Am Donnerstag Abend wurden in Zürich die Gewinner und die Gewinnerin des 22. vfg Nachwuchsförderpreises für Fotografie gekürt. Dieser Fotopreis wird seit 1996 jährlich von der Vereinigung fotografischer Gestalterinnen und Gestalter (vfg) ausgeschrieben. Der Award gilt als Sprungbrett, Motivator und Reflexionsplattform für junge in der Schweiz lebende Nachwuchsfotografinnen und Fotografen.

Die Mitglieder der diesjährigen Jury wurden wie jedes Jahr paritätisch aus Frauen und Männern aus dem In- und Ausland zusammengestellt. Es waren: Carolle Bénitah, Fotografin, Marseille; Daniel Blochwitz, Kurator und künstlerischer Leiter der photo basel, Zürich; Thomas Elsen, Kurator der Kunstsammlung Augsburg, Augsburg; Alexandre Jaquemet, Fotograf, Erlach; Sandra Kennel, Fotografin, Zürich.

Der erste Preis ging an Simon von Gunten aus Solothurn mit «Cutis». «Es ist schon schön, Anerkennung für die persönlichen Arbeiten zu bekommen», gibt sich der Künstler bescheiden. Für seine Berufsarbeiten bekommt er Lohn und auch mal ein Lob des Arbeitgebers. Für Projekte seiner Freizeit Anerkennung zu erhalten, sei aber schon nochmal etwas anderes: «Das sind die Projekte, die mich am meisten interessieren und mir auch am wichtigsten sind.» Gleichzeitig zeige dieser Preis auch, wo man in der Welt der Fotografie gerade stehe.

In seinem Langzeitprojekt porträtiert von Gunten Menschen unter Ultraviolett-Licht. Damit will er die Begrenztheit der menschlichen Wahrnehmung aufzeigen. «Mit der Kamera sieht man mehr, als von blossem Auge. Diese Funktionen werden aber normalerweise ausgeblendet, weil man gewisse Dinge eben gerade nicht sehen will», so der Künstler. Von Gunten zeigt Aspekte und Perspektiven auf, die jederzeit vorhanden sind, unter normalen Umständen aber nicht wahrgenommen werden können. Die abgelichteten Personen sind dabei weder geschminkt noch wurde nachträglich digital inhaltlich irgendetwas retouchiert.

Schon seit sieben Jahren

Was 2012 als technische Spielerei begann, hat sich zu einem richtigen Hobby des Künstlers entwickelt, das ihn über Jahre begleitet. «Mich interessiert der Mensch und seine Geschichte, die sich auf seiner Haut niederschlägt», erzählt von Gunten. Die Kamera sei dabei nur das technische Hilfsmittel, nie der Hauptzweck. «Ich möchte über das reine Ausschlachten der Technik hinausgehen und Geschichten erzählen.» So sei ein weiteres Hauptziel des Projekts, Einblicke in die Lebensgeschichte der Porträtierten zu geben. «Alltägliche Gewohnheiten, meist in Zusammenhang mit dem Verhalten an der Sonne, werden ebenso offensichtlich wie schicksalhafte Ereignisse (Krankheiten, Unfälle) oder bewusste Manipulationen des eigenen Körpers», schreibt von Gunten zu seinem Werk.

Und so hat von Gunten in den letzten Jahren, während sich die Technik stetig verbesserte, immer mehr Menschen unter UV-Licht porträtiert. Das momentane Augenmerk liegt auf dem Aspekt «Alter». Von Gunten begleitet Menschen verschiedenen Alters und fotografiert sie in zeitlichen Abständen. Das Spektrum reicht von einem Kind bis zu einer 96-jährigen Person. Der Solothurner kann sich aber auch vorstellen, andere Aspekte in den Vordergrund zu rücken, beispielsweise Personen unterschiedlicher Hauptfarben. Und ein Ende des Projekts ist auch nach sieben Jahren nicht in Sicht. So spielt der Künstler bereits mit der Idee, einmal ein Buch mit all seinen Werk herauszugeben. 

Der zweite Platz des Nachwuchsförderpreises ging an Christian Indergand aus Silenen mit «Sagen aus Uri», und der dritte Rang wurde Karla Hiraldo Voleau aus Lausanne mit «Hola Mi Amol» zugesprochen. Bis am 7. Oktober sind die Arbeiten in der Photobastei in Zürich zu sehen.

Weitere Infos finden sich auf der Website des Künstlers. (rka/mgt)