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«Vegan ist heute viel trendier als früher» – Oltnerin macht beim «Veganuary» mit

Weltweit mehr als eine Million Menschen ernährt sich im Rahmen des «Veganuary» vegan. Die 24-jährige Marlene Fischer aus Olten ist auch dabei. Ihre grösste Motivation dazu ist der ressourcenschonende Aspekt.

Nadja Senn
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Hoch im Kurs bei Marlene Fischer: Veganer Camembert.

Hoch im Kurs bei Marlene Fischer: Veganer Camembert.

Nadja Senn

Vielerorts sieht man sie: Plakate, welche die Veganuary-Challenge anpreisen – die Challenge, sich einen Monat lang vegan zu ernähren. Die Entscheidung, beim Veganuary mitzumachen, traf auch die junge Oltnerin Marlene Fischer – und zwar eher zufällig: «Mein Freund und ich machen sonst immer beim ‹Dry January› mit, verzichten also einen Monat lang auf Alkohol. So stolperte ich auf Social Media über den Begriff Veganuary.» Das Paar, welches normalerweise gerne mal ein Glas Wein mit Käse geniesst, entschied sich dazu, im Januar die doppelte Her­ausforderung anzunehmen: einen Monat lang keinen Alkohol und eine pflanzenbasierte Ernährungsweise.

Als grösste Motivation führt die 24-jährige Umweltgeologin den ressourcenschonenden Aspekt an: «Es ist effizienter, pflanzliche Sachen direkt zu essen, als diese vorgängig durch ein Tier gehen zu lassen.» Als weiteres Argument nennt die ehemalige Umweltnaturwissenschaftsstudentin den positiven Effekt auf das Klima. Die vegetarische Ernährungsweise gehe ihr eigentlich zu wenig weit, «da beispielsweise Käse eine sehr schlechte Ökobilanz aufweist». Auch hinter der heutigen Massentierhaltung stehe sie nicht.

«Das Homeoffice macht es einfacher»

Gegen die vegane Ernährung sprach für Marlene bis anhin der soziale Aspekt. «Ich bekomme ungern eine Extrawurst oder falle meinem Umfeld zur Last.» Schliesslich liesse bereits die vegetarische Ernährung viele ratlos darüber, was sie kochen sollten. Während des Veganuarys falle dies weniger auf – weil viele selbst mitmachten, vegan kochten und das Ganze irgendwie «cool» sei.

Marlenes Umfeld ist für gewöhnlich nämlich nicht wirklich vegan geprägt – eher im Gegenteil. Sie arbeitet in der Baubranche, wo bereits die vegetarische Ernährung auf Erstaunen stösst. Auch ihr Vater sei der Grillitarier schlechthin: «Sein Highlight ist ein schönes Rindsfilet vom Grill.» Auch dies sei mit ein Grund, weshalb sie so etwas wie den Veganuary bisher noch nie ausprobiert habe. «Die Vorstellung, wie mein Papa mir Tofu brät, der traurig in der Pfanne liegt, weil man Vater nicht weiss, was er damit anfangen soll, hielt mich bis jetzt davon ab.»

Beizen auf dem Land sind eine Hürde für Veganer

Dass die Oltnerin die neue Herausforderung annahm, wurde durch Corona begünstigt: Die Take-aways und Restaurants, welchen ihren Arbeitsort unmittelbar umgeben, führen zwar fast kein vegetarisches, geschweige denn veganes Angebot. Da sich die Umweltgeologin momentan aber im Homeoffice befindet, hat sie Zeit und Lust, selber zu kochen. Aufgrund der Arbeit von zu Hause wurde sie auch noch nicht mit den Reaktionen der Mitarbeiter auf ihre Nahrungsumstellung konfrontiert. «Im Verlauf des Monats kommen da aber vielleicht noch einige Reaktionen», meint sie schmunzelnd.

Eine Hürde für Veganerinnen und Veganer sieht die im Bausektor arbeitende Marlene immer noch bei Beizen auf dem Land. Dort gebe es oft nur ein bis zwei Menüs, und man könne froh sein, wenn einem noch eine Rösti vom Vortag gebraten werde. Noch zu fragen, ob diese statt mit Butter mit Öl angebraten werde und auch Käse und Ei weggelassen werden könnten, sei für sie eher schwierig – besonders dann, wenn das Restaurant voll sei.

«Vegan ist heute viel sexier als früher»

Die vegane Ernährungsweise stellte für Marlene, die seit rund 10 Jahren vegetarisch isst, keine allzu grosse Umstellung dar. Bereits vor dem Veganuary las sie von Verpackungen die Zutaten der Lebensmittel ab, nahm zusätzlich Vitamin B12 und Eisen ein und achtete auf eine genügende Proteinzufuhr. Zuhause kochte sie schon öfter vegan. Produkte wie Milch und Käse substituierte sie jedoch nicht, sondern gönnte sich diese bewusst

Zuhause vegan und auswärts vegetarisch

Im Rahmen des Veganuarys habe sie aber festgestellt: vegan sei heute, mit den nährstoffreichen und gut schmeckenden Ersatzprodukten viel attraktiver als früher. Zu Marlenes derzeitigen Favoriten gehören die vegane Butter «Flora Plant», der «New Roots»-Camem­bert, die «Fleisch»-­Produkte von «Planted». In der Region empfiehlt die Oltnerin besonders die «Marktecke» in Olten und für die Glace im Sommer die «Kalte Lust» oder das «Rubi’s».

Bereits nach den ersten Tagen ihres Veganuarys könne sie sich gut vorstellen, sich zukünftig zu Hause komplett vegan und auswärts vegetarisch zu ernähren.

Sechs Tipps für den Veganuary

Ist die vegane Ernährungsweise wirklich gesund? Ja, meint die Ernährungsberaterin der Solothurner Spitäler AG, Rahel von Felten: Mit einer gut geplanten und supplementierten veganen Ernährung könnten der Energie- und Nährstoffbedarf des Körpers abgedeckt werden.Falls Sie den Veganuary probieren wollen, sollten Sie laut von Felten folgende Tipps beachten:

1. Supplementieren Sie Vitamin B12.

2. Achten Sie auf eine ausreichende Zufuhr von Proteinen und kombinieren Sie die pflanzlichen Proteinlieferanten untereinander.

3. Den Calciumbedarf decken Sie ab, indem Sie täglich 3 Portionen eines calciumreichen Nahrungsmittels zu sich nehmen.

4. Kombinieren Sie pflanzliche Eisenlieferanten (Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, grüne Gemüse, Dörrfrüchte) mit Vitamin-C-reichen Nahrungsmitteln.

5. Essen Sie täglich eine Portion Nüsse, Samen oder Kerne, welche reich an Mikronährstoffen wie Eisen, Zink oder Selen sind.

6. Achten Sie auf eine tägliche Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren (Rapsöl, Leinsamen, Walnüsse). Übersicht: Nadja Senn