Ärztenetzwerke
Warum Solothurns vernetzte Ärzte für weniger hohe Prämien sorgen

Die Managed-Care-Pionierin Argomed Ärzte AG rechnet vor, wie viel Solothurner Prämienzahler sparen. Seit der Lancierung der Hausarztmodelle sind das rund 137,5 Millionen Franken.

Simon Binz
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Rund 24 Prozent der Solothurner Bevölkerung sind bei den drei Solothurner Ärztenetzwerken im Managed-Care-Modell versichert.

Rund 24 Prozent der Solothurner Bevölkerung sind bei den drei Solothurner Ärztenetzwerken im Managed-Care-Modell versichert.

Keystone

Die Argomed Ärzte AG mit Sitz in Lenzburg ist die grösste ärztliche Managed-Care-Organisation der Schweiz. Seit 1998 haben sich ihr 19 Ärztenetze aus den Kantonen Solothurn, Aargau, Zug, Bern und Luzern mit rund 725 Ärzten und 430 000 Versicherten angeschlossen. Nach 16 Jahren als Betriebsgesellschaft wollte man wissen, wie sich die Hausarztmodelle für die Versicherten wirklich rechnen.

Das Resultat ist erstaunlich: In den Jahren seit der Gründung konnten die Versicherten in den Argomed-Netzen etwas mehr als eine Milliarde Franken an Krankenkassenprämien einsparen. Nicht minder beeindruckend sind auch die Zahlen für den Kanton Solothurn: Seit Lancierung der Hausarztmodelle im Kanton (zirka 2008) sparten Versicherte rund 137,5 Mio. Franken ein.

Einsparungen nur ein Vorteil

Wie kommt man auf die Summen? Die Zahl der in Hausarztmodellen Versicherten ist bekannt, sie ist bei Argomed von 35 000 auf heute über 430 000 gestiegen (Solothurn 887 auf 63 100). Für die Berechnung hat man sich an die vom Bundesamt für Gesundheit ermittelten Durchschnittsprämien gehalten und ist beim Prämienrabatt von einem Durchschnittswert von 13 Prozent ausgegangen.

So kommt man auf eingesparte Prämien zwischen knapp elf Millionen beim Start und über 266 Millionen im laufenden Jahr (Solothurn zwischen 0,39 Mio. und 37,1 Mio.). Allein in den Argomed-Netzen wohlgemerkt. Laut der Betriebsgesellschaft lassen sich, bei landesweit 1,7 Millionen Versicherten in Hausarzt- und HMO-Modellen, die Einsparungen in den letzten 15 Jahren auf vier bis fünf Milliarden hochrechnen.

Für Karl Züger, Argomed-Geschäftsführer, ist damit der Beweis erbracht: Managed Care ist nicht nur für die Patienten ein Erfolgsmodell, damit werden auch effektiv Gesundheitskosten eingesparrt. Denn: Die Prämienrabatte werden nicht über die Prämien der «normal» Versicherten quersubventioniert, die auf die freie Arztwahl bestehen. Jedenfalls nicht in echten Managed-Care-Modellen (vgl. Box).

Solothurner Ärztenetzwerke

Insgesamt sind drei Ärztenetzwerke aus dem Kanton Solothurn teil von Argomed: Die Hausärzte Region Solothurn (Hareso) AG mit 83 Grundversorgern; das Ärztenetz der Region Olten (Anro) AG mit 45 Grundversorgern sowie 12 Spezialisten und schliesslich das Ärztenetzwerk Äusseres Wasseramt (Anewa) mit 20 Allgemeinmedizinern das kleinste im Kanton. Rund 24 Prozent der solothurnischen Bevölkerung sind bei den drei Netzwerken in MC-Modellen versichert, diese Zahl liegt laut Heinrich Zürcher, Leiter Kommunikation bei Argomed, über dem Schweizer Durchschnitt. «Deutlich darüber liegen die Ostschweizer Kantone, während die Romandie, die Innerschweiz und das Tessin deutlich darunter liegen.»

Eine Anfrage bei den Solothurner Netzwerken zeigt: Das Modell erhält steten Zulauf. Judith Husi, Präsidentin der Anro AG, liefert zur Entwicklung ihres Netzwerks einige Zahlen: Zurzeit werden im Oltner Netz rund 20 000 Versicherte betreut. 2012/13 seien 1000 hinzu gekommen; 2011/12 waren es 4000. «Potenzial wäre immer noch viel vorhanden, die Versichertenzahlen werden aber in Zukunft sicher nicht mehr im bisherigen Mass zunehmen», prognostiziert die Hausärztin. Zwar hätten mittlerweile alle grösseren Krankenversicherungen mit der Anro AG Netzwerk-Verträge abgeschlossen, trotzdem gebe es sicher immer noch viele Personen, die die Hausarztversicherung nicht kennen würden, «oder sie von ihrem Krankenversicherer gar nicht erst angeboten bekommen.»

Der «urschweizerische Effekt»

Im Gegensatz zu Judith Husi glaubt Andreas Schoepke, Hareso-Präsident und Hausarzt in Solothurn, dass die Zahl der MC-Versicherten weiterhin zunehmen wird: «Mit zunehmendem Hausärztemangel werden MC-Patienten präferenziert überhaupt einen Hausarzt finden.» Dieses Versorgungselement werde nebst den Kosteneinsparungen und der Qualitätssicherung im Kontext der integrierten Versicherung einer der wichtigsten MC-Treiber werden. Zudem habe die Zunahme von MC-Versicherten auch nach der Ablehnung der MC-Vorlage im Juni 2012 nicht abgenommen, so Schoepke. Der Grund dafür, dass nicht noch mehr Schweizer im MC-Modell versichert sind, sieht er im Zusammenhang mit dem «urschweizerischen Effekt». «Der Schweizer lässt sich einfach nicht gerne führen.» Darum sei damals auch die Managed-Care-Vorlage so klar abgeschmettert worden. «Das Motto der Gegner (für die freie Arztwahl Anm. d. Red.) war der Killerslogan schlechthin», so Schoepke. Dabei stimme das gar nicht: «Ein Patient, der im MC-Modell versichert ist, kann innerhalb eines Netzes irgendeinen Arzt auswählen.» Ausserdem würden bei einem Ärztenetzwerk alle Patienten – egal wie versichert – im gleichen Sinne behandelt. Es sei gar nicht möglich, bei jedem Patienten umzuschalten. «Von den Qualitätszirkeln profitieren also alle, das ist der Trittbrettfahrereffekt.» Auf Nachfrage erklärt der Hausarzt: «Trittbrettfahrer sind insbesondere diejenigen Krankenkassen, die eine sogenannte Hausarztversicherung anbieten, jedoch ohne mit den Ärztenetzen Verträge abzuschliessen.» Einzelne Versicherungen würden so versuchen, gratis von Zusatzleistungen der Hausärzte zu profitieren. «Ihre Versicherten kommen dann auf die Welt, wenn die Kassen es ablehnen, ohne Überweisungsmeldung Kosten zu übernehmen.»Mitarbeit: Urs Moser

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