Im Kanton Solothurn ist einer der seltensten Käfer der Schweiz zu Hause: die Osmoderma eremita, zu Deutsch, der Juchtenkäfer. Pro Natura Solothurn hat sich des vom Aussterben bedrohten Käfers angenommen.

Letztes Jahr sprach der Lotteriefonds des Kantons dem Naturschutzverband einen Beitrag von 10 000 Franken zu, um ein Artenschutzprojekt für den Juchtenkäfer zu lancieren. Jetzt, rund ein Jahr später hat Pro Natura das Projekt abgeschlossen und kann Resultate vorweisen.

«Wir wollen den Käfer schützen, weil er wichtig ist für die Biodiversität», sagt Lea Kamber, Leiterin des Artenschutzprojektes von Pro Natura. Er sei aber ein sehr anspruchsvolles Tier und dessen Schutz deshalb schwierig und aufwendig.

Das Ziel des Artenschutzprojektes war, die Juchtenkäfer und andere gefährdete Totholzkäferarten im Kanton zu suchen und allfällige Brutbäume zu identifizieren. «Mit den 10 000 Franken aus dem Lotteriefonds konnten wir 15 Tage intensive Suche finanzieren», sagt Kamber.

Sie und ihr Team fanden einen neuen Standort des Juchtenkäfers. «Wir haben zwei Larven und viele Eier gefunden», sagt die Projektleiterin. Der Baum steht auf einem Privatgrundstück in Solothurn. Der genaue Standort wird aus Schutzgründen nicht genannt.

Somit gibt es in der Stadt nun zwei Käfer-Standorte. So konnte der bereits 1999 an der Steinbrugg-Allee festgestellte Standort vom Pro Natura Team erneut bestätigt werden. «An der Steinbrugg-Allee fanden wir haufenweise frischen Kot. Anderseits ist der Standort an der Fegetz-Allee erloschen, der Baum wurde gefällt», sagt Kamber.

Plakate nahe den beiden alten Standorten sollten die Bevölkerung auf den Juchtenkäfer aufmerksam machen. «Da der Käfer nur wenige Tage seines Lebens fliegen kann, ist es so schwierig, ihn zu sichten», erklärt Kamber.

Die Pro Natura sei deshalb sehr froh um Mithilfe der Bevölkerung. «Wir haben sehr viele Meldungen erhalten. Leider hat niemand einen Juchtenkäfer gesehen, sondern ihn stets mit anderen Totholzkäfern verwechselt.»

Netzwerk wäre überlebenswichtig

Der neu gefundene Standort ist ein alter Baum, der bald absterben wird. «Zum Glück steht in nächster Nähe ein anderer geeigneter Baum, der noch lebt», sagt Kamber. So werden die Käfer ein neues Zuhause finden, wenn der jetzige Standort ausgedient hat.

Doch Lea Kamber weiss, dass dies nicht genug ist: «Nur ein Baum ist quasi für nichts». Wolle man das Überleben der Juchtenkäfer sichern, brauche es mehr als nur einzelne Standorte. «Man muss ein Netzwerk an Brutbäumen schaffen, ein lokal eingeschränkter Schutz ist nicht nachhaltig», sagt sie.

Heuer ist die aktualisierte Rote Liste des Bundesamtes für Umwelt (Bafu) erschienen. 56 Prozent der Totholzkäfer stuft das Bafu als gefährdet oder potentiell gefährdet ein – den Juchtenkäfer gar als «vom Aussterben bedroht».

Sein Vorkommen ist nur in vier Kantonen bestätigt: in Solothurn, Basel, Genf, Waadt und Graubünden. Das Bafu hat erstmals Schutzmassnahmen und Empfehlungen formuliert.

«Unser Projekt läuft nun aus und ein weiteres ist nicht geplant. Ich hoffe, dass Stadt und Kanton sich unsere Resultate und die Anweisungen des Bafu zu Herzen nehmen und den Schutz des Juchtenkäfers weiter verfolgen», sagt Kamber.