zu selten ist die Zahl der Stromausfälle.