Utzenstorf
Nicht nur im Berndeutschen ein Weltstar: Das Dorftheater führt Mani Matter auf

Das Dorftheater Utzenstorf macht Texte von Troubadour Mani Matter noch bis am 1. Oktober lebendig.

Gundi Klemm
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«Im Löie z Nottiswil», aufgeführt in Utzenstorf.

«Im Löie z Nottiswil», aufgeführt in Utzenstorf.

Charles Benoit

Sehr viele Menschen hierzulande kennen Mani Matter und lieben seine Chansons. Am 4. August wäre der ausgebildete Jurist, Rechtskonsulent der Stadt Bern und Oberassistent an der Uni, Hans Peter, genannt Mani Matter, 85 Jahre alt geworden, wenn er nicht im November 1972 bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen wäre.

Charles Benoit, mit elf Produktionen sozusagen Hausregisseur im just 30 Jahre bestehenden Dorftheater Utzenstorf, hat früher mit Matter an Hörspielen gearbeitet und ist seither mit dessen literarischen Texten aus dem «Rumpelbuch» und den «Sudelheften» vertraut. «Nicht nur im Berndeutschen ist Mani Matter ein wahrer Weltstar», ist Benoit überzeugt.

Texte ins Hochdeutsche übersetzt

Etliche Texte übersetzte Benoit für die insgesamt zehn Aufführungen der Textsammlung unter dem Titel «Im Löie z’ Nottiswil» ins Hochdeutsche. Es handelt sich um Dialoge, Gespräche zu dritt und Monologe, die in Alltagssprache fein gewirkt den Matter’schen Geist erleben lassen.

Ganz ohne falsches Pathos beleuchtet er Gegebenheiten des Lebens, die er mit fast stoischer Ruhe, mit augenzwinkerndem Humor, mit philosophischem Tiefsinn und einem liebenswürdigen Hang zum Absurden umgibt.

Auf der sparsamst ausgestatteten Bühne gewinnt seine nüchterne Sprache eine fesselnde Faszination, mit der das Publikum die Auftritte von Milva Bürki, Andreas Eberhard, Ruedi Eggenschwiler, Margrit Glanzmann und Matthias Klopfenstein, Martin Schärer und Rosemarie Steiner begleitet.

Das Memorieren der 14 Beiträge, die alle Mitwirkenden jetzt so selbstverständlich und sicher präsentieren, erforderte intensive Arbeit. Dem Urteil des Regisseurs, das Dorftheater sei einfach «ein traumhaftes Team», wird das Auditorium, das sich gelegentlich vermutlich auch an Szenen von Loriot erinnert fühlt, gerne zustimmen.

Vom genussvollen Schmunzeln

Die 14-teilige Szenenfolge gibt keinen Anlass zu schenkelklopfenden Lachsalven, sondern eher zum genussvollen Schmunzeln. «I ha nech’s ömel de gseit», redet ein Akteur im «Protäscht» um alles, was ihn so aufregt, konsequent herum.

Ein wunderbarer Zungenbrecher ist das «Chinderspil», die Beschreibung des Doppelbetts, das eigentlich ein Etagenbett ist, oder das Gedicht über Herrn Kuenz und seine fehlenden Haare. Kleine Dramen mit Aggressionspotenzial schildern die Stuhl-Geschichte, der Einbruch, der Mörder im Park und die Auseinandersetzung zwischen Metzger und Antiquar.

Bei manchen Sequenzen spürt man fein dosierte Satire wie etwa beim Polizeiverhör oder der prächtig aufgeblasenen Design-Stuhl-Besichtigung wie auch mit «Sokrates im Café».

Im Spiel von Thanusanth Vijayakumar auf der klassischen Gitarre erhält der Theaterabend eine geradezu hinreissende Ergänzung.

Aufführungen im reformierten Kirchgemeindehaus bis am 1. Oktober.