Gut, verfügt das Kunsthaus Grenchen über einen Neubau und die Villa Girard, sodass hier gleich zwei sehr unterschiedliche Ausstellungen auf einmal präsentiert werden können. Es geht in der Schau im Neubau um das Porträt. «Prominent? – Andy Warhols ‹Goethe› und andere Berühmtheiten» lautet hier die Überschrift; in der alten Villa geht es um die 100-jährige Geschichte der Schweizerischen Graphischen Gesellschaft SGG.

Der Zusammenhang beider Ausstellungen ergibt sich, weil man in der Porträt-Ausstellung von Andy Warhols «Goethe»-Serigraphie-Druck ausgeht, welcher der Stiftung Kunsthaus Grenchen gehört. Und weil es sich damit um eine der prominentesten Druckgrafiken handelt, die international zu finden sind. Und genau der Förderung dieser Kunstform hat sich die Schweizerische Graphische Gesellschaft SGG seit 100 Jahren verschrieben.

In der «Porträt»-Schau zeigt Kunsthaus-Leiterin Claudine Metzger unterschiedlichste Positionen zum Porträt. Hervorstechend ist neben dem schon erwähnten Warhol-Bild die Dokumentation seiner Arbeit für eine Wiener U-Bahn-Station von Yves Netzhammer. Ausgehend von Proportionen und Mustern, welche heute zur Gesichtserkennung per Computer eingesetzt werden, hat Netzhammer diese Arbeit geschaffen. Wer die Rolltreppe dieser U-Bahn-Station nutzt, wird von immer wieder neu auftauchenden und kombinierten Gesichtern «überwacht».

Porträts von Prominenten gibt es auch von Markus Raetz oder Ian Anüll zu entdecken. Sich selbst prominent und bis zur Schmerzgrenze in Szene gesetzt hat Pipilotti Rist mit ihrem Video «Open my Glade». Eine neue Dimension der Porträtmalerei hat hingegen Tobias Gutmann gefunden. Mit seinem selbst entwickelten «Face-o-mat» porträtiert der Künstler Passanten überall auf der Welt. Es werden allerdings eher Gesichtsinterpretationen als Abbilder, sie stimmen dennoch verblüffend mit den Porträtierten überein. Gutmann ist im Kunsthaus Grenchen am 16. September selbst vor Ort und malt die Besucher.

Mit dem Kunstmuseum Olten

Das Kunsthaus Grenchen wurde 2016 als Mitglied in die Schweizerische Graphische Gesellschaft SGG aufgenommen. Vor 100 Jahren wurde diese Vereinigung gegründet, um zeitgenössische und vornehmlich schweizerische Originalgrafik zu fördern. Seit Bestehen werden Künstler eingeladen, eine Edition auszuarbeiten, welche dann an die auf 125 beschränkte Anzahl Mitglieder vergeben werden. Das Kunstmuseum Olten ist schon seit Beginn Mitglied bei der SGG und kann daher in seinem Fundus auf alle Künstlereditionen zurückgreifen. So kam es zur Kooperation zwischen Olten und Grenchen, da es der Wunsch der SGG ist, mittels Ausstellung ihrer Editionen auf die 100-jährige Geschichte aufmerksam zu machen.

Die Graphische Sammlung der ETH Zürich ist auch Bewahrerin des Archivs der Druckplatten. Eigentlich war beschlossen, die zum Druck benötigten Platten danach zu vernichten, um die Exklusivität der jeweiligen 125er-Auflage zu gewährleisten. Dieser Beschluss wurde später geändert: Die Platten sollen nicht zerstört, jedoch nach dem ersten Druck 50 Jahre lang nicht gebraucht werden. Zu sehen ist in der von Anna Leibbrandt kuratierten Schau die ganze Bandbreite Schweizer Kunstschaffender der vergangenen 100 Jahre. Darunter Arbeiten prominenter Künstler wie Paul Klee, Jean Tinguely oder Alberto Giacometti.

Beide Ausstellungen laufen bis zum 28. Oktober. www.kunsthausgrenchen.ch/