«Burglind»
«Ununterbrochener Hochbetrieb» nach Sturm: Die Gebäudeversicherung hat es mit 3000 Schadensmeldungen zu tun

3000 Schadenmeldungen sind nach dem Sturm Burglind bei der Solothurner Gebäudeversicherung eingegangen. Die Schadensumme erreicht 10 Millionen Franken.

Urs Mathys
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Einer von 3000 Fällen: Von «Burglind» beschädigtes Hausdach in Neuendorf.

Einer von 3000 Fällen: Von «Burglind» beschädigtes Hausdach in Neuendorf.

Bruno Kissling

«Ausnahmezustand» bei der Solothurnischen Gebäudeversicherung (SGV): Seit Wintersturm «Burglind» am 3. Januar machtvoll auch über den Kanton Solothurn hinweggefegt ist, herrscht auf der Versicherungsabteilung laut SGV-Direktor Markus Schüpbach «ununterbrochener Hochbetrieb».

Das Team von 45 Schätzungsexperten, das seither im Einsatz steht, müsse zusätzlich durch erfahrene externe Experten unterstützt werden. Und der Personalbestand im Innendienst, wo normalerweise 25 Personen beschäftigt sind, sei praktisch verdoppelt worden. «Wir haben Überzeit angeordnet, arbeiten auch am Samstag, setzen Temporäre und Pensionierte ein und bieten dem Personal vor Ort Verpflegung an, damit die Pausen kurz gehalten werden können», beschreibt Schüpbach besagten Ausnahmezustand.

Das Waldstück bei Kestenholz wurde im Januar 2018 durch den Sturm «Burglind» arg in Mitleidenschaft gezogen.
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Das Waldstück bei Kestenholz wurde durch den Sturm «Burglind» arg in Mitleidenschaft gezogen.
Im Ballypark musste eine gut 100-jährige Buche entfernt werden, die wegen Sturm «Burglind» direkt auf eines der Pfahlbauerhäuschen kippte.
Im Ballypark musste eine gut 100-jährige Buche entfernt werden, die wegen Sturm «Burglind» direkt auf eines der Pfahlbauerhäuschen kippte.
Dieser Lastwagen fiel «Burglind» zum Opfer. Er blockierte die Durchfahrt auf der Autobahn A1 Fahrtrichtung Bern zwischen Oensingen und Niederbipp.
In Biberist fiel ein Baum auf Auto in Biberist – eine Person wurde dabei leicht verletzt.
Nicht mehr dort, wo es sein sollte: Ein Trampolin statt im Garten auf der Aarauerstrasse in Obergösgen.
Heftige Gebäudeschäden an einem alten Bauernhaus an der Hauptstrasse in Neuendorf.
Sturm Burglind: Die eindrücklichsten Bilder aus dem Kanton Solothurn
In der Werkhofstrasse in Solothurn wurde ein Baum entwurzelt.
Ein anderer Baum fiel auf Leitung der Bahnlinie bei Riedholz und blockierte die Strecke des Aare-Seeland-Mobils.
Auch in Wangen bei Olten musste die Feuerwehr einen Baum von der Strasse räumen.
Wegen herabstürzender Ziegel war der Obere Winkel in Solothurn gesperrt.
Beim Solothurner Konzertsaal stürzten Bäume auf Autos.
Bei der Dorfmetzgerei in Neuendorf stürzte eine Tanne direkt vor die Ladentür.

Das Waldstück bei Kestenholz wurde im Januar 2018 durch den Sturm «Burglind» arg in Mitleidenschaft gezogen.

Christian Merz

817 Meldungen allein aus den Bezirken Thal und Gäu

Kein Wunder: Denn via Telefon, Mail und per Brief gehen bei der SGV immer noch ununterbrochen Schadenmeldungen aus dem ganzen Kantonsgebiet ein. Entsprechend korrigiert Schüpbach die anfänglich erwartete Zahl von 3000 Gebäudeschadenfällen auf letztlich «deutlich über 3000». Das seien von einem Ereignis mehr als sonst in einem ganzen Schadenjahr. 817 Schadenfälle seien allein aus der am stärksten betroffen Region Thal-Gäu eingegangen.

Keine Prämienerhöhung

Eben erst hat die Solothurnische Gebäudeversicherung (SGV) ihren Versicherten mitgeteilt, dass die Prämien für das laufende Jahr auf dem Stand von 2017 belassen werden. Die Gebäudeschäden aus Bränden und Umwelteinflüssen hätten sich auch letztes Jahr in Grenzen gehalten. Und wie sieht es für 2019 aus: Ist nach «Burglind» mit einer Prämienerhöhung zu rechnen? SGV-Direktor Markus Schüpbach winkt auf Anfrage beruhigend ab: «Nein, nein, das Versicherungsgeschäft ist ein langfristiges Business. Wenn jetzt nicht alle 14 Tage etwas Grösseres passiert, dann besteht dafür keine Notwendigkeit.» Der Schadenverlauf in den letzten Jahren sei relativ günstig gewesen und die SVG verfüge über ein Reservepolster von rund 400 Mio. Franken. Der 53-jährige Schüpbach ist seit 1. Oktober 2017 SGV-Direktor. Er löste in dieser Funktion Alain Rossier ab. Der Stadtsolothurner Schüpbach wirkt in seiner Freizeit als Eishockey-Schiedsrichter. (ums.)

Der grösste Einzelfall wurde nach Angaben des SGV-Direktors aus Oensingen gemeldet, wo «Burglind» das Dach einer Liegenschaft samt Photovoltaik-Installationen weggefegt hat. Am Haus selber und an den Fassaden mehrerer Nachbarhäuser sei dabei «ein Schaden von weit über einer Million Franken» verursacht worden. So verwundert nicht, dass die Gebäudeversicherung die mutmassliche Gesamtschadensumme inzwischen verdoppeln und von anfänglich 5 auf 10 Mio. Franken hinaufschrauben musste.

Neben den über 817 Schadenmeldungen aus der Amtei Thal/Gäu waren bis Freitagmittag im System der Gebäudeversicherung folgende Zahlen aus den anderen Regionen des Kantons registriert: Solothurn/Lebern 760 Meldungen, Region Olten/Gösgen 636, aus dem Schwarzbubenland 263, aus dem Wasseramt 259 und aus dem Bezirk Bucheggberg bisher 130 Meldungen. Tendenz laufend steigend, wie es heisst.

Folgeschäden vermeiden: Reparaturen haben Priorität

Markus Schüpbach rechnet «mit weiteren Schadenmeldungen auch in der nächsten Zeit», deren Bearbeitung wohl noch die ganze erste Jahreshälfte andauern werde. Entsprechend bittet er Geschädigte um Verständnis und Geduld, wenn es zu gewissen Wartezeiten kommen sollte. Wichtig zu wissen: «Geschädigte müssen nicht auf einen Schadenexperten warten. Sie können die Reparaturen sofort in Angriff nehmen lassen.»

Denn insbesondere bei beschädigten Dächern bestehe andernfalls die Gefahr, dass der Schaden durch eindringendes Wasser noch viel grösser werde. Eine offizielle Frist für die Eingabe von Schadenmeldungen bei der Gebäudeversicherung gibt es laut Schüpbach nicht: Meldungen über erst später entdeckte Schäden könnten sicher noch während des ganzen Jahres eingereicht werden.

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