Amtsgericht Olten-Gösgen

War der Überfall auf die Raiffeisenbank wirklich ein Raub?

Bankräuber-Trio vor Gericht

Bankräuber-Trio vor Gericht

Heute stand die dreiköpfige Bande in Olten vor Gericht, nachdem sie im April 2018 die Raiffeisenbank in Däniken überfallen hatte. Die Bankräuber erbeuteten knapp 14’000 Franken. Einen weiteren Bank-Überfall sollen die Angeklagten zudem geplant haben.

Die Raiffeisenbank in Däniken wurde im April 2018 überfallen. Drei Kriminaltouristen sind die mutmasslichen Täter. Ihr Fall wurde am Montag vor dem Amtsgericht Olten-Gösgen verhandelt. Die Pflichtverteidiger zweifelten indes Beweismaterial an, sodass die Verhandlung unterbrochen werden musste.

Ein Banküberfall, ein nicht durchgeführter Coup, drei Beschuldigte und ein Geständnis. Mit dieser Ausgangslage beginnt am Montagmorgen am Amtsgericht Olten-Gösgen der Prozess gegen drei Kriminaltouristen aus Deutschland. Später am Nachmittag zieht sich das Gericht zur Beratung zurück, um die Verhandlung schliesslich zu vertagen. Grund: Es ist nicht ersichtlich, ob die Protokolle zahlreicher abgehörter Telefongespräche rechtmässig erstellt wurden und vor Gericht verwendbar sind.

Alle drei Pflichtverteidiger monieren, dass die in Deutschland erstellten Protokolle nicht verwendet werden dürfen, weil Identität und Neutralität der zugezogenen Dolmetscher nicht zweifelsfrei gegeben seien. Die Protokolle bilden das Fundament der staatsanwaltschaftlichen Überzeugung. Die anstehende Prüfung ist die Aufgabe der Staatsanwaltschaft und wird Zeit in Anspruch nehmen. Die Beteiligten sollen am Dienstag über den weiteren Verlauf des Verfahrens informiert werden. Dies vor dem Hintergrund der Anträge der drei Verteidiger, die auf Freispruch und unverzügliche Haftentlassung lauten.

Beim Überfall 13´750 Franken erbeutet

Zum Banküberfall. Am 5. April 2018, 10.50 Uhr betritt Miran B.* die Schalterhalle der Raiffeisenbank in Däniken. Das Gesicht mit einem Mundschutz verdeckt, schreitet er vor die Bankangestellte, legt seinen Rucksack auf den Tisch und sagt: «Geld, Geld.» Die Bankangestellte reagiert erst, als B. die Worte in verschärftem Ton wiederholt. Sie löst den stillen Alarm per Tastenkombination aus, die wiederum die automatische, zeitverzögerte Herausgabe der Summe von 13ˋ750 Franken zur Folge hat. Ein zweiter Bankangestellter kommt hinzu, und die erste Bankangestellte verstaut das Geld im Rucksack. Ob die Beute grösser hätte ausfallen können, wenn B. denn darauf gedrängt hätte, bleibt offen. An diesem Morgen jedenfalls «programmierte» die Raiffeisenbank für einen möglichen Überfall 13ˋ750 Franken. Miran B. umgeht das Risiko, auf die eventuell alarmierte Polizei zu treffen, indem er mit dem «Spatz in der Hand» das Gebäude verlässt.

Zum nicht durchgeführten Coup. Am 30. April 2018 halten sich die mutmasslichen Komplizen von B., Adam V.* und Kamil T.*, unter anderem in Basel, Muttenz und Pratteln auf, um, so glaubt die Staatsanwaltschaft, «geeignete Objekte für einen oder mehrere Raubüberfälle» auszukundschaften. Sie verlassen die Schweiz gleichentags, ohne einen Raub verübt zu haben. Am darauffolgenden 3. Mai reisen die beiden «Touristen» polnischer Herkunft abermals Richtung Schweiz, dieses Mal sitzt auch Miran B. im Auto. Er steigt vor der Grenze jedoch aus, Adam V. und Kamil T. fahren alleine weiter. Was sie nicht wissen: Sie werden von der deutschen Polizei observiert, und nach der Grenzüberfahrt übernehmen die Kollegen von der Schweizer Polizei. In Liestal werden V. und T. angehalten und festgenommen. Der Kroate Miran B. wird später in Deutschland festgenommen und an die Schweiz ausgeliefert.

Zum Geständnis. Das Überwachungsvideo der Raiffeisenbank Däniken führt zu Miran B., der im Zug der Ermittlungen ein entsprechendes Geständnis ablegt. Allerdings gibt er an, alleine gehandelt zu haben, während die Staatsanwaltschaft der Überzeugung ist, dass Adam V. und Kamil T. mit im Boot sitzen respektive mit B. in einem Auto nach Däniken fuhren, um den Raub durchzuführen.

Die Staatsanwaltschaft wertet diesbezüglich die ausgewerteten Handyverbindungsdaten als Beweis. Von Adam V. und Kamil T. gibt es kein Geständnis. V. gibt einzig zu, am 3. Mai alkoholisiert gewesen zu sein und sich von T. in die Schweiz chauffieren liess, um «etwas zu machen». Davon habe er T. aber nichts verraten. In Basel habe er dann beschlossen, kein Ding zu drehen und heimzukehren – ein Unterfangen, das die Polizei vereitelte. Vor dem Amtsgericht Olten-Gösgen haben die drei Beschuldigten nicht viel zu sagen; sie verweisen vorwiegend auf die gemachten Aussagen im Ermittlungsverfahren.

Raub ist nicht gleich Raub

Die Anklage der Staatsanwaltschaft lautet auf «qualifizierter Raub (bandenmässig) sowie strafbare Vorbereitungshandlungen zu qualifiziertem Raub (bandenmässig)». Die geforderten Strafmasse: 8 Jahre und 9 Monate für Miran B., 8 Jahre für Adam V., 5 Jahre und 9 Monate für Kamil T. Der Tatbestand des bandenmässigen Raubs wird von der Verteidigung durchweg in Abrede gestellt. Interessant ist, dass die Verteidigung selbst beim geständigen Miran B. den Tatbestand des Raubs nicht für gegeben anerkennt.

Die blosse Anwesenheit seines Mandanten und die Worte «Geld, Geld» reichten dazu nicht aus, zumal weder verbale noch körperliche Gewalt angewendet worden sei. Und die Tatsache, dass der Beschuldigte seine rechte Hand in der Jackentasche hielt, beweise nicht, dass er darin eine Waffe versteckte. Was suggeriert, dass sich die Bankangestellte offenbar vorauseilenden Gehorsam vorwerfen lassen muss. Bleiben die Fragen: Wann ist eine Bedrohung eine Bedrohung? Wann ist ein Raub ein Raub?

Meistgesehen

Artboard 1